Streiktag in Bremen: Busse und Bahnen der BSAG stehen still

Lahmgelegt

Streiktag bei der BSAG (hier die Firmenzentrale am Flughafendamm). Im Hintergrund eine Straßenbahn. Die Fahrzeuge der BSAG blieben am Dienstag alle im Depot, einen Notbetrieb gab es nicht.
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Streiktag bei der BSAG (hier die Firmenzentrale am Flughafendamm). Im Hintergrund eine Straßenbahn. Die Fahrzeuge der BSAG blieben am Dienstag alle im Depot, einen Notbetrieb gab es nicht.

Bremen – Ein ungewohntes Bild in Bremen am Dienstag: Weit und breit keine Busse und Straßenbahnen. Die Gewerkschaft Verdi bestreikt die Bremer Straßenbahn AG (BSAG). Diese hat für den Streiktag den Betrieb komplett eingestellt. Insgesamt 130 Verkehrsbetriebe streiken in Deutschland. Die Hauptforderung: ein bundesweiter Tarifvertrag.

200 bis 300 Verdi-Mitglieder treffen sich am Morgen zu einer Kundgebung an der BSAG-Zentrale am Flughafendamm. Dennis Stahmann, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender, beklagt, dass die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände zu keinen Gesprächen bereit sei. „Das ist respektlos und geringschätzig gegenüber unserer täglichen Arbeit“, ruft er ins Megaphon.

Streiktag in Bremen: Verdi will 35-Stunden-Woche

Er zählt weitere Forderungen auf, wie den Einstieg in 35-Stunden-Woche, 30 Tage Urlaub und die Bezahlung zusätzlicher Arbeitszeit ab der ersten Minute, die durch Verspätungen entsteht, und sowie höhere Zuschläge. Er spricht von einem hohen Krankenstand, verursacht durch die Arbeitsbedingungen – Überstunden und starke psychische Belastungen.

Verdi-Gewerkschaftssekretär Franz Hartmann sagt zur Gesprächsweigerung der Arbeitgeberseite: „Die haben was zu verstecken.“ Andere Branchen hätten bundesweite Tarifverträge, etwa Angestellte, die nach dem Tarifvertrag für Versorgungsbetriebe, dem Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst oder auch dem Tarifvertrag der Länder bezahlt werden. „Nur uns wird das verweigert.“

Streiktag in Bremen: Mehr Geld, mehr Ruhezeiten

Eine junge Busfahrerin am Platz wünscht sich mehr Geld und mehr Ruhezeiten. Ein Kollege spricht von Stress, vor allem während der Stoßzeiten. Verspätungen würden die Schichten teilweise bis zu eineinhalb Stunden verlängern. Der aktuelle Einstiegslohn für Fahrer liegt laut Stahmann bei 14,73 Euro. Altfahrer bekämen 19,69 Euro.

BSAG-Sprecher Jens-Christian Meyer sagt: „Wir respektieren den Streik, auch, wenn wir den Zeitpunkt nicht toll finden.“ Aktuell gehe es darum, Fahrgäste zurückzugewinnen, der Betrieb laufe wieder hoch, liege jetzt bei 70 Prozent. Er habe Respekt vor der Leistung der Kollegen im Fahrdienst und könne nicht einschätzen, welchen Stress diese bei der Arbeit haben. Meyer gibt zu bedenken, dass höhere Löhne den im Auftrag der Stadt durchgeführten Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) teurer machten. Die Ticketpreise stiegen aktuell um drei Prozent im Jahr. Mehr solle es nicht werden, damit der ÖPNV für jeden erschwinglich bleibt. Mehrkosten würden auf die Stadt zurückfallen. Die zahlte im vergangenen Jahr im Rahmen des sogenannten Verlustausgleichs mehr als 50 Millionen Euro.

Streiktag in Bremen: Auch Kritik an Aktion

In Bremen läuft am Dienstagmorgen alles relativ normal. Viele Menschen fahren Rad, gehen zu Fuß. Andere sind womöglich im Homeoffice geblieben. Auch die Verkehrsmanagementzentrale teilt mit: „Alles läuft normal.“ Lediglich an einigen wenigen Punkten habe es etwas mehr Verkehr gegeben. Verschiedene Linien ins Umland fahren. „Sie haben einen anderen Tarifvertrag“, sagt Hartmann.

Eine ältere Frau sitzt an der Domsheide. Sie ist zwar nicht betroffen, äußert aber Verständnis für den Streik: „Ein paar Haltstellen zu gehen, ist gesund.“ Eine ältere Frau an der Haltestelle Wilhelm-Kaisen-Brücke will zum Hauptbahnhof und hat gerade ein Taxi gerufen. Obwohl es mit dem Zug knapp wird, sagt sie: „Ich verstehe den Streik. Man muss es hinnehmen, weil die Interessen nur so gehört werden.“ Eine andere Frau sieht das kritischer. Im Öffentlichen Dienst habe man einen sicheren Job, während sich andere um ihre Zukunft sorgten, darunter sogar Piloten.

Streiktag in Bremen: Keine Chance auf Notbetrieb?

Der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Heiko Strohmann, hatte den Senat als Gesellschafter der BSAG aufgefordert, einen Notbetrieb sicherzustellen. Das hätte laut Meyer keine Chance gehabt: „Die Leitstelle ist auch bestreikt. Dann darf man nicht raus.“ Außerdem würden Fahrzeuge einfach in der Stadt stehenbleiben, wenn Ablösungen aufgrund des Streiks nicht kämen. Die BSAG dürfe gar nicht erfragen, wer zu streiken beabsichtige oder Gewerkschaftsmitglied sei. „Ein solcher Ersatzverkehr würde im schlimmsten Fall den ganzen Verkehr lahmlegen“, hieß es aus dem grünen Verkehrsressort. Senatorin Maike Schaefer: „Es ist leicht, einen Notbetrieb zu fordern, wenn man dafür keine Verantwortung tragen muss.“

Von Martin Kowalewski

Keine Linien, keine Abfahrten: „Wir werden bestreikt“, heißt es auf der elektronischen BSAG-Infotafel.

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