Besuch bei „Mother-Africa“-Proben

Afrikanische Artisten bringen ihren Kontinent auf die Bühne

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Probe in der Zirkusschule „Hakuna Matata“ in Tansania, in der junge Afrikaner ausgebildet werden.

Bremen - Seit Dezember ist das Projekt „Mother Africa“ wieder auf Tour – mit einer Neuinszenierung der Show „Khayeli-tsha“. Mehr als 30 afrikanische Akteure aus Ägypten, Äthiopien, Elfenbeinküste, Simbabwe, Südafrika und Tansania wollen den Zuschauern die Kraft und die pure Lebensfreude des „schwarzen Kontinents“ pointiert, augenzwinkernd und mit viel Leidenschaft auf die Bühne bringen. Dass dies gelingt, davon konnten sich die Bremer bereits mehrfach überzeugen. Jetzt kommt „Khayelitsha“ wieder in die Hansestadt – am Sonntag, 21. Januar, 18 Uhr, in die Glocke.

Einblick in die Arbeit mit den Artisten gibt Olaf Neumann, der eine Zirkusschule und ein Casting in Südafrika besucht hat. Manege frei für Akrobatik am Tafelberg, die in Kürze auch in Bremen zu sehen ist!

Hier in Kapstadt hat der ehemalige Hochseilartist Brent van Rensburg (56) vor zehn Jahren ein Zelt aufgestellt. Artistikbegeisterte Kinder und Jugendliche haben in der „Zip Zap Circus School“ ein Zuhause gefunden. In dem 1 200 Zuschauer fassenden Theater finden regelmäßig Shows statt. Dafür wird im Stammhaus im Stadtteil Salt River täglich mit Freude geprobt.

Brent van Rensburg redet und gestikuliert pausenlos. Als er ein Junge war, stieg sein Vater jeden Tag mit ihm auf einen stadtnahen Berg. Er war 15, als er die Schule schmiss, um Trapezkünstler zu werden. Und glaubt, einen bis heute gültigen Weltrekord aufgestellt zu haben: Er tanzte auf einem 55 Meter hohen Seil. 18 Jahre später wirken seine Tochter Sabine (21) und Saskia (19) in seinen eigenen Shows mit.

Die Kraft und die Lebensfreude des afrikanischen Kontinents wollen die Akteure von „Mother Africa“ auf die Bühne bringen – wer schon eine Show von ihnen gesehen hat, weiß, dass sie genau das schaffen. Am 21. Januar zeigt das Zirkusprojekt in Bremen „Khayelitsha“.

Der 25-jährige Jacobus Claassen lebte früher auf der Straße und bildet heute den Nachwuchs aus. 2016 durfte er an Halloween gemeinsam mit einem „Zip-Zap“-Kollegen vor dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama auftreten. Claassen lebt seit 2007 in Kapstadt. In der Tanzschule findet heute ein Casting statt. Die Einrichtung liegt im landesgrößten Township „Mitchells Plane“ im Kapstadter Vorort Athlone. In der Jury sitzt der gebürtige Simbabwer Winston Ruddle (50), ein Weltbürger mit Wohnsitzen in Köln, Daressalam und Australien. Er ist Mitbegründer und Kreativdirektor von „Mother Africa“. Den nimmermüden Perkussionisten für das Casting hat er zwei Tage zuvor in einem Restaurant entdeckt. Dutzende von jungen Südafrikanern wollen sich die Chance nicht entgehen lassen, mit „Mother Africa“ durch Europa zu touren. Wichtig: Die Bewerber sollen verschiedene südafrikanische Tanzstile wie Pantsula, Zulu, Kwaito, Gumboot, Hip-Hop und Contemporary miteinander kombinieren können. Manche hier gehen noch zur Schule.

