Lebensgefahr und Todesangst

Schüsse auf Polizisten: 33-Jähriger in Bremen vor Gericht

+
In diesem Haus an der Ecke Tiefer/Balgebrückstraße in der Bremer City kam es in der Nacht des 4. März 2016 zu den Schüssen. Eine 17-Jährige wurde dabei lebensgefährlich verletzt.

Bremen - Von Steffen Koller. Im März vergangenen Jahres erwiderte ein heute 35-jähriger Polizist bei einem Einsatz Schüsse durch eine leicht geöffnete Wohnungstür und verletzte dabei eine 17-Jährige lebensgefährlich.

Das Verfahren gegen ihn ist längst eingestellt, dem Beamten wurde bescheinigt, dass er korrekt gehandelt hat. Seit Donnerstag muss sich nun ein 33 Jahre alter Mann vor dem Amtsgericht wegen gefährlicher und fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Er hatte damals – mit einer nicht erkennbaren Schreckschusspistole – durch einen Türspalt auf Polizisten geschossen und so die Schüsse mit der scharfen Waffe ausgelöst, heißt es in der Anklageschrift.

Kurz vor den Schüssen war es an der Straße Tiefer in der Bremer Innenstadt zu einer Schlägerei zwischen dem jetzt angeklagten Hausbewohner und drei Männern gekommen, die sich unerlaubt Zutritt zur Wohnung verschaffen wollten. Nachdem der Mann die ungebetenen Gäste vor die Tür gesetzt und die Polizei alarmiert hatte, zogen sich die Partygäste wieder in die Wohnung zurück. Für die Beamten, die den Einsatzbefehl der „Kategorie 1“ (höchste Stufe) erhielten, galt oberste Alarmbereitschaft, sagte der Polizist zum Prozessauftakt als Zeuge aus.

Ein Schuss traf die Leber

Der 35-jährige Beamte hatte sich zusammen mit einer Polizistin zur Haustür des Angeklagten begeben und nach eigener Aussage mehrmals „Aufmachen, Polizei!“ gerufen. Bereits im Treppenhaus sei „überall Blut“ gewesen. „An den Wänden, auf dem Fußboden, überall“, so der Beamte, der seit elf Jahren bei der Polizei arbeitet und den Einsatzort aufgrund der Blutspuren „schlimmer als andere“ einstufte. Als mehrere Versuche, die Tür gewaltsam zu öffnen, misslangen, habe jemand „ohne Vorwarnung, ohne irgendwas“ aus dem Türspalt auf die Beamten gefeuert. Daraufhin habe er zurückgeschossen, so der Polizist.

Fünfmal schoss der Beamte auf die geschlossene Tür, zwei Projektile trafen die linke Schulter der damals 17-Jährigen, ein Schuss traf die Leber. Das Mädchen wurde umgehend notoperiert und in ein künstliches Koma versetzt. „Kurzzeitig bestand Lebensgefahr“, so die Anklagevertretung. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft schoss der Polizeibeamte in „Verteidigungsabsicht“, was dieser vor Gericht bestätigte. „Es war nicht berechenbar, was passieren würde“, so der Polizist, der weiter sagte, er habe „Todesangst“ gehabt. Der Beamte sei von einer scharfen Waffe ausgegangen, „ein schreckliches Gefühl“. Drei Wochen war der Mann dienstunfähig, er erlitt ein Knalltrauma und einen Schock.

„Weder objektiv noch subjektiv gerechtfertigt war“

Der Angeklagte, so die Staatsanwaltschaft, habe in der Situation mehrere Handlungsalternativen gehabt – doch er entschied sich für die Alternative, die „weder objektiv noch subjektiv gerechtfertigt war“. Zum einen hätte der Mann im Glauben, die ungebetenen Gäste seien zurückgekommen, mit der Polizei und zum anderen mit seiner Waffe drohen können, zumal er selbst die Polizei gerufen habe und so damit hätte rechnen müssen, dass Beamte vor der Wohnung stehen.

Der Angeklagte ließ durch seinen Anwalt Christian Knüpling mitteilen, dass er vorerst keine Angaben machen werde. Sein Mandant wisse, dass er eine „Mitursache gesetzt“ habe, meinte Knüpling. Das heute 18-jährige Mädchen, das damals verletzt wurde und ebenfalls als Zeugin aussagte, verstrickte sich während seiner Aussage mehrfach in Widersprüche. Vieles habe sie im Nachhinein von anderen gehört, vieles habe sie geschlussfolgert, sagte die junge Frau vor Gericht. Detaillierte Erinnerungen an den Tatabend habe sie nicht.

Das Urteil im Prozess wird für Dienstag, 10. Oktober, erwartet.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Rajoy kündigt Regierungsabsetzung in Katalonien an

Rajoy kündigt Regierungsabsetzung in Katalonien an

Erneuter Rückschlag für BVB - Bayern schließen auf

Erneuter Rückschlag für BVB - Bayern schließen auf

Artistisches Abschlusstraining

Artistisches Abschlusstraining

Krause-Sause in der Halle 7

Krause-Sause in der Halle 7

Meistgelesene Artikel

„Handwerksshow“ mit Ex-„Bachelor“ Jan Kralitschka im Weserpark

„Handwerksshow“ mit Ex-„Bachelor“ Jan Kralitschka im Weserpark

27-Jähriger mit Glasflasche schwer verletzt

27-Jähriger mit Glasflasche schwer verletzt

Musicaltheater: Vertrag bis 2023 mit neuem Betreiber

Musicaltheater: Vertrag bis 2023 mit neuem Betreiber

Ladies Night: 2500 Bändchen für mehr Spaß auf dem Freimarkt

Ladies Night: 2500 Bändchen für mehr Spaß auf dem Freimarkt

Kommentare