Landfrauen bringen Erntekrone ins Bremer Rathaus 

„Lebensmittel sind nicht selbstverständlich“

Sie ist oben! Landfrauen-Vorsitzende Andrea Geerken und Senator Joachim Lohse blicken zur Erntekrone hoch. - Foto: Kuzaj

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Eine Krone im Bremer Rathaus! Nein, hier ist jetzt nicht die Monarchie eingeführt worden. Das Erntedankfest (Sonntag, 2. Oktober) naht. Und da ist es seit bald 20 Jahren gute Tradition, dass die Bremer Landfrauen dem Bürgermeister eine Erntekrone ins Rathaus bringen, sagt Andrea Geerken aus dem Blockland, die Vorsitzende der Bremer Landfrauen.

Nun war Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) am Mittwoch gar nicht in Bremen, sondern bei der Klausurtagung der SPD-Bürgerschaftsfraktion in Wilhelmshaven. Also nahm Umweltsenator Joachim Lohse (Grüne) die Erntekrone in Empfang – was gut passte, denn schließlich ist er von Amts wegen für die Landwirtschaft in Bremen zuständig.

„Es ist wichtig, dass wir uns den Wert insbesondere unserer regionalen Landwirtschaftsprodukte stets vor Augen führen“, sagte Lohse zu den Landfrauen. Und genau darauf wollten die Besucherinnen ja aufmerksam machen. Andrea Geerken: „Lebensmittel im Überfluss sind in vielen Teilen der Welt nicht selbstverständlich. Darum ist es uns ein Anliegen, dafür zu danken, dass es uns so gut geht und dafür zu werben, mit denen zu teilen, die Hunger leiden.“

Aus ihrer Sicht, so Geerken weiter, sei der „Bezug zu den Landwirten und der Landwirtschaft“ in der Gesellschaft vielfach verlorengegangen. Da gelte es, gegenzusteuern – etwa mit offenen Höfen und Präsentationen wie auf der Verbrauchermesse „Hanse-Life“.

Die Bauern haben es nicht leicht. Zunehmende Bürokratisierung und Flächenverluste durch Bau- und Ausgleichsmaßnahmen, anhaltender Preisverfall und verzerrt-groteske Darstellungen in Medien („Bauer sucht Frau“) – wieder und wieder werden Höfe aufgegeben. Oft findet sich kein Nachfolger. Dabei sei der Beruf gerade auch für Jüngere attraktiv, sagte Hilmer Garbade, Präsident des Bremischen Landwirtschaftsverbands, der ebenfalls im Rathaus erschienen war. „Man braucht viel technisches und betriebswirtschaftliches Wissen.“

Besprochen wurde all das unter der Erntekrone, die nun in der Eingangshalle des Rathauses hängt. Sie besteht aus Weizen aus der Hemelinger Marsch und ist mit roten und weißen Schleifen geschmückt – die Farben der Bremer „Speckflagge“.

Gebunden wurde sie schon im August. Und das Getreide für die Krone wurde bereits im Juli geschnitten. „Bevor es ganz reif ist“, so Andrea Geerken. „Damit die Körner nicht rausfallen.“ Dann wurde der Weizen erst einmal getrocknet. Anschließend trafen sich etwa 15 der insgesamt 280 Bremer Landfrauen zum Binden.

Apropos Erntedank – die Bremer Domgemeinde feiert am Sonntag, 2. Oktober, in der „Cappella della Musica“ (Osterdeich 70) einen Erntedank-Gottesdienst „für Groß und Klein“. Er beginnt um 11 Uhr. Es predigt Pastor Christian Gotzen. Achtung – wegen des Bremen-Marathons ist der Osterdeich am Sonntag für Autos gesperrt.

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