„Landeier 2“ im Packhaustheater: Seichte Komödie mit wenig Tempo

Mit Pumps und rosa Tutu

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Gertrud (v.l.), Lavinia, Jens, Richard, Jan und Hein haben eine Mission: die Rettung der geliebten Dorfkneipe.

Bremen - Von Viviane Reineking. Acht behaarte Männerbeine kämpfen in Nylonstrumpfhosen und Pumps gegen den Untergang der gastronomischen Kultur. Doch um die Dorfkneipe zu retten, müssen sich die Protagonisten in „Landeier 2“ zuerst auf die Suche nach ihrer femininen Seite begeben. Am Donnerstagabend feierte die Komödie im Packhaustheater Premiere.

Nach der Brautschau in „Landeier 1 – Bauern suchen Frauen“ wartet wieder eine Herausforderung auf Schweinebauer Jens (Sänger und Schauspieler Rüdiger Schade), Schafbauer Jan (Manuel Ettelt war auch beim ersten Teil dabei), Gemüsebauer Richard (Eckhard Ischebeck) und Gastwirt Hein (überzeugt erneut in dieser Rolle: Jörg Schlichtkrull). Und was für eine: In „Landeier 2 – Jetzt geht’s zum Scheunenfest“ sind es die Landfrauen, die es beim Preistanz zu überzeugen gilt. Dieser Aufgabe stellen sich die vier natürlich nicht ganz freiwillig.

Regisseur David Wehle hat dieses Mal das Zepter übernommen und die Komödie von Marco Linke (Weyher Theater) inszeniert. Doch die Fortsetzung kommt trotz engagiert aufspielender Darsteller nicht an den Vorgänger heran: Weniger rasant, weniger Gags, die ankommen beim Publikum. Aber erst einmal zurück in die Kneipe: Mit der ging es in Abwesenheit von Hein, der mit seiner Gertrud (Gabriele van Boxen) und Harley in Amerika unter anderem in „Salzlake-City“ unterwegs war, finanziell bergab.

Und so heißt es, zu Frauen zu mutieren und als „Mettentchen“ das dringend benötigte Preisgeld einzustreichen. Damit der Schwindel bloß nicht auffliegt, helfen Gertrud und Richards hochschwangere Frau Lavinia (Floriane Eichhorn) mit Durchhalteparolen, Grundierung („Ihr füllt die Löcher auf und zieht den Acker glatt“) und ordentlich Make-up.

Nach der Pause gehen die Proben in die heiße Phase: Hein mutiert zu „Heini Klum“, Jan tanzt in Feinripp-Unterhose mit Eingriff und Richard schwant: „Wir sind jetzt Frauen!“ Alle hadern, nur der schwergewichtige Jens geht – in sexy Leo-String und rosa Tutu – ganz in seiner Rolle auf.

Großartige Boulevardkunst ist „Landeier 2“ eher nicht. Die Proben für den Preistanz ziehen sich, temporeich ist anders. Seichte Unterhaltung erwarten (und bekommen) die Zuschauer, doch die Gags in „Landeier 2“ kommen vor allem in der ersten Stunde etwas arg platt daher (Jan: „Guckt mal, ein Eierliner“) und beim Zuschauer oft nicht richtig an. Dass dann in der zweiten Hälfte mehr gelacht wird, liegt vor allem daran, dass langsam aber sicher die Hüllen fallen und die mehr oder weniger gutgebauten Landeier unbeholfen ihre Hüften kreisen lassen. Ob sie mit ihrer Bühnenshow in neonfarbigen Outfits beim Preistanz erfolgreich sind und den Niedergang der gastronomischen Kultur aufhalten können? Das zeigt das sechsköpfige Ensemble bis zum 28. Mai in weiteren Vorstellungen immer donnerstags bis sonnabends. Bei der Premiere aber gab es erst einmal artigen Applaus.

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