Hauptzeuge verweigert Aussage

LdW-Prozess: Rückschlag für Staatsanwalt

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Bremen - Von Steffen Koller. Im Prozess gegen vier mutmaßliche Mitglieder einer Bremer Großfamilie wegen gefährlicher Körperverletzung musste die Staatsanwaltschaft am Dienstag einen herben Rückschlag einstecken. Der Hauptbelastungszeuge verweigerte die Aussage gegen die 26 bis 36 Jahre alten Männer vor dem Bremer Landgericht.

Ein Streit zwischen dem jungen Mann und dem Angeklagten Haliel M. soll im März Auslöser für die Auseinandersetzung gewesen sein, bei dem bis zu 30 Menschen am Krankenhaus Links der Weser (LdW) in Kattenturm unter anderem mit Holzlatten und einer scharfen Pistole aufeinander losgegangen sein sollen. Grund für die Verweigerung seiner Aussage sei der Umstand, dass er als mutmaßlicher Beteiligter an einer Massenschlägerei womöglich nicht nur Opfer sei. Es käme auch in Betracht, dass der junge Mann am 13. März in der Notaufnahme des LdW selbst zugeschlagen haben könnte, erklärte sein Zeugenbeistand am Dienstag. Die Strafprozessordnung sehe in solchen Fällen vor, dass ein Verdächtiger keine Angaben machen müsse, die ihn selbst oder einen nahen Verwandten einer Straftat bezichtigen würde, erklärte der Zeugenbeistand für seinen Mandanten, der ebenfalls zu einer bekannten Bremer Großfamilie gehören soll.

Vom Aussageverweigerungsrecht seien neben dem mutmaßlichen Opfer drei weitere Beteiligte des Tumults betroffen – zwei Brüder und ein Neffe des Hauptzeugen. Das könnte bedeuten, dass deren Aussagen ebenfalls für die Anklagevertretung wegbrechen würden.

Oberstaatsanwalt Frank Passade sieht in der Vorgehensweise einen klaren Vorteil für die vier Männer auf der Anklagebank. „Die Situation ist grotesk. Hier wird den Angeklagten zugearbeitet“, so Passade, der weiter ausführte, dass es laut Akten keinen Hinweis darauf gebe, dass von Seiten der Staatsanwaltschaft oder der Polizei gegen den Zeugen ermittelt werde. Das Gericht unter Vorsitz von Richter Jens Florstedt prüft nun das weitere Vorgehen, hieß es Dienstag.

Bei dem Vorfall waren mehrere Menschen verletzt worden. Klinikmitarbeiter hatten sich aus Angst eingeschlossen. Neben Haliel M. sollen auch die Mitangeklagten Ali, Sami und Mohammed M. auf die Mitglieder der anderen Familie eingeschlagen haben. Einzig Ali M. sitzt wegen der jetzt verhandelten Tat in Untersuchungshaft. Im Bereich der Notaufnahme des LdW fand die Polizei unter anderem scharfe Munition.

Bei einer Verurteilung drohen den vier Männern mehrere Jahre Haft. Alle sollen während einer laufenden Bewährung an der Massenschlägerei beteiligt gewesen sein.

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