„Bremer Frauen-Geschichten”

„Mudder“ Cordes und ihr Esel „Anton“ sind stadtbekannt

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Ein Bronzedenkmal an der Knochenhauerstraße erinnert an „Mudder Cordes“. Zu ihren Füßen liegt ihr treuer Esel „Anton“. Die Skulptur stammt von der Bildhauerin Christa Baumgärtel und wurde 1987 vom Bauunternehmer Karl Engeland gestiftet.

Bremen - Von Nina Seegers. Sie war eine Frau aus einfachen Verhältnissen und musste zeit ihres Lebens hart arbeiten, um über die Runden zu kommen. Seit mehr als 100 Jahren ist sie bereits tot, aber unvergessen. Im Rahmen unserer Serie „Bremer Frauen-Geschichten” stellen wir ein Bremer Original vor – Metta Cordes (1815-1905), im Volksmund besser bekannt als „Mudder Cordes”.

Ihre Geschichte klingt wie ein Märchen: Es war einmal eine Witwe. Die lebte in der Bremer Neustadt. Sie war so arm, dass sie vier ihrer fünf Kinder ins Waisenhaus geben musste. Denn das bisschen Geld, das die Frau mit ihrem kleinen mobilen Grünkramladen machte, reichte bei weitem nicht, um alle Münder zu stopfen. Tagein, tagaus zog sie den schweren Wagen durch die Neustadt, bis die Kräfte sie allmählich verließen. Ein Fremder hatte Mitleid und schenkte ihr den Hund „Sultan“, der den Gemüseladen fortan an ihrer Stelle durch die Straßen zog.

Mit fünf Kindern und ohne Sozialversicherung durchgeschlagen

Als der Hund starb, bekam „Mudder Cordes” den Esel „Anton” geschenkt, der ihr die fast 30 Jahre lang treue Dienste erweisen sollte. Das arme Tier musste einiges über sich ergehen lassen, sogar einen Zusammenstoß mit einer Straßenbahn soll „Anton” überlebt haben.

Als Anerkennung seiner treuen Dienste stopfte ihn das Übersee-Museum nach seinem Tod aus. „Mudder Cordes“ zog mit 80 Jahren zu ihrer Tochter nach Delmenhorst, um sich endlich zur Ruhe zu setzen. Und wenn sie 1905, mit 89 Jahren, nicht gestorben wäre, dann lebte sie noch heute...

Metta Cordes (geborene Behrens) wurde 1815 geboren und wuchs als Tochter eines Landwirtes in Oberneuland auf. Nach einer Anstellung als Haushälterin heiratete sie 1842 den Zigarrenmacher Carl Cordes. Zusammen wohnten sie in der Schützenstraße 17.

Nach 18 Jahren Ehe aber starb ihr Mann viel zu früh, und die Witwe Cordes stand in einer Zeit, in der es noch keine Sozialversicherung gab, mit ihren fünf Kindern vor dem finanziellen Ruin. Trotzdem schaffte es die Frau immer wieder, sich durchzuschlagen. Das verschaffte ihr großen Respekt und Anerkennung in der Bremer Gesellschaft.

Gemeinsamer Auftritt in der Oper

Metta Cordes war also nicht erst posthum, sondern schon zu Lebzeiten stadtbekannt. So hatte sie mit ihrem Esel noch im hohen Alter einen Auftritt als Komparsin in der Oper „Der Bajazzo” am Bremer Stadttheater. Und sogar einen Nachruf auf Metta Cordes gab es am 19. Dezember 1905 in den Bremer Nachrichten: „Sie ruht aus von einem Leben voll harter Arbeit“, stand dort geschrieben.

Noch heute erinnert ein Bronzedenkmal von „Mudder Cordes“ mit dem zu ihren Füßen treu ergebenen Esel in der Knochenhauerstraße an das Bremer Original. Es stammt von der Bildhauerin Christa Baumgärtel und wurde 1987 von Cordes' Urenkel, dem Bauunternehmer Karl Engeland, gestiftet.

In Gröpelingen (In den Wischen) ist außerdem der Mudder-Cordes-Weg nach ihr benannt.

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