SERIE „VERSCHWUNDEN“ Das Landherrnamt / Klassizistischer Verwaltungsbau

Im Landkreis Bremen

Bremischer Klassizismus – das Landherrnamt, in dem heute Schüler der St.-Johannis-Schule lernen. Foto: KUZAJ

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Tagtäglich gehen viele Menschen hier vorbei, Bremer und Bremen-Besucher. Das Bauwerk an der Dechanatstraße, sozusagen am Tor zum Schnoor, trägt eine Aufschrift über dem Portal: „Landherrn-Amt“. Manch einer der Vorübergehenden wundert sich kurz darüber. Das Landherrnamt – ohne „e“ in „Herrn“ – gibt es lange schon nicht mehr. Und so ist es heute Thema unserer Serie „Verschwunden“.

Gerichtsbarkeit und Deichangelegenheiten – im Mittelalter kümmerten sich darum die Gohgräfen; im Vieland und im Hollerland zum Beispiel. In der „Franzosenzeit“ (Dezember 1810 bis Oktober 1813), als Bremen zu Napoleons Reich gehörte, wurde die Verwaltung gründlich umgekrempelt. Die Gohgräfen verschwanden.

Und nach der „Franzosenzeit“ wurde wieder vieles anders. Zur Verwaltung des bremischen Landgebiets links und rechts der Weser setzte der Senat am 15. Juni 1817 zwei Landherren ein. Das Landherrnamt war also eine Behörde der bremischen Kommunalverwaltung – zuständig für die ländlichen Gemeinden wie Borgfeld, die nicht zur Stadtgemeinde Bremen gehörten.

Um die Gerichtsbarkeit mussten die Landherren sich nicht kümmern, das wollte der Senat lieber selber machen. Den Landherren unterstanden Polizei- und Verwaltungsaufgaben – und nach wie vor das Deichwesen.

So weit, so gut. Aber natürlich blieb es auch dabei nicht. Ab 1874 nämlich gab es nur noch einen Landherren – er hatte auch den Vorsitz im fünf Jahre später, 1879, geschaffenen Kreistag.

Im Jahr 1926 bekam das bremische Landgebiet einen neuen Namen, es hieß nun „Landkreis Bremen“. Es waren zunächst 14 Gemeinden, die den Landkreis Bremen bildeten. In alphabetischer Reihenfolge: Arsten, Blockland, Borgfeld, Büren, Grambkermoor, Habenhausen, Huchting, Lankenau, Lehesterdeich, Lesumbrok, Oberneuland-Rockwinkel, Osterholz, Seehausen und Strom.

Zum 1. April 1938 wurde die Stadt Vegesack in den Landkreis Bremen eingegliedert. Am 1. November 1939 wurden dann Vegesack sowie Büren (das Dorf Mittelsbüren musste in den 50er Jahren der Stahlhütte weichen), Grambkermoor und Lesumbrok in die Stadt Bremen eingemeindet – folglich gehörten sie nun nicht mehr zum Landkreis.

Die restlichen Gemeinden kamen nach dem Zweiten Weltkrieg zur Stadt – sie wurden am 1. Dezember 1945 eingemeindet. Zugleich wurde der Landkreis aufgelöst. Damit war er Geschichte. Seine Bestandteile aber, sie lassen sich noch heute an der bremischen Ortsamtsstruktur ablesen.

Geblieben ist das Gebäude des Landherrnamts am Eingang zum Schnoorviertel. Der Behördenbau, in dem einst die Landherren saßen, war 1856/57 nach Plänen des Bremer Baudirektors Alexander Schröder (1806 bis 1877) errichtet worden. Im Amt seit 1846, wirkte er an vielen öffentlichen Bremer Bauwerken mit – die Krankenanstalt an der St.-Jürgen-Straße (1847 bis 1851) zählte ebenso dazu wie das Gefängnis in Oslebshausen (1871 bis 1873). Das klassizistische Landherrnamt steht seit 1973 unter Denkmalschutz. Nach 1945 wurden Behörden und Deichverband darin untergebracht, 1964 übernahm es die katholische Gemeinde St. Johann.

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