Land voller Gegensätze

Fünf Jahre Konfuzius-Institut Bremen: Einblicke in Alltag und Traditionen Chinas

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Eine traditionelle Löwentanz-Aufführung beim Chinesischen Neujahrsfest des Konfuzius-Institutes Bremen (KIB) zum „Jahr des Hundes“ im Übersee-Museum. Mit seinen Veranstaltungen will das KIB Interesse für Sprache und Kultur Chinas wecken.

Bremen - Von Viviane Reineking. China – ein riesiges Land mit jahrtausendealter Geschichte, ein Land voller Gegensätze, das lange einen rasanten wirtschaftlichen Aufstieg erlebte. Seine Sprache und Kultur verbreiten wollen die Konfuzius-Institute, benannt nach dem berühmten chinesischen Gelehrten. 525 dieser Einrichtungen gibt es derzeit weltweit, 19 in Deutschland, eines davon in der Hansestadt. Jetzt feierte die Einrichtung ihr fünfjähriges Bestehen in der Oberen Rathaushalle.

Mit einem farbenfrohen Spektakel begann das aktuelle „Jahr des Hundes“ auch in Bremen: Der Löwentanz gehört zu den Höhepunkten des chinesischen Neujahrsfests zur Begrüßung des neuen Jahres, das sich in China nach dem Mondkalender richtet und in diesem Jahr auf den 16. Februar fiel.

Mit Veranstaltungen wie dieser möchte das Konfuzius-Institut Bremen (KIB) das Interesse für China wecken, Einblicke geben in Alltag und Traditionen Chinas, in eine für viele fremdartig anmutende Welt. Außerdem möchte das KIB, das vor fünf Jahren von der Hochschule Bremen und ihrer langjährigen Partneruniversität, der Capital Normal Universität in Peking, gegründet wurde, die China-Kompetenz der Stadt verbessern und sie als China-Kompetenzzentrum im Nordwesten etablieren. Zu den Partnern des KIB gehören auch die Uni Bremen, die Jacobs-Uni sowie das Bremer Wirtschaftsressort.

Sprachkurse wenden sich an alle Interessierten, Schüler und Studenten, hinzu kommen kulturelle Angebote und etwa die „Mittagspausenvorträge“. „Sie wenden sich an Unternehmer und Angestellte in Bremen, die geschäftlich mit China zu tun haben“, sagt KIB-Direktorin Prof. Monika Schädler von der Hochschule Bremen. 

Dazu gibt es wissenschaftliche Vorträge und Ausstellungen. Mehr als 800 Teilnehmer, darunter rund 150 Schüler, haben an Sprachkursen des KIB teilgenommen und sich damit einen Zugang zu einer anderen Kultur erschlossen. Dabei ist auch etwas Zeit und Geduld gefragt: Etwa 3 000 Schriftzeichen sollte schließlich derjenige kennen, der eine chinesische Zeitung lesen – und verstehen – möchte, sagt Maja Linnemann. 

Herausfordernd beim Lernen seien nicht nur die vielen Schriftzeichen, sondern auch die ungewohnte Aussprache des Hochchinesischen mit den vier Tönen, so die KIB-Geschäftsführerin. Diese seien sehr bedeutsam: So ist eine Änderung im Ton auch mit einer Bedeutungsänderung eines Wortes verbunden.

Das Institut arbeitet auch mit mehreren Bremer Schulen zusammen, bietet Chinesisch-Unterricht etwa als AG an. Am Horner Gymnasium wurde im vergangenen Jahr eine Chinesisch-AG zum Abiturprüfungsfach ausgebaut und dafür ein sogenanntes „Konfuzius-Klassenzimmer“ – erst das vierte seiner Art in Deutschland – mit derzeit 25 Schülern eingerichtet. 

Der Unterricht soll auch auf berufliche Tätigkeiten im Zusammenhang mit China vorbereiten. „Fremde Sprachen zu beherrschen, eröffnet neue (Denk-)Welten, den Zugang zu Menschen und den schriftlichen Zeugnissen ihrer Kultur und Geschichte“, so Linnemann.

„Chinas hat ambitionierte Ziele für seine eigene Entwicklung und seine Rolle in der Welt und treibt Projekte wie die Neue Seidenstraße entschieden voran. Wir tun daher gut daran, unsere Kompetenz zu diesem wichtigen Akteur auf der internationalen Bühne zu stärken“, so Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) zum fünfjährigen Bestehen des Institutes, das hierzu in Bremen und der Region einen wichtigen Beitrag leiste.

„Sehr zufrieden“ zeigt sich derweil Schädler mit der bisherigen Entwicklung des Institutes, das zum Großteil vom chinesischen Bildungsministerium finanziert werde. Und hat derweil schon die nächsten Ziele vor Augen, darunter ein zweites Konfuzius Klassenzimmer in Bremerhaven.

Kritik und Vorträge 

Kritiker werfen den Konfuzius-Instituten vor, Plattform für chinesische Propaganda im Ausland zu sein. China nutze die Einrichtungen, um politisch Einfluss zu nehmen und ein ausschließlich positives Bild zu vermitteln. Prof. Monika Schädler, Direktorin des Konfuzius-Institutes Bremen (KIB): „Unser Ziel ist es, den Menschen das Land in all seinen Facetten näherzubringen. Selbstverständlich beinhaltet dies auch Schattenseiten.“ 

Beispiele für kritische Auseinandersetzung seien zwei Vorträge im Haus der Wissenschaft (Sandstraße 4–5). In der Reihe „China am Mittwoch“ spricht am 7. November der Bremer BWL-Professor Dr. Hans-Dietrich Haasis über „Chinas Politik der neuen Seidenstraßen: Vorteile für den globalen Handel und Chancen für die internationale Logistik?“ 

Die Sinologin Dr. Lena Kuhn aus Halle (Saale) beschäftigt sich am 28. November mit dem „Ernährungswandel in China und seinen Folgen für Gesundheit, Umwelt und Agrarproduktion“. Beginn ist jeweils um 19 Uhr. „Beide Themen werden mit ihren Chancen und Problemen vorgetragen und diskutiert“, so Schädler. „Wir sind in keiner Weise an einseitigen Darstellungen interessiert.“

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