Zweifel bleiben

Zündelnder Feuerwehrmann wegen Brandstiftung zu Bewährungsstrafe verurteilt

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Aus elf mach eine: Anfangs wurden dem 22-jährigen Angeklagten zum Teil schwere Brandstiftungen zur Last gelegt. Beweisen ließ sich laut Gericht am Ende aber nur eine.

Ein Feuerwehrmann als Brandstifter, übermotivierte Ermittler und fragwürdige Beweismittel: Das Landgericht hat am Mittwoch einen 22-Jährigen wegen einfacher Brandstiftung schuldig gesprochen und eine Bewährungsstrafe verhängt. Dass der Mann überhaupt in Untersuchungshaft saß und die Anklage zunächst von viel schwereren Delikten ausging, ist wohl auf die „übermotivierte Arbeit“ der Polizei zurückzuführen.

Bremen - Nach Auffassung der Kammer hat sich der 22-jährige Feuerwehrmann nicht, wie ursprünglich angeklagt, wegen elf zum Teil schwerer Brandstiftungen schuldig gemacht, sondern nur wegen einer. Zu diesem Ergebnis kam das Gericht nach rund zwei Monaten Beweisaufnahme. Die Kammer unter Vorsitz von Richterin Gesa Kasper verurteilte ihn wegen eines vorsätzlich gelegten Feuers in einem Bremerhavener Parzellengebiet im Mai 2019 zu eineinhalb Jahren Gefängnis. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre.

Bereits vergangene Woche deutete das Gericht an, in insgesamt acht angeklagten Fällen keinen dringenden Tatverdacht gegen den Mann erkennen zu können – und hob den Haftbefehl gegen ihn auf (wir berichteten). Zudem habe keine Wiederholungsgefahr bestanden, hieß es. Dementsprechend kam der 22-Jährige, der seit mehreren Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr tätig ist, auf freiem Fuß zur Urteilsverkündung.

Auch bei den zwei anderen verbliebenen Feuern (dabei wurden am 23. Mai 2019 leerstehende Häuser verwüstet) war die Staatsanwaltschaft bis zuletzt davon überzeugt, dass der 22-jährige Ex-Feuerwehrmann sie gelegt hat. Sie plädierte auf zweieinhalb Jahre Haft. Aber auch diese Brandstiftungen konnte das Gericht dem Mann nicht nachweisen. Richterin Gesa Kasper machte jedoch klar, dass man es durchaus für möglich halte, dass er die Feuer gelegt habe, letztlich aber nicht zweifelsfrei von seiner Schuld überzeugt gewesen sei.

Dass der Mann mehrere Monate in Untersuchungshaft saß und mit einer langjährigen Haftstrafe rechnen musste, führte die Vorsitzende auch auf die „übermotivierte Arbeit“ der Bremerhavener Polizei zurück. In den vergangenen Jahren hatten Dutzende von Feuern in der Seestadt die Ermittler in Atem gehalten, der oder die Täter konnten meist unentdeckt entkommen. Als dann in der Nacht auf den 24. Mai 2019 der 22-Jährige festgenommen wurde, „dachten die Beamten wohl, sie hätten den Richtigen“, so Kasper. Sie werteten die Daten seines Mobiltelefons aus und kamen zum Ergebnis, dass das Handy des Angeklagten in vielen Fällen am selben Funkmast eingeloggt war, in dessen Nähe sich auch die Feuer befanden. Dass aber auch der Wohnsitz des Angeklagten, das Haus der Freiwilligen Feuerwehr und seine Arbeitsstelle ebenfalls in Tatortnähe liegen, bedachten die Beamten womöglich nicht.

„Der Wunsch der Polizei Bremerhaven“, sagte Richterin Kasper, „die Fälle aufzuklären, war so groß, dass man die Augen verschloss – zuungunsten des Angeklagten.“ Hätten die Beamten im Vorfeld der Verhandlung in „größerer Klarheit“ deutlich gemacht, dass die Aussagekraft der Handydaten begrenzt sei, wäre es nicht zu elf angeklagten Taten gekommen. Die Ergebnisse seien „ein schwaches Indiz und sagen so gut wie nichts aus – und das hätte die Polizei erkennen müssen“.

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