Premiere: Henning Scherf liest erstmals aus seinem neuen Buch „Altersreise“

Lebenshilfe vom Superstar

Mitten in seinem Publikum: Autor Henning Scherf im „Haus im Viertel“ (Steintor). ·
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Mitten in seinem Publikum: Autor Henning Scherf im „Haus im Viertel“ (Steintor). ·

Bremen - Von Thomas Kuzaj„Dieses Jahr werde ich 75“, sagt Henning Scherf (SPD), Bürgermeister a. D. und Bestsellerautor – mit Büchern zum Thema „Alter“. Seit „Grau ist bunt“ ist er so etwas wie der Senioren-Superstar. Im „Haus im Viertel“ der Bremer Heimstiftung präsentiere er gestern sein neues Buch „Altersreise – Wie wir alt sein wollen“.

Eine Premiere, die erste Lesung aus dem neuen Band. Lesung? Ein Happening! Ein Mann trifft seine Fans. Drücken, umarmen, tätscheln, scherzen, kurz schnacken, lächeln – und weiter geht‘s: Scherf begrüßt alle im Saal persönlich. Dann gibt er ihnen eine Erklärung: „Ich habe das Buch geschrieben, weil meine Frau gesagt hat, Du schreibst immer übers Alter und bist ja noch gar nicht alt.“ Da sei er losgefahren, um herauszufinden, wo und wie alte Menschen gemeinschaftlich zusammenleben.

„Die Pflege der Zukunft sieht Scherf in einer Mischung aus professionellen und ehrenamtlichen Kräften, einer dezentralen Versorgung unter Mithilfe von Nachbarn, Freunden und Verwandten – gesteuert und koordiniert von einem Quartiersmanagement.“ So fasst der Herder-Verlag jene Rechercheergebnisse zusammen, die Scherf in seiner „Altersreise“ (224 Seiten, Preis: 19,99 Euro) beschreibt.

Scherf erzählt, er habe auf Reisen Tagebuch geführt, und die Reise begann im Jahr 2010 in Borgfeld. Dort lebte er für 14 Tage in einer Pflege-Wohngemeinschaft im Stiftungsdorf der Bremer Heimstiftung. Autor Scherf berichtet lebhaft von Begegnungen, Spaziergängen und Gesprächen, und er sagt stets nicht „Borgfeld“, sondern echt bremisch „Borchfeld“. Drei der Menschen, von denen er im Stiftungsdorf-Kapitel erzähle, seien inzwischen gestorben, sagt Scherf. „Aber sie sind mittendrin gestorben.“

Mittendrin – darum geht es ihm. Scherf tritt auf als Mutmacher, als Animateur des Positiven. „Was muss passieren, damit man gut mit dem Alter klarkommt?“ Scherf will Lebenshilfe geben: „Bevor ich vorlese, möchte ich so ein paar Einsichten nennen.“

Zwei Beispiele:

· „Es ist wichtig, dass man im Alter noch was zu tun hat, und wenn‘s noch so behutsam ist.“ Sich etwas vorzunehmen, sich zu beteiligen – darum gehe es. Scherf spricht von einer Frau, die im Publikum sitzt: „Sie ist 88, kann kaum noch gucken – auf die Bühne traut sie sich aber und spielt Theater!“ Scherf: „Wenn jeder nur ganz alleine zu Hause sitzt, geht das meiste an ihm vorbei.“

· Wichtig sei es auch, mit Menschen verschiedener Generationen zu tun zu haben. „Die Vorstellung, alle müssten gleichaltrig sein, ist von gestern.“ Als Beispiel kommt er wieder auf das Stiftungsdorf in „Borchfeld“ zurück, wo die Bewohner gemeinsam mit Kindern aus der Grundschule, die gleich nebenan liegt, zu Mittag essen. „Das regt einen an“, so Scherf.

Eine Zuhörerin möchte wissen, wo denn Beispiele zu finden seien für das Wohnen, das Scherf so dringend empfiehlt. Scherf verweist auf die Bundesvereinigung „Forum gemeinschaftliches Wohnen“ in Hannover, rät aber dazu, sich in der Nachbarschaft umzusehen: „Man sollte nicht bundesweit suchen, sondern dort, wo man zu Hause ist.“

· Am Sonntag, 10. Februar, liest Scherf in der Reihe „Poesie im Bremer Ratskeller“ erneut aus „Altersreise“. Beginn: 11 Uhr. Der Erlös aus dem Eintrittsgeld geht an die Wilhelm-Kaisen-Bürgerhilfe.

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