Bevor er sich endgültig entscheidet, unternimmt Ruddle noch einen Abstecher nach Daressalam. In der größten Stadt Tansanias (Ostafrika) befindet sich die von ihm gegründete „Hakuna Matata Circus School“. Hier trifft man auf begeisterte Akrobaten wie Bernard Reuben Lungwa. Der 29-Jährige sagt: „Mein Schicksal war die Artistik.“ Um sein Studium zu finanzieren, gründete er ein eigenes Transportunternehmen. Heute hat er drei Angestellte. Er selbst ist lieber in der Manege als im Auto. Die Chance, sich bei den waghalsigen Nummern ohne Netz und doppelten Boden zu verletzen, ist laut Bernard äußerst gering. Das Zuschauen ist allerdings spektakulär.

Sport - wichtiger als Essen

Auch der 32-jährige Mrisho Said Mohamed brennt für die Bühne. Mit 14 begann er mit Akrobatik in den Straßen von Daressalam. Sport war für ihn wichtiger als Essen. Irgendwann verstand seine Mutter Tatu Theophily Uchunghi (65), dass ihr Sohn nicht von seinem Traum abzubringen war. 2007 war es schließlich so weit und Mohamed tourte mit André Heller durch Europa. Man merkt ihm an, wie seine Arbeit sein Selbstvertrauen stärkt. Sein Leben in Tansania sei gut, sagt er. Er habe hier eine eigene Familie. In Europa möchte er eigentlich nur sein, um zu arbeiten.

Ruddle, Showproduzent Hubert Schober und auch Heller mit „Afrika! Afrika!“ haben mit ihren Projekten Spuren auf dem Kontinent hinterlassen. Sie haben das artistische Können der Künstler von den Straßen in die Zirkusschulen und auf die Bühnen dieser Welt gebracht. 

Hintergrund: „Unsere neue Heimat“

„Khayelitsha“ (übersetzt „unsere neue Heimat“) ist der Name eines der größten Townships Südafrikas, das etwa 30 Kilometer vor Kapstadt liegt. Geschätzt wohnen hier rund zwei Millionen Menschen. „Khayelitsha“ heißt auch die Show des Zirkus „Mother Africa“. 

Das Team tourt seit Mitte Dezember mit dem neuen Programm durch die Länder. In Bremen gastiert „Mother Africa“ am Sonntag, 21. Januar, 18 Uhr, in der Glocke. In der außergewöhnlichen Kulisse aus kleinen Hütten und Ständen aus Wellblech, Holz oder Pappe, zwischen Straßenverkäufern und Gauklern zeigen die Regisseure Winston Ruddle (Zimbabwe) und Ulrich Thon (Deutschland) einen Tag im Township. Zu sehen sind spektakulären Aktionen auf einem BMX-Rad, schwindelerregende Stuhl- und Menschenpyramiden, übermütige Tänzen auf einem freischwingenden Seil, waghalsige Balance-Aktionen, der sogenannte „Globe-Walk-Act“ aus Ägypten mit riesigen Kugeln, Kontorsion und Handstandakrobatik. 

Zahlreiche Akteure betreten für die neue Show zum ersten Mal im Leben europäischen Boden. Die akrobatischen Höchstleistungen werden begleitet von viel Tanz, einstudiert von der „Mother-Africa“-Choreographin Noluyanda Mqulwana. Sie stammt selbst aus Khayelitsha. Die afrikanische Musik kommt von der einer Live-Band. „Mother Africa“ wurde 2006 von Winston Ruddle und Hubert Schober ins Leben gerufen. 

Als drittes von sieben Kindern in Zimbabwe geboren, brach Ruddle nach dem frühen Tod seiner Mutter die Schule ab, versuchte sich als Breakdancer und war später auch über die Grenzen Afrikas hinaus als Clown und Artist erfolgreich. 2003 eröffnete er die „Hakuna-Matata-Circus-School“ in Tansania. Seither verfolgte er seinen Traum von einem rein afrikanischen Zirkus mit internationaler Ausrichtung und feierte dabei unter anderem Erfolge mit André Hellers „Afrika! Afrika“.

Karten (etwa 40 bis 60 Euro) für „Khayelitsha“ in der Glocke gibt es unter anderem in den Geschäftsstellen unserer Zeitung. 

gn

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