Landgericht schickt Hausmeister ins Gefängnis

Haftstrafe wegen Mordversuchs

Bremen - Von Steffen Koller. Das Landgericht Bremen hat am Donnerstag einen 28-jährigen Mann wegen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung schuldig gesprochen.

Der Angeklagte, der im März dieses Jahres Feuer in der Wohnung seines schlafenden Opfers gelegt hatte, muss für vier Jahre und acht Monate ins Gefängnis. Die Vorsitzende Richterin Barbara Lätzel sprach bei der Urteilsbegründung von einem „Alptraum-Gedanken“. Die Kammer blieb beim Strafmaß unter der von der Staatsanwaltschaft geforderten Haftdauer von sechs Jahren. 

Der Verteidiger des Mannes, Felix Deutscher, hatte bei seinem Plädoyer eine Haftstrafe von vier Jahren angeregt, da kein Mordmerkmal erkennbar gewesen sei. Doch diesem Standpunkt folgte das Schwurgericht nicht. Vielmehr sah es die Kammer als erwiesen an, dass der 28-Jährige am 20. März gegen 3 Uhr nachts in die Wohnung des späteren Opfers gegangen sei und dort eine Benzinspur gelegt hatte. 

Mordmerkmal der Heimtücke

Aus Wut auf den Mann hatte der Angeklagte dann den Kraftstoff in Brand gesetzt und so mit „bedingtem Tötungsvorsatz“ gehandelt, sagte Richterin Lätzel. Da das schlafende Opfer so „arg- und wehrlos“ gewesen sei, stellte das Gericht das Mordmerkmal der Heimtücke fest. Strafmildernd kam dem Mann zugute, dass er bereits zu Prozessauftakt ein umfassendes Geständnis abgelegt hatte. Richterin Lätzel ging außerdem „fest davon aus“, dass der Mann seine Tat bereue. 

Strafverschärfend wurde der Umstand ausgelegt, dass der 28-Jährige als Hausmeister in der Unterkunft einen Generalschlüssel besaß und so nicht nur Zugang zu vielen Räumen hatte, auch habe er dadurch seinen Vertrauensstatus gegenüber den dort lebenden Menschen „bewusst ausgenutzt“. 

Mehr als 200 möblierte Appartements beherbergt der Gebäudekomplex (ehemaliges Schwesternwohnheim) im Hulsberg, „da hätte richtig was passieren können“, sagte die Richterin weiter. „Wenn ich mir vorstelle, Sie hatten Zugang zu so vielen Räumen – das ist ein wahrer Alptraum-Gedanke.“

Zur Tatzeit erheblich alkoholisiert

Bei der Tat hatte der Mann 1,8 Promille Alkohol im Blut, auch habe er nach eigenen Angaben regelmäßig Marihuana konsumiert. Trotz einer „nicht auszuschließenden erheblichen Steuerungsunfähigkeit“ kam für das Gericht eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus nicht in Betracht. 

Nach Einschätzung eines psychologischen Sachverständigen habe der 28-Jährigen in seinem Opfer „eine Projektionsfläche seines eigenen Lebens gesehen“. „Immer wenn der Angeklagte sein Opfer sah, sah er sich selbst und damit Eigenschaften, die er nicht billigte“, heißt es im Gutachten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Rubriklistenbild: © dpa-tmn

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