Langzeitarbeitslose sanieren die stark beschädigte Kogge „Roland von Bremen“

Von Pilzen zerfressen

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Zur Zeit eher Wrack als Schiff: Die Kogge steht rundherum eingerüstet am Hohentorshafen.

Bremen - Von Viviane Reineking. André Stuckenbrok greift zu einem scheinbar intakten Holzbalken – und bricht ein großes morsches Stück heraus. „Der Hausschwamm sitzt überall“, sagt der Tischler, „auch dort, wo man ihn gar nicht sieht.“ Er steht auf dem Deck der Hansekogge „Roland von Bremen“. Von dem einst schmucken Holzschiff ist seit seinem Untergang im Januar 2014 an der Schlachte (wir berichteten) nicht viel übrig.

Langzeitarbeitslose der „Bras“ werkeln täglich, um die Kogge wieder schwimmfähig zu machen.

Alles muss raus: Mast, Tauwerk, Segel sind längst nicht mehr vorhanden, ebenso wie Technik, sanitäre Anlagen und die acht Kojen im Schiffsrumpf. Zur Zeit sind die Mitarbeiter der Beschäftigungsgesellschaft „Bras – Arbeiten für Bremen“ dabei, das Deck samt Aufbauten zu zerlegen. Seit seiner Bergung steht der Nachbau der 1962 bei Baggerarbeiten im Weserschlamm bei Rablinghausen entdeckten Originalkogge von 1380 im Hohentorshafen – an Land, und rundherum mit einem hohen Grüst versehen. Es wird gehämmert, gesägt, geschliffen. Aber mit Bedacht: „Wir reißen nichts ab, wir bauen zurück“, sagt Stuckenbrok. Mit Hilfe von Langzeitarbeitslosen der „Bras“ soll der Tischler das erst im Jahr 2000 zu Wasser gelassene 24 Meter lange Holzschiff, das Ende der 90er Jahre von der Bremer Bootsbau Vegesack (BBV) gebaute wurde, wieder fitmachen.

Das Problem: Der gesamte historische Nachbau ist von Pilzen zerfressen. Sechs Sorten haben Experten ausfindig gemacht. „Aber der fieseste ist der Hausschwamm“, so Stuckenbrok, „der ist ganz schwer totzukriegen.“ Trotzdem hofft er, die Hälfte des Holzes erhalten zu können.

Tischler André Stuckenbrok zeigt die Schäden am Eichenholz der Kogge. Fotos (3): Reineking

Ursprünglich sollte die Kogge schon in diesen Monat an ihren Platz an der Schlachte zurückkehren. „Wir haben gedacht, wir machen ein neues Deck und ein bisschen Farbe drauf, und das war‘s.“ Der Rumpf, so die Hoffnung, wäre noch intakt. Doch es kam alles ganz anders: Bei den ersten Arbeiten an der Kogge wurde das ganze Ausmaß der Schäden und des Pilzbefalls deutlich. „Ein Desaster“, so „Bras“-Projektleiter Uwe Mühlmeyer. Die Sanierung der Kogge, die die „Bras“ nach ihrem Untergang für einen Euro vom Vorbesitzer „Hal över“ übernahm, sei mittlerweile ein „Großprojekt“, das Stuckenbrok zufolge rund 200000 bis 300000 Euro verschlingen könnte. Etwa 50000 Euro seien bislang sicher finanziert, die „Bras“ hofft auf weitere Spenden. Bis auf die zerstörte Elektrik seien die Schäden aber nicht auf den Untergang zurückzuführen: „Die waren vorher schon da“, so der Tischler (siehe Text unten).

Die Kogge wieder komplett herzustellen, „das haben wir verworfen“, so Mühlmeyer – viel zu teuer. Und: „Wir sind schließlich keine Werft.“ Einen Motor wird die Kogge deshalb nicht mehr bekommen – und auch sonst keine Ausstattung. Vielleicht noch ein Deck auf dem Achterschiff und natürlich wieder einen Mast, Tauwerk und Segel, die sich hissen lassen. „Eigentlich nähern wir uns damit dem Original wieder an“, so Stuckenbrok. Schließlich waren die Koggen bis 1400 die wichtigsten Schiffe der Hanse – und als solche so gebaut, dass sie möglichst viel Fracht transportieren konnten.

Ein Zimmermann steht Stuckenbrok zur Seite, ansonsten versucht er, das Schiff mit Berufsfremden wieder auf Kurs zu bringen. Das könnte allerdings bis 2018 dauern, schätzt er. Dann soll es als Museumsschiff wieder an die Schlachte kommen, wo das Bremer Geschichtenhaus unter anderem Führungen anbieten möchte.

Doch bis dahin gibt es noch viel zu tun. Kiel, Außenbeplankung, Vorder- und Achtersteven bleiben erhalten und werden später mit einem Fungizid-Cocktail besprüht, Holzschäden im Rumpf mit Beton ausgespachtelt. Soweit möglich, werde das Holz plastiniert, um es zu stabilisieren. Am Ende komme außen eine Deckschicht aus Glasgewebe und Kunstharz drauf, erklärt Stuckenbrok. Zwar erhalte die „Roland von Bremen“ keine Klassifizierung als fahrendes Schiff, im Prinzip werde sie aber segelfähig, so Stuckenbrok.

Die Kogge war an der Schlachte gesunken, weil an Bord die Heizung ausgefallen war, so dass ein Seeventil einfror (wir berichteten). Weil die automatischen Pumpen nicht funktionierten, führte der Wassereinbruch zum Untergang.

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