Prozess um versuchten Mord vor Bremer Landgericht

Lebensretter auf vier Pfoten

Eifersucht und Heimtücke: Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten (l.) versuchten Mord am neuen Freund seiner Ex-Frau vor.
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Eifersucht und Heimtücke: Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten (l.) versuchten Mord am neuen Freund seiner Ex-Frau vor.

Ein Hund hat in Bremen seinem Herrchen womöglich das Leben gerettet. Er ging dazwischen, als der Mann angegriffen wurde. Der mutmaßliche Angreifer muss sich jetzt vor Gericht verantworten.

Bremen – Pascal H. (33) hatte riesiges Glück – und seinen Lebensretter auf vier Pfoten dabei: Als ihm, so die Anklage, im Oktober 2020 der Ex-Mann seiner neuen Lebensgefährtin auflauert und dem Lageristen ein Messer in den Hals rammt, scheint der Kampf gegen den Angreifer bereits verloren. Doch dann geht sein Hund „Two Face“ dazwischen und verhilft seinem Herrchen zur Flucht. Seit Freitag muss sich nun der Mann, der für die brutale Attacke verantwortlich sein soll, wegen versuchten Mordes vor dem Bremer Landgericht verantworten.

Prozess um versuchten Mord: Es hätte die letzte Gassi-Runde sein können

Wie jeden Abend geht Pascal H. mit seinem Hund in Blockdiek spazieren. Es hätte die letzte Runde mit seinem American-Staffordshire-Terrier-Mix „Two Face“ sein können an diesem 15. Oktober vergangenen Jahres. Denn was H. nicht ahnt: Der 41 Jahre alte Ex-Mann seiner Lebensgefährtin lauert ihm der Anklage zufolge auf, beobachtet ihn und wartet nur auf den richtigen Moment, um zuzuschlagen. So stellte es zu Prozessbeginn die zuständige Staatsanwältin dar.

Vierbeiner beißt Angreifer in die Hand

Gegen 21 Uhr soll der Angeklagte aus seinem in der Nähe geparkten Mercedes gestiegen und sich von hinten an Pascal H. herangeschlichen haben. Er umklammert, so die Vorwürfe, den Lageristen von hinten und stößt ihm die Klinge eines Einhandmessers in den Hals, verfehlt nur knapp die Hauptschlagader. Der Angreifer sticht ein zweites Mal zu, trifft Leber und Zwerchfell des 33-Jährigen, H. droht zu verbluten. Dann soll sich der Angeklagte auf sein Opfer gesetzt und mehrfach in Richtung Kopf des Mannes gestochen haben. H. kann die Stiche abwehren – nun kommt ihm sein Hund „Two Face“ zur Hilfe und beißt dem Mann in die Hand.

Es sind wohl die entscheidenden Sekunden, die H. dazu verhelfen, Pfefferspray aus seiner Tasche zu holen, es dem Ex-Mann seiner Freundin ins Gesicht zu sprühen und in einen nahegelegenen Hauseingang zu flüchten. So berichtet es Pascal H. gegenüber unserer Zeitung, seine Zeugenaussage vor Gericht ist für den nächsten Verhandlungstag am Donnerstag, 22.  April, geplant. Dann wolle sich auch der Angeklagte äußern, so der Verteidiger des Mannes.

Notoperation retten Leben von Pascal H.

Im Vorfeld der mutmaßlichen Attacke, sagt Pascal H., der vor Gericht als Nebenkläger auftritt, soll der Angeklagte mehrfach Drohmails an ihn verschickt haben. Am Tattag habe es keine Mail gegeben, ein mulmiges Gefühl habe er dennoch gehabt, als er am Abend mit seinem Hund spazierengegangen sei. Die Staatsanwaltschaft geht von versuchtem Mord aus Eifersucht aus, zudem wirft sie dem 41-Jährigen Heimtücke vor, da H. durch den Angriff von hinten „arg- und wehrlos“ gewesen sei. Mit schweren Verletzungen wird der heute 33-Jährige in ein Krankenhaus gefahren, dort stellen Mediziner neben den Schäden an Leber, Zwerchfell und Hals noch eine Rippenfraktur fest. Eine Notoperation rettet sein Leben.

So einen Angriff kennt Pascal H. nur aus Action-Filmen, erzählt er. Dass ihm so etwas selbst einmal widerfahre, sei jedoch „eine ganz andere Hausnummer“. Trotz der schweren Verletzungen habe er am Tattag keine Schmerzen verspürt, „mein Adrenalinspiegel muss unglaublich hoch gewesen sein“. So habe er selbstständig den Rettungsdienst und seine Familie verständigt, bevor ihn Sanitäter in eine Klinik brachten. Der mutmaßliche Täter wird noch in der Nähe des Tatorts festgenommen. Er soll, das berichtet H., noch versucht haben zu flüchten – doch da hatte er wohl die Rechnung ohne den Rüden gemacht, der sich dem Mann in den Weg gestellt habe.

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