Lebenselixier Forschung

Dichtungsmasse-Spezialist Actega DS baut aus 

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Elena Grunenberg testet neue Granulat-Mixturen im Labor bei Actega DS in Walle. Sie verfügt über einen kleinen Extruder zum Herstellen von Proben.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Modernste Materialien begegnen Kunden oft ganz unscheinbar. Manchmal sitzen sie im Detail. Zum Beispiel: Ein Glas Oliven des Nahrungsherstellers Feinkost Dittmann. Einmal kräftig drehen, Deckel runter und schon fällt der Blick auf einen blauen Dichtungsring im Inneren des Metalldeckels. Die PVC- und weichmacherfreie Dichtungsmasse besteht aus einem besonderen Granulat der in Bremen ansässigen Firma Actega DS, dem jüngst entwickelten Provalin.

Actega DS ist ein sogenannter „Hidden Champion“. Das Bremer Unternehmen mit 150 Mitarbeitern exportiert Dichtungsmaterialien für die Verpackungsindustrie in insgesamt mehr als 100 Länder. Etwa 20 Prozent der Güter gehen nach Deutschland, 33 Prozent ins übrige Europa, 20 Prozent nach Asien, 15 Prozent nach Amerika und zwölf Prozent nach Afrika. In den vergangenen acht Jahren ist das Unternehmen um 50 Prozent gewachsen.

Actega DS liefert die Dichtmasse als Granulat. Die Zutaten sind besondere Kunststoffe, genannt Polymere, die, ebenfalls in Granulat-Form, aus mehreren großen Vorratsbehältern in eine Art beheizten Fleischwolf, den Extruder, rutschen und dort bei 200 Grad homogenisiert und danach mit Wasser abgeschleudert werden. Die Granulat-Form aus kleinen Kügelchen entsteht. Ein kleines Fensterchen erlaubt einen Einblick in die riesige Maschine: Mit rasantem Tempo schwimmen die Kügelchen vorbei. „Wir formen nicht. Wir kochen sozusagen die Zutaten und mischen sie zu einem neuen Produkt“, sagt Geschäftsführer Wilfried Lassek. Beim Kunden, dem Hersteller von Verschlüssen, wartet erneut ein Extruder auf das aus Bremen kommende Granulat. Dann wird dieses etwa in eine Ringform gebracht oder in Tropfen heiß im Deckel aufgetragen und verstempelt.

Wilfried Lassek, Geschäftsführer bei Actega DS, im Applikationslabor des Unternehmens. Vor ihm sind viele bekannte Produkte zu sehen, deren Dichtungen auf Granulaten des Bremer Unternehmens basieren. 

Das Unternehmen investiert in den kommenden zwei Jahren 18 Millionen Euro in den Ausbau des Standortes. Die Kapazitäten im Bereich Forschung und Entwicklung sollen verdreifacht und zudem die Produktions- und Lagerflächen um 8 000 Quadratmeter erweitert und so verdoppelt werden. Besonders der Bereich Forschung und Entwicklung ist für das Unternehmen sehr wichtig. „25 Prozent unseres Umsatzes machen wir mit Produkten, die wir in den vergangenen fünf Jahren entwickelt haben“, sagt Lassek.

Elena Grünberg forscht an solchen neuen Mixturen. Sie verbringt die Hälfte ihres Tages am Rechner, die andere Hälfte an einem kleinen Extruder zur Herstellung von Mustern und weiteren Versuchs- und Messgeräten. „Wir brauchen schon auch viel Zeit zum Austesten“, sagt die Chemikerin. Sobald die Mischung stimmt, wird sie im Applikationslabor in Form gebracht und im Einsatz getestet. Dort stehen alle mit Dichtmasse belieferten Endprodukte bereit: Flaschen und Gläser mit Deckeln und Kronkorken.

Jung ist der Einsatz der Granulate von Actega DS in medizinischen Produkten. Der Bereich wurde 2009 im Unternehmen implementiert, seit fünf Jahren sind entsprechende Granulate im Vertrieb. Katharina Bahrs, Leiterin Entwicklung und Service im Bereich Verschlüsse, zeigt einen Stopfen. Dieser soll mit der Nadel einer Spritze durchstochen werden, damit diese das Medikament einsaugen kann. „Das Material muss optimal mit dem Spritzenkörper wechselwirken“, sagt Bahrs. Alles müsse steril sein. Beim Einsatz eines Tropfs steckt die Nadel sehr lange in dem Stopfen. „Manchmal fließen nur zwei Milliliter pro Stunde“, sagt Bahrs. Die Materialien sind so ausgelegt, dass sie sich nach Entfernen einer Nadel wiederverschließen.

Actega DS mit Sitz an der Straubinger Straße 12 in Walle ist ein Bremer Traditionsunternehmen. 1920 wurde es als Diersch & Schröder gegründet. 1965 kam es zur Ausgründung von DS Chemie. Diese befindet sich seit 1995 im Verbund des Unternehmens Altana mit Sitz in Wesel und wurde 2007 in Actega DS umbenannt. DS steht noch immer für Diersch & Schröder. Die Waller haben etwa 150 Mitarbeiter, Tendenz steigend. Der Jahresumsatz beträgt 65 Millionen Euro.

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