Dichter-Bildnis nach 40 Jahren wieder zu sehen

Lebensgroß in der Kunsthalle

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Im Scheinwerferlicht: Restaurierungsarbeiten in den Werkstätten der Kunsthalle am „Bildnis des Dichters Klaus Groth“, das Hans Olde 1897 gemalt hat.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Eine Kunstpause zu machen, das kann ja schon für sich genommen eine Kunstform sein. Weil es auf das Timing, auf den richtigen Augenblick ankommt. Augenblicke der Kunst wiederum will die Kunsthalle ihren Besuchern bescheren, das zählt ja schließlich zu ihren Aufgaben.

„Kunstpause“ ist denn auch der Titel einer Reihe der Kunsthalle, in der jetzt eine ganz besondere Pause ansteht. Termin: Donnerstag, 8. Juni, 13 bis 13.15 Uhr.

Dr. Dorothee Hansen, stellvertretende Direktorin der Kunsthalle, und Dr. Reinhard Goltz, Leiter des Instituts für niederdeutsche Sprache im Schnoor, das wegen seiner ungewissen Zukunft gerade stürmische Zeiten durchmacht, stellen dann gemeinsam ein Ölgemälde des Malers Hans Olde (1855 bis 1917) vor – das „Bildnis des Dichters Klaus Groth“ aus dem Jahr 1897

„Das lebensgroße Gemälde wird nach 40 Jahren im Depot und einem Zwischenstopp in der Restaurierungswerkstatt endlich wieder ausgestellt“, sagt eine Kunsthallen-Sprecherin. Es zeigt – eben – den Dichter Klaus Groth (1819 in Heide in Dithmarschen geboren, 1899 in Kiel gestorben), der neben Fritz Reuter als Begründer der niederdeutschen Literatur gilt. Von Groth stammen beispielsweise diese Worte: „Hoch oder platt, drög oder natt, Beer oder Win, grof oder fin – awer echt mutt es sin!“

Nach dem Erscheinen seines Gedichtbandes „Quickborn“ im Jahr 1852 wurde Groth als plattdeutscher Dichter berühmt – eine Berühmtheit, die sich in etlichen Bildnissen des Schriftstellers widerspiegelt. „Die schönsten und bedeutendsten“, so die Kunsthallen-Sprecherin, „stammen von dem schleswig-holsteinischen Künstler Hans Olde, der den mehr als 30 Jahre älteren Dichter 1896 zum ersten Mal in einer Radierung darstellte.“

Und eben auf dem großen Ölbild von 1897, das der Kunsthalle gehört. Es zeigt den Dichter im Park auf dem Oldeschen Gut Seekamp bei Kiel. „Helles, gelbes Sonnenlicht leuchtet durch das Blätterdach und verdeutlicht den Einfluss der französischen Impressionisten auf Olde. Zugleich charakterisierte er das Gesicht des greisen Dichters äußerst naturalistisch“, heißt es in der Kunsthalle, wo das Gemälde im Jahr 1900 in einer großen Ausstellung erstmals zu sehen gewesen ist. Es beeindruckte so sehr, dass die Bremer es ankauften.

Das Bild wurde schnell bekannt – und so schuf Olde eine schmalere zweite Fassung (Hamburger Kunsthalle) sowie eine Variante als Halbfigur, die heute im Landesmuseum Oldenburg zu finden ist.

In Bremen lagerte der gemalte Dichter jahrelang im Depot. In der hauseigenen Werkstatt ist das Gemälde nun sorgfältig gereinigt worden. Der Maler Hans Olde war Vorstandsmitglied im Deutschen Künstlerbund. 1911 wurde er Direktor der Königlichen Kunstakademie Kassel. Begraben wurde er nach seinem Tod in seiner schleswig-holsteinischen Heimat – in Dänischenhagen bei Kiel, wo auch eine Straße nach ihm benannt worden ist.

Lateinamerika am Osterdeich

Von Norddeutschland nach Lateinamerika – ohne aber Norddeutschland zu verlassen: Die argentinische Sängerin Clara Cantore spielt am Freitag, 16. Juni, um 20 Uhr in der Villa Sponte (Osterdeich 59b). Und was spielt sie dort? Natürlich: lateinamerikanische Musik.

„Obwohl ihre Musik im Kontext der argentinischen und lateinamerikanischen Volksmusik fest verwurzelt ist, gibt es auch einen starken Einfluss von Tango, Flamenco und klassischer Musik – infolge ihrer umfangreichen Ausbildung und musikalischen Neugier“, so ein Sprecher. Der Eintritt ist frei.

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