Bremen: Lachen am Krankenbett

Wie die Bremer Klinikclowns trotz Corona für unvergessliche Momente sorgen

Lachen ist die beste Medizin. Das weiß nicht nur Julia Wiegmann alias Clownin „Wilma“ von den Bremer Klinikclowns, hier bei einem Besuch eines kleinen Patienten.
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Lachen ist die beste Medizin. Das weiß nicht nur Julia Wiegmann alias Clownin „Wilma“ von den Bremer Klinikclowns, hier bei einem Besuch eines kleinen Patienten.

Unvergessliche Momente bereiten die Bremer Klinikclowns kleinen und großen Menschen - auch in Corona-Zeiten.

  • Bremer Klinikclowns sorgen im Klinikalltag bei Patienten für schöne Momente.
  • Veränderte Auftritte in Zeiten von Corona.
  • Masken machen das Spiel mit der Mik fast unmöglich.

Bremen – Sie sorgen für Momente und Erinnerungen, die im häufig tristen Klinikalltag für viele von unschätzbarem Wert sind: Die Bremer Klinikclowns besuchen seit nun fast 20 Jahren Kinder auf Krankenstationen, alte Menschen in Pflegeheimen und Sterbende in Palliativeinrichtungen. Nähe, Körperkontakt, das Spiel mit der Mimik – es ist der Werkzeugkasten der Clowns. Doch die Corona-Pandemie zwingt sie nicht nur auf Abstand, sie sorgt auch dafür, dass sich die Clowns neu erfinden mussten.

„Dürfen wir reinkommen?“ Es ist diese eine Frage, die die Bremer Klinikclowns vor jedem Eintritt ins Krankenzimmer stellen. Dann gehen sie los, die Versteck- und Ratespiele, die Slapstickeinlagen, das Singen oder die Zauberei. Auch heute, in Zeiten von Mundschutz und Mindestabstand, hat sich daran nicht viel geändert. Die Frage bleibt die gleiche, nur das, was danach kommt, hat sich durch das alles bestimmende Virus grundlegend verändert, berichtet Julia Wiegmann, Mitbegründerin der Bremer Klinikclowns und als Clownin „Wilma“ quer durch die verschiedenen Einrichtungen der Hansestadt unterwegs.

Bremer Klinikclowns müssen improvisieren

Waren es in „normalen“ Zeiten insgesamt 14 Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen in Bremen und Umgebung, die die Clowns in regelmäßigen Abständen besuchten, ist allein die Zahl der Häuser um rund die Hälfte geschrumpft, sagt Wiegmann. Doch nicht nur rein quantitativ veränderte Corona die Auftritte der Clowns.

Es ist eine Zeit, in der sie umdenken und improvisieren – und auf viele Dinge verzichten müssen, die sonst zum Handwerk eines Clowns einfach dazugehören. Kein Körperkontakt, keine Umarmungen, keine Möglichkeit, für einen kurzen Moment die Hand eines Patienten zu halten, obwohl dieser eben das gerade so sehr braucht. „Wir mussten viel dazulernen“, sagt Wiegmann, „und uns auch ein großes Stück weit neu erfinden.“

Es ist eben nicht nur die Maske, die das Mimikspiel quasi unmöglich macht und die Kommunikation erschwert, sondern auch die Spontanität auf den Fluren, das kurzfristige Einbinden des Personals, was zur Zeit wegfallen muss. Viel mehr als sonst, so Wiegmann, komme es als Clown nun auf die Körpersprache an, die es gelte, in den Mittelpunkt zu stellen. Und Improvisation ist gefragt: Gegenstände, wie Müllgreifer, Zollstöcke, aber auch Kescher werden als Abstandshalter benutzt und so ins Spiel eingebunden. Einige Kinder benutzen Kreide, um den Spiel- vom Zuschauerraum abzugrenzen und werden so in die Szenerie involviert.

Singen in Bremer Altenheimen ist tabu

Das Singen von Liedern, was gerade in Altenheimen von großer Bedeutung sei, falle momentan komplett aus. „Unsere Auftritte sind aktuell mehr als Show als individuelles Erspüren der jeweiligen Situation. Genau diese Bühnensituationen, die wir sonst eigentlich immer vermeiden wollten.“

Denn als Clown, sagt die gelernte Krankenschwester und Diplom-Psychologin, gehe es ganz zentral darum, aus „den kleinen, spielerischen Begegnungen liebevolle, den Moment überdauernde Erfahrungen entstehen zu lassen.“ Das sei eben viel besser im direkten Kontakt zu den Menschen möglich, weshalb sich das achtköpfige Team der Klinikclowns auch bewusst gegen Vorstellungen per Live-Videochat entschied. Dann doch lieber – lassen es die Umstände zu – Auftritte auf dem Balkon oder im Klinikgarten, die gerade im Sommer gut funktionierten. Gelacht wurde auch dort herzhaft. Und bekanntlich ist das ja die beste Medizin.

Duo in Aktion: Julia Wiegmann und Christian Braun (Clown „Kurt“) in einem Altenheim. Auf Singen, das sonst zum Repertoire gehört, müssen beide aktuell komplett verzichten.

Bremer Klinikclowns in Nöten

Die Idee der Klinikclowns hat mittlerweile eine fast 35-jährige Geschichte. 1986 startete der Mitbegründer des „New York Big Apple Circus“, Michael Christensen, eine Organisation, die Clowns in Kliniken schickte. Bereits in den 90er Jahren schwappte dieser Trend auch nach Deutschland über und mündete im Jahr 2004 in der Gründung des bundesweiten Dachverbands „Clowns in Medizin und Pflege Deutschland“, dem auch die Bremer Klinikclowns angehören. Das insgesamt achtköpfige Team besteht ausschließlich aus professionellen Clowns, die neben Besuchen in Einrichtungen auch bei Bühnen- und Straßenveranstaltungen zu finden sind, sagt Wiegmann. Wie viele andere Selbstständige, hat die Corona-Pandemie auch die Künstler hart getroffen. Wer die Bremer Klinikclowns unterstützen möchte, findet dazu mehr Informationen unter: www.bremerklinikclowns.de

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