Straßennamen erzählen Geschichten (398): „Am Syndikushof“ in Walle / Handel erlaubt, Produktion nicht

Das Landgut und Bremens Freihäfen

Kreiszeitung Syke

Bremen - Von Thomas Kuzaj · Wo gibt es heute noch einen Syndikus? Na, bei der Bremer Handelskammer zum Beispiel. Im Haus Schütting am Marktplatz wird er sogar mit „c“ geschrieben.

Wohnen mit viel Grün – Blick in den Waller Syndikushof.

In herrlichstem Juristendeutsch heißt es in den Regularien der Kammer: „Gemäß § 7 Abs. 2 IHKG in Verbindung mit § 13 Abs. 1 der Satzung der Handelskammer Bremen vertreten der Präses und der I. Syndicus die Kammer rechtsgeschäftlich und gerichtlich. Für die laufenden Geschäfte der Verwaltung ist der I. Syndicus allein vertretungsberechtigt.“ Der I. Syndicus der Kammer ist Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Fonger. Doch nun verlassen wir den Schütting und begeben uns in den Bremer Westen. Nach Walle.

Dort, zwischen Osterlingerstraße und Steffensweg, verläuft eine Straße mit einigen großen Bäumen und dem interessanten Namen „Am Syndikushof“. Mit „k“. Mit Matthias Fonger hat die Straße nichts zu tun. Ihr Name führt vielmehr recht weit in die Geschichte des Bremer Westens. Der Syndikushof nämlich war ein Landgut am Weserdeich. Es gehörte einst dem Ratssyndicus (durchaus mit „c“) Dr. Franz Köhne, der von 1690 bis 1760 lebte. Der Hof blieb über Jahrhunderte erhalten – so lange, bis Bremen zum Ende des 19. Jahrhunderts damit begann, seine Hafenanlagen auszubauen.

Anno 1887 begann die Weserkorrektion durch Oberbaudirektor Ludwig Franzius (1832 bis 1903) – es handelte sich um eine Vertiefung und Begradigung des Flusses. 1888 trat Bremen dem Deutschen Zollverein bei, und es wurden die Freihäfen angelegt, in denen Waren umgeschlagen und zollfrei gelagert werden durften – der erste davon war der 1888 fertiggestellte Europahafen, der anfangs noch „Freihafen I“ hieß. Dank der Weserkorrektion konnten Seeschiffe ihn auch erreichen. So blieb die Hafenstadt Bremen wettbewerbsfähig.

Heute zählt der Freihafen zu den Attraktionen der Überseestadt – allein schon deshalb, weil hier immer noch ein paar Schiffe anlegen. Echtes maritimes Flair kommt eben gut an in einer Hafenstadt.

Der Syndikushof auf einem Stadtplan aus den 30er Jahren (Feld 65) – aus dem Temmen-Band „Walle/Utbremen 1860 bis 1960“.

Auch auf der Internetseite der Überseestadt beschäftigt man sich mit der Historie – und dem wichtigen Umstand der Zollfreiheit. Waren umschlagen und lagern, ohne dass Zölle fällig werden – ein, wie man es heute ausdrücken würde, Standortvorteil. Für die Handelsunternehmen und für die Stadt. „Doch gab es innerhalb des Deutschen Reiches viele, die dieses Privileg der Hansestadt nicht zubilligen wollten“, heißt es auf der Überseestadt-Seite. „Letztendlich einigten sich Bremen und das Reich so, dass Bremen insgesamt 1888 dem deutschen Zollgebiet beitrat, die neuen Häfen aber Zollfreigebiete wurden, in denen Handel, doch keine Produktion erlaubt war.“ Der Rest ist Geschichte. Geschichte, von der der Ratssyndicus Franz Köhne zu seinen Lebzeiten natürlich noch nichts ahnen konnte. Im 18. Jahrhundert konzentrierte sich das Hafengeschehen noch auf den Bereich der Schlachte.

WWW.

ueberseestadt-bremen.de/de/bauen_fuer_die_zukunft_uestadt

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