Bremen: Oldtimer im Livestream

So geht die „Bremen Classic Motorshow“ im Lockdown

Motorhaube auf: Automobil-Kenner Wolfgang Blaube (links) im Gespräch mit Motoringenieur Bernd Ramler, der den Motor des Mercedes Benz 190 2.5-16 Evolution II (rechts im Bild) mitentwickelt hat.
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Motorhaube auf: Automobil-Kenner Wolfgang Blaube (links) im Gespräch mit Motoringenieur Bernd Ramler, der den Motor des Mercedes Benz 190 2.5-16 Evolution II (rechts im Bild) mitentwickelt hat.

In „echt“ konnte die „Bremen Classic Motorshow“ nicht stattfinden. Aber die Macher haben sich etwas einfallen lassen, um Oldtimer-Freunden dennoch etwas zu bieten.

  • Oldtimer im Livestream.
  • Autopaare im Vergleich: Sondershow „Biedermann & Brandstifter.
  • Von Mercedes bis Trabi: Die ganze Show online.

Bremen – Fünf Stunden vergehen am Sonnabend wie im Flug bei der Online-Ausgabe der „Bremen Classic Motorshow“. Ein Plausch vor der Kulisse der Oldtimer ist natürlich nicht möglich, doch zuvor gedrehte Einspieler bieten viel Information und auch bunte Geschichten. Ein Trostpflaster für die Fans der Messe, die so zum 19. Mal stattfindet, trotz Lockdowns.

Zwei Autopaare, die in der Sondershow „Biedermann & Brandstifter“ gezeigt werden, offenbaren einen Gegensatz zwischen bürgerlicher Gemütlichkeit und PS-starkem Großmut. Wolfgang Blaube, Automobil-Journalist und Historiker, erscheint im Mercedes Benz 190, dem „Baby-Benz“. Als die Baureihe vor fast 40 Jahren an den Start ging, habe es so etwas wie einen kleinen Mercedes nicht gegeben, sagt er. Dieser Fahrzeugtyp habe zusammen mit dem VW Golf GTI und vielleicht bedingt mit dem 3er BMW eine ganze Tuning-Industrie begründet, so Blaube. „Doch was sich die Zubehör-Hersteller nicht getraut haben, das kam völlig überraschend nach ein paar Jahren vom Hersteller selbst.“ Er spricht vom 190 E 2.3-16 und dem 190 E 2.5-16 Evolution II. Ein Auto des letzteren Typs fährt ein, stolze 235 PS stark. Der Besitzer erzählt, dass Mercedes 1988 in den Rennsport wiedereingestiegen sei und man bestimmte Anbauteile wie Spoiler in 500er Auflage produzieren musste. 1989 habe es dann den Evolution I gegeben, 1990 den Evolution II.

Mercedes und Motorsport

Bernd Ramler, ehemals Entwicklungsleiter des Antriebstrangs beim 190 E 2.5-16 Evolution II, ist zu sehen. Die Forderungen für den Motorsport seien von den Kosten und den Stückzahlen eigentlich unmöglich gewesen, so Ramler. Mercedes sei gewohnt gewesen, fast 300 000, 400 000 Stück von einem Motor zu bauen. „Und jetzt kommt einer um die Kurve und will nur 502!“, sagt er. Die Controller, die damals noch nicht so hießen, „sind ausgeflippt“. 1991 habe es zig-Siege gegeben. „1992 haben wir die komplette Meisterschaft gewonnen“, sagt Ramler.

Besonders interessant ist die Geschichte eines englischen Motorrads aus der Vorkriegszeit, einer Rudge Special 500, wahrscheinlich 1938 gebaut und 1939 in Berlin verkauft mit deutscher Beschriftung, deutschem Tacho und deutscher Bereifung, sagt der aktuelle Besitzer Cord Warneke. Der frühere Besitzer zerlegte das Motorrad, nachdem es 6 000 Kilometer gefahren war, in seine Einzelteile. Dann musste er in den Krieg und kehrte nicht zurück. Links und rechts neben seinem Haus seien alle Häuser zerstört worden. „Auf Google-Earth kann man sehen, dass dieses Haus das einzige ist, was stehengeblieben ist“, so Warneke. In den 70ern sei die Witwe ausgezogen. Warneke erzählt, dass Freunde von ihm aufmerksam wurden, den Keller leerräumten und die Teile mitnehmen durften.

Ein Kameramann (v.l.) filmt Lena und Frank Schwardtmann mit ihrem Trabi. Rechts Oldtimer-Experte Johannes Hübner.

Vater und Tochter gewinnen Rallye mit Trabi

Mit einem Trabant 601 Universal gingen Frank Schwardtmann und seine Tochter Lena aus Schwanewede auf die „20-Nations-Rallye“, die in Bremen startete, durch 20 Länder und gewannen – mit dem kleinsten Team und dem kleinsten Motor. Das war nach Angaben der Messe Bremen im Jahr 2018. Geschlafen haben die beiden in einem Zelt auf dem Dach. Man durfte keine Autobahn benutzen und kein Navi, sagt Frank Schwardtmann. Auf der Autobahn hätte der Trabi gegen die anderen Autos keine Chance gehabt, auf der Landstraße habe es eine Rest-Chance gegeben. „Die Herausforderung haben wir dann angenommen.“ Ein Anhänger samt Inhalt, wie Öl, Ersatztreibstoff, Gepäck und Kocher, wurde in Bulgarien geklaut. Das habe ihren Ehrgeiz angestachelt.

Frank Ruge auf der Bühne für das Online-Event der „Bremen Classic Motorshow“. Oldtimer-Fans bekamen fünf Stunden Livestream präsentiert.

Online-Marktplatz mit 1600 Autos und mehr

Projektleiter Frank Ruge und Oldtimer-Experte Johannes Hübner moderieren den Livestream. Ruge sagt vorab als Vergleich: „Ich tanze Tango Argentino. Das ist etwas anderes als Tango in der Tanzschule.“ Beim Tango Argentino müsse man führen. „Man gibt einen Impuls vor. Die Partnerin muss den fühlen“, sagt Ruge. Und so sieht er auch die Rolle als Moderator im Livestream.

Auf dem Online-Martkplatz sind 1 600 Autos, Teile und Dienstleistungen vertreten. Er ist noch bis 1. Mai geöffnet, wie auch eine Mediathek mit den Einspielern. Die gesamte Show soll online gestellt werden (www.classicmotorshow.de/saisonstart).

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