Viertiefte Arbeitsamkeit und muntere Geselligkeit

Programmiernachtschicht bei der „Open night of Code“ an der Bremer Uni

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Sandor Herms lässt einen Roboter durch ein Labyrinth laufen. Er hat schon einiges an Codes geschafft auf der „Open night of Code“ an der Uni Bremen.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Ein ungewöhnlicher Anblick im Erdgeschoss des Merzweckhochhauses der Universität: Nachtschicht mit 200 Leuten am Laptop. Sie wollen lange machen. Sie sitzen um Tische herum, diskutieren, recherchieren und tippen Code ein. 

Hin und wieder gehen einige zu Fachvorträgen. Viertiefte Arbeitsamkeit und muntere Geselligkeit gehen einher, auf der „Open Night of Code“, die am Freitagabend vom Fachbereich Informatik/Mathematik veranstaltet wurde.

Der 20-jährige Informatikstudent Florian schreibt ein Programm, das bei der Nutzung von Google Maps eine bessere Ausgabe bringen soll. „Wenn man mehrere Marker setzt und dann rauszoomt, liegen die danach eng und unübersichtlich beieinander. Ich will stattdessen einen Marker sehen mit einer Zahl, die aussagt, wie viele Marker er in diesem Bereich vertritt“, sagt Florian. Das Programm soll neben Google Maps im Hintergrund laufen. Er schreibt es in Java. Geschätzter Zeitaufwand: drei Stunden. „Ich denke, es werden zwei bis drei Din-A-4-Seiten Programmcode herauskommen“, sagt Florian. 

Um Karten geht es auch bei Sandor Herms, allerdings durch ein Labyrinth auf einem zweidimensionalen Gitter. Darin bewegt sich ein Roboter. Er soll einen blauen und einen roten Schatz einsammeln und in einen Container mit der entsprechenden Farbe legen. „Ich schreibe einen Programmcode, der die Pfade berechnet, ohne dass der Roboter im Labyrinth gegen eine Wand stößt oder im Kreis läuft“, sagt der 23 Jahre alte Informatikstudent.

„Die Leute machen hier, was sie interessiert"

Es sei siebte „Open night of code“, so Informatik-Student Dennis Schürholz aus dem Organisationsteam. Er war auf allen bisherigen Veranstaltungen, zunächst als Besucher, ab der dritten Nacht als Mitorganisator. „Die Leute machen hier, was sie interessiert. Wir haben hier auch kleine Aufgaben. 

Einige machen auch Übungszettel aus dem Studium“, sagt Schürholz. Man habe aber auch Aufgaben parat. Ein Beispiel für Grafikfreunde: Datenstrukturen als Raumstrukturen auf den Bildschirm bringen. Er zeigt ein Beispiel: Ordner, Unterordner und Dateien werden hierarchisch in Feldern dargestellt.

„Open“ heiße vor allem, dass jeder mitprogrammieren kann, Studenten außerhalb der Informatik, Schüler, auch interessierte Rentner seien schon gekommen. „Bis drei Uhr ist hier echt was los. Einige machen bis morgens durch. Das ist eine besondere Motivation“, sagt Schürholz.

Schüler Heye will 500 Zeilen schaffen - bevor der letzte Bus fährt

Ein Schüler aus der 10. Klasse des Alten Gymnasiums ist Heye Hamadmad. Er besucht die Veranstaltung zum zweiten Mal. Er bastelt an diesem Abend an einer Plattform, die Schülern die Kommunikation mit der Schülervertretung ermöglichen soll. Von insgesamt 4.000 Zeilen Programmcode will er 500 in dieser Nacht schaffen. Gerade geht es um die Sicherheit. „Ich sichere die Plattform mit Codeworten, wie man das von vielen Programmen kennt“, sagt der Jugendliche. 

„Die Schüler melden sich bei uns mit ihrem richtigen Namen an, nicht mit Nicknamen. Außerdem gucken wir darauf. Die Codewörter bestimmen die Nutzer selber.“ Eine komplexe Aufgabe für einen Abend. Hamadmad ist sich sicher, dass es spät wird. Aber den letzten Bus will er noch kriegen.

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