Kunstwerke von Bremer Strafgefangenen sind ab heute im Lloydhof zu sehen

Der Adler und die Pinguine

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Hans-Henning Hoff mit Adler-Skulptur.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Hier ein Adler, Symbol der Freiheit. Dort ein riesiges Gummibärchen, Symbol vielleicht des süßen Lebens. An den Wänden Reptilien, im Regal belegte Brote, auf dem Fußboden Pinguine. Adler, Gummibärchen, Brote – alles aus Keramik. Kunst. Arbeiten von Bremer Strafgefangenen. Jetzt kommen sie damit in die Stadt. In einem Geschäftsraum des Lloydhofs sind ab heute, Sonnabend, Werke aus der Bildhauerwerkstatt der Justizvollzugsanstalt zu sehen.

Die Ausstellung wird um 11 Uhr eröffnet. Sie endet am 23. April mit einer Finissage (dann um 16 Uhr). Bis dahin sind die Kunstwerke aus der JVA-Werkstatt hier zu kaufen. Ein Weg, die weitere Arbeit der Werkstatt zu finanzieren. Zehn professionelle Künstler arbeiten hier mit Strafgefangenen, erklären ihnen Techniken und Arbeitsweisen – täglich vom Morgen bis zum Nachmittag.

Seit 1978 bereits gibt es die Werkstatt, eine im deutschen Strafvollzug einmalige Einrichtung – Anlass zur Gründung war ein Wettbewerb zur künstlerischen Gestaltung des Grüngürtels vor der Anstalt. Seit 19 Jahren trägt der Verein „Mauern öffnen“ das Projekt.

Es handelt sich – genau betrachtet – um mittlerweile drei Werkstätten, wie Hans-Henning Hoff erklärt, der Vereinsvorsitzende. Erwachsene Gefangene arbeiten mit Holz und Stein, jugendliche Gefangene mit Ton. Eine dritte Werkstatt außerhalb der Gefängnismauern – für ehemalige Strafgefangene, für Langzeitarbeitslose und zur Außendarstellung des Projekts.

Außendarstellung – dazu dient natürlich jetzt auch die große Ausstellung im Herzen der Stadt. Aber nicht nur sie. „Wir sind mit mehr als 400 Skulpturen in der ganzen Stadt vertreten“, sagt Hoff. Im Bürgerpark ebenso wie an sogenannten sozialen Brennpunkten, in Kattenturm ebenso wie auf Schulhöfen. „Die Bürger finden die Arbeiten offensichtlich gut. So gut wie nichts ist zerstört oder beschmiert.“

Auf diese Weise sollen buchstäblich Mauern geöffnet werden – zugleich öffnet die Arbeit in der Werkstatt den Gefangenen neue Möglichkeiten, neue Welten. Hoff: „Kreativ zu arbeiten, das bedeutet auch, etwas über sich zu lernen, über die eigenen Fähigkeiten.“ Und schon so mancher Strafgefangene habe durchaus über seine eigenen (künstlerischen) Fähigkeiten gestaunt, die sich bei der Arbeit in der Werkstatt auf einmal gezeigt haben, heißt es.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Resozialisierungsgedanke, der dem Projekt innewohnt. Und auch, „Wertschätzung von der Bürgergesellschaft zu erfahren“, wie Hans-Henning Hoff es formuliert.

So kommt es auch vor, dass die Bildhauerwerkstatt der Justizvollzugsanstalt Auftragsarbeiten übernimmt. So wird gegenwärtig beispielsweise über ein neues Eingangsportal für das Areal des Lür-Kropp-Hofs in Oberneuland gesprochen. Wer weiß, ob dann auch wieder Adler, Gummibärchen und Reptilien mit von der Partie sind.

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