Die Kunsthistorikerin Marianne Ricci hat den Bremer Süden inventarisiert

102 neue Denkmäler

Der heutige M-Trakt der Hochschule Bremen an der Langemarckstraße wurde 1903 erbaut. Auch dieses Gebäude soll unter Denkmalschutz gestellt werden. - Foto: Esser

Bremen - Von Jörg Esser. Das Land Bremen hat derzeit 1 787 geschützte Kulturdenkmäler. Im Bremer Süden allerdings herrscht Nachholbedarf Das soll sich ändern. 102 schützenwerte Objekte hat die Kunsthistorikerin Marianne Ricci auf dem linken Weserufer ausgemacht, wo sie in einem zweijährigen Inventarisierungsprojekt im Auftrag des Landesamts für Denkmalpflege fast 5 000 Objekte gesichtet hat.

Habenhausen, Arsten und Kattenturm, die Neustadt und das Buntentor, Huchting und Grolland, Woltmershausen, Rablinghausen, Seehausen und Strom – der Bremer Süden erstreckt sich über ein weitverzweigtes Gebiet. Da ist eine Inventarisierung ein gewaltiges Stück Arbeit.

Ricci studierte für die Untersuchung historische Karten, Baupläne und Fotos. Sie knüpfte Kontakt zu Heimatforschern vom Arbeitskreis Arster Geschichte(n), vom Huchting-Archiv und dem Kulturladen Pusdorf. Sie radelte durch die Ortsteile und erfasste die Bauwerke. Herausgekommen sei eine komplett neu bearbeitete, umfassende und flächendeckende Inventarisierung des Bremer Südens, sagt Landesdenkmalpfleger Professor Georg Skalecki. „Das ist ein neuer Baustein für die Entwicklung der Bremer Denkmallandschaft.“

Ricci ergänzt: „Gesellschaftliche Veränderungen erfordern auch eine Neubewertung des Gebäudebestandes.“

Unter den 102 Objekten, die die Kunsthistorikerin als „unverzichtbare Kulturdenkmäler“ eingeordnet hat, sind öffentliche Bauten, Geschäftshäuser, Miet- und private Wohnhäuser, Wohnanlagen, Sakralbauten und Gartenanlagen. Das Gesamtgefüge dokumentiere „architektonische Vielfalt“.

Der Friedhof Huckelriede zählt zu den Objekten, die Kapelle auf dem Woltmershauser Friedhof, das Gemeindehaus St. Jakobi und der Kirchenbau der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde in Mittelshuchting. Letzterer wurde von 1967 bis 1971 nach den Plänen des Architekten Carsten Schröck entworfen. Und der hat es bremenweit mit diversen Sakralbauten in die Denkmalsliste geschafft. Auch das „Gasthaus zur Börse“ an der Arster Heerstraße (Gebäudejahrgang 1878) listet Ricci als schützenswert auf. Hinzu kommen unter anderem das „Gut Perle“ in Sodenmatt, das ehemalige Bremer Heim der Hitlerjugend an der Obervielander Straße (erbaut: 1939), das frühere Isenberg-Kinderheim an der Kornstraße 209/211, erbaut 1914 nach den Plänen von August Abbehusen und Otto Blendermann, sowie die von Heinrich Flügel entworfene und 1891 bis 1892 erbaute Freischule an der Kantstraße. Jenes war laut Ricci das erste Schulgebäude, in dem Duschbäder eingebaut wurden.

Weiter geht es mit dem im Jahr 1903 erbauten, heutigen M-Trakt der Hochschule Bremen an der Langemarckstraße, dem Schalthaus Neuenland an der Neuenlander Straße, dem Kohlenschuppen am Gaswerk Woltmershausen und dem Verwaltungsgebäude der Brauerei Beck & Co., für das Schöpfer Ewald Brune 1978 den Preis des Bundes der Architekten (BDA) erhielt. Wohnhausensemble an der Gneisenaustraße („Bremer Häuser“) und der Ingelheimer Straße („Bauhütte Hansa“) sollen ebenso unter Denkmalschutz gestellt werden wie die Siedlung „Auf dem Beginenlande“, die 1939 und 1940 für die Arbeiter der Focke-Wulf-Flugzeugwerke hochgezogen wurde.

Bis alle Objekte im Bremer Süden tatsächlich unter Schutz gestellt seien, dürften zwei Jahre vergehen, sagt Skalecki. Und dann soll auch bald der Bremer Westen „Haus für Haus“ erfasst sein. Die Inventarisierung sei dafür immens wichtig. Skalecki: „Ich kann nur das schützen, was ich kenne.“

www.denkmalpflege.bremen.de

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