„Leben und Tod“: Diskussion über Krisen

„Angst hat mich weitergebracht“

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Bärbel Schäfer und Markus Majowski waren gestern zu Gast auf der „Leben und Tod“.

Bremen - Von Dieter Sell. Bremen Bremen - Von Dieter Sell. Rhythmus im Leben, Rituale beim Abschied – und immer wieder der Blick auf Menschen, die helfen können: Das sind nach den Berichten von Prominenten und Experten auf der Bremer Kongressmesse „Leben und Tod“ drei wichtige Faktoren, die in tiefgreifenden Krisen die Seele stärken können. Am wichtigsten für die Betroffenen sei es, die Opferrolle zu verlassen, sagte bei der Eröffnung gestern Hospizexpertin Monika Müller. Es komme darauf an, in kleinen Schritten das eigene Leben zu gestalten „und dabei auch Hilfe anzunehmen“, betonte die Trauerbegleiterin aus Rheinbach bei Bonn.

Die seelischen Widerstandskräfte in Krisenzeiten, kurz „Resilienz“, sind Schwerpunkt der Messe. TV-Moderatorin Susanne Conrad sagte in einer Gesprächsrunde mit Prominenten, bei ihrer Krebskrankheit vor 13 Jahren „hat mich die Angst weitergebracht“. Sie habe ihre Suche nach dem Sinn des Lebens angetrieben „und zwang mich, nach vorne zu schauen“, ergänzte die Journalistin und Mutter von drei Kindern, die 2013 das Buch „Sterben für Anfänger“ veröffentlichte.

Sie sei aus der Krise gestärkt hervorgegangen, sei ruhiger geworden und wolle nun nichts mehr aufschieben, was ihr wichtig sei. „Ich habe einen Trick“, verriet Conrad. „Wenn ich vor der Entscheidung stehe, ob ich etwas mache oder nicht, frage ich mich, ob das am Ende meines Lebens wichtig wäre.“ Dazu gehöre bestimmt nicht der Ärger über eine Delle im Auto, sehr wohl aber der Besuch bei ihrer Tochter in Berlin.

„Was in der Trauer ganz blöd kommt, ist so ein Satz wie ,Jetzt reiß Dich mal zusammen‘“, sagte der Schauspieler Markus Majowski, der sich als Botschafter für das Bremer Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche „Trauerland“ engagiert. Nach dem Tod seines Vaters hätten ihm das Träumen etwa beim Geschichten-Schreiben und Struktur beispielsweise im Sport geholfen – alles in Maßen, nichts übertrieben“.

Fernsehmoderatorin Bärbel Schäfer waren nach dem Tod ihres Lebensgefährten und ihres Bruders besonders die Verwandten wichtig. „Umhüllt zu sein von der engen Familie, das hat mir geholfen“, sagte sie. Zuerst habe sie gedacht, diese Krisen schaffe sie nicht. „Jetzt weiß ich, ich kann das meistern.“

Müller riet Therapeuten, die Menschen in Krisen begleiten, sie sollten mit den Betroffenen auf Stärken und Ressourcen schauen, „nicht auf das, was fehlt“. Das stärke die seelischen Widerstandskräfte. Messe-Chefin Meike Wengler sagte, die „Leben und Tod“ sei ein Forum, das die Besucher in ihrem Leben unterstützen wolle „und ermutigen, sich rechtzeitig und aktiv mit den letzten Dingen auseinanderzusetzen“. Dazu gehören Dokumente wie Patientenverfügung, Testament, Betreuungsverfügung und Vorsorgevollmacht.

Zu den 111 Ausstellern zählt die „Sterbeamme“ Claudia Cardinal. „Sorge, Furcht, Angst und Panik werden Sterbenden und Schwerstkranken zu ständigen Begleitern. Ich will ihnen diesen Horror nehmen und mit ihnen eine neue Haltung zum Sterben entwickeln“, sagte die Hamburgerin, die seit 2001 Ausbildungen zur „Sterbeamme“ anbietet. Ihren Angaben zufolge arbeiten bundesweit mehr als 450 Sterbeammen und -gefährten, die zum Glauben an ein Dasein nach dem Tod ermutigen.

Die Messe „Leben und Tod“ ist heute, Sonnabend, in Halle 6 von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet sechs Euro.

epd

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