Die Konservierung der Weserlastkähne vom Teerhof im „Deutschen Schiffahrtsmuseum“

Langwieriger Prozess in Polyethylenglykol

Restaurator Michael Sietz vom „Deutschen Schiffahrtsmuseum“ bei seinem Vortrag in Bremen. Sietz betreut die auf dem Teerhof geborgenen Weserlastkähne.

Bremen - Von Viviane StrahmannDie Bremer Weserlastkähne sind in den Händen von Bremerhavener Experten. Die archäologisch wertvollen Binnenschiffe kamen überraschend bei Erdarbeiten auf dem Teerhof ans Tageslicht – ihre Erhaltung ist langwierig und buchstäblich eine ganze Wissenschaft für sich.

Das veranschaulichte der Schiffsrestaurator Michael Sietz vom „Deutschen Schiffahrtsmuseum“ (DSM) in Bremerhaven jetzt bei seinem Vortrag im Bremer Haus der Wissenschaft (Sandstraße).

Auch beinahe drei Jahre nach der Entdeckung der beiden Weserlastkähne aus dem 17. Jahrhundert ist der 30-Jährige noch immer mit der Vorbereitung der Konservierung beschäftigt. Im Sommer 2007 wurden die beiden elf und 17 Meter langen Überreste der Kähne aus dem ehemaligen Verbindungskanal zwischen Weser und Kleiner Weser geborgen. Dieser sei um 1710 verfüllt worden, wobei die beiden Schiffe wohl begraben wurden, so Sietz.

Gegenwärtig werden die flachbodigen Schiffe – die überwiegend aus Eichenholz bestehen und deren Hölzer „einen mittleren Abbaugrad aufweisen“ – gewässert, um beispielsweise Bodensalze auszuschwemmen. Die geborgenen Einzelteile werden in der nächsten Zeit mit einer im DSM neu eingeführten digitalen und dreidimensionalen Vermessung dokumentiert. Zwei Ansätze sind bei der Konservierung möglich. Zum einen ersetzen Konservierungsmittel das in Fundstücken enthaltene Wasser – oder das Wasser wird unter Umgehung der Oberflächenspannung, zum Beispiel durch Gefriertrocknung, entfernt. Im DSM hat man sich nach Analyse der Hölzer für eine „PEG-Tränkung“ entschieden. Diese Art der Nassholzkonservierung durch Polyethylenglykol (PEG), ein wasserlösliches und alterungsbeständiges Polymer, wird seit den 50er Jahren eingesetzt.

Wenn Holzfunde geborgen werden, scheinen diese auf den ersten Blick meist in einem guten Zustand zu sein. In einem „anaeroben Milieu“, das kaum oder gar keinen Sauerstoffgehalt aufweist, wird Holz wesentlich langsamer abgebaut als an sauerstoffhaltiger Atmosphäre. Seine Konsistenz aber ist meist „schwammig“. „Würden Holzfunde unter normalen Umgebungsbedingungen unkontrolliert trocknen, käme es zu starken Formveränderungen, die Objekte würden schrumpfen“, erklärt der Schiffsrestaurator.

Der Fund der Hansekogge 1962 war bekanntlich der Anstoß zum Bau des „Deutschen Schiffahrtsmuseums“. Hier widmet man sich neben der Betreuung am Fundort und der Erhaltung auch der Analyse von unterschiedlichen Konservierungsverfahren. Ein langwieriger Prozess, wie Michael Sietz weiß: „Die Dauer hängt auch mit der Geschwindigkeit zusammen, mit der die Lösung in die Hölzer eindringt. Das kann zwei bis vier Jahre in Anspruch nehmen“. In regelmäßigen Abständen würden dann Bohrproben zeigen, wie weit der Prozess schon fortgeschritten sei, sagt Sietz, der an seiner Arbeit vor allem den Kontakt mit spannenden Zeugnissen der Vergangenheit schätzt.

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dsm.museum

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