„Kunde, wünsch Dir was“

Bremer Online-Supermarkt „Myenso“ liefert auch in abgelegene Ecken

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Flach genug, um unters Regal zu fahren: Norbert Hegemann (vorn) und Thorsten Bausch prüfen auf einer Teststrecke einen Logistik-Roboter vom Typ G-Com.

Bremen - Von Martin Kowalewski. In der Gemeinde Blender nahe Verden gibt es keinen Supermarkt mehr. Doch die Welt des Internets bescherte etwa 3 000 Einwohnern nun Hilfe. Das Bremer Start-up „Myenso“, ein virtueller Supermarkt-Vollsortimenter, liefert dorthin. Bestellungen laufen per Internet, Telefon oder per Liste, abgegeben beim Bäcker vor Ort. Das Bremer Start-up will zudem, dass die Kunden auf das Angebot Einfluss nehmen.

Mehr als 1 000 Blenderianer sind über 60, so Norbert Hegmann. „Ich weiß von einer Blendianerin im Rollstuhl, dass sie ihre Einkaufsliste immer ihren Enkeln gegeben hatte. Jetzt gibt sie die uns. Wir holen die Leute ab, wo sie stehen.“ Freitags kommt alles Bestellte mit dem Kiosk-Wagen „Enso-Tüt“.

Langfristig solle „Myenso“ auch bundesweit in abgelegene Ecken liefern. „Es gibt in Deutschland Tausende von Blenders“, sagt Hegmann. Drei weitere Dörfer habe man bereits konkret im Auge. Für den Service gibt es auch schon einen Namen: „Tante Enso“. „Überall hin kann man sich Schuhe schicken lassen, überall kommt DHL. Nur einen Supermarkt, den gibt es oft nicht“, sagt Norbert Hegmann (44), Geschäftsführer bei „Myenso“.

40 .000 Produkte sollen zum Jahresende im Angebot sein, 10.000 sind es bisher. 5 500 Menschen sind bereits Mitglied bei „Myenso“. 100 Mitglieder sind freigeschaltet. Zum Herbst sollen es alle sein. Ziel zum Jahresende sind 16 .000 freigeschaltete Kunden.

Die Kunden sollen „Myenso“ mitgestalten können

Sie sollen den Shop in dieser entscheidenden Phase mitgestalten und testen. Sie können Produkte für das Sortiment vorschlagen. Findet der Vorschlag 1000 Follower, wird er erfüllt. „Wenn es schiefgeht, veröffentlichen wir eine Erklärung, in der steht, weshalb der Wunsch nicht realisierbar war“, sagt Thorsten Bausch (55), Geschäftsführer bei „Myenso“.

Ein Blick in den Shop zeigt, es gibt wirklich alles, was zu einem Supermarkt gehört. Zu jedem Produkt werden Alternativen gezeigt. Auch Marken, die man nicht überall sieht, haben hier eine Chance. Ein Beispiel: „Freche Freunde“, ein der Nachhaltigkeit verschriebener Berliner Anbieter gesunder Snacks für Kinder, darunter Chips aus Obst und Gemüse oder auch Fruchtriegel. Die Firma nimmt die Verpackungen zurück.

Im „Myenso“-Shop sind die Inhaltsstoffe der Nahrungsmittel angegeben sowie eine Nährstofftabelle. Bausch hat schon weitere Ideen. „Wir werden die Angebote zum Beispiel für Menschen mit Laktose-Intoleranz zusammenstellen oder mit Rezepten verknüpfen“, sagt Bausch. Im Webauftritt zu sehen ist die Seite „Wünsch Dir was“. Hier kann jeder Nutzer Wünsche eingeben.

Das Unternehmen hat finanzstarke Partner

Erste Gehversuche machte das Unternehmen mit Bewohnern und Mitarbeitern von Seniorenheimen des Anbieters „Convivo“. Dort existiert bereits ein Stamm von etwa 500 Kunden. Zur Zeit arbeiten 23 Menschen bei dem Bremer Start-up in der Überseestadt (An der Reeperbahn 6). Insgesamt 100 sind mit „Myenso“ beschäftigt, wenn man die Leistungen der Vertragspartner mit einrechnet. 

Aufgrund starker Partner steckt hinter „Myenso“ ein Investitionsvolumen von 100 Millionen Euro. Zu den Partnern des 2017 gegründeten Unternehmens gehören das Team Neusta in Bremen und die schwäbische Firma Grenzebach, ein Automatisierungsspezialist, heißt es.

Blick ins Lager von „Myenso“: Grenzebach hat für Hightech gesorgt. Hier lernen Roboter vom Typ G-Com und Steuerungstechnik sowohl auf einer Teststrecke als auch in zukünftigen Lagerhallen. Markierungen sind für die Roboter auf dem Boden geklebt. Noch läuft der Versand händisch an. Aber die Roboter werden bald mitwirken. So sollen die Kosten für den Lagerbetrieb um bis zu zwei Drittel gesenkt werden.

Die flachen Roboter passen unter die Regale, heben sie hoch und fahren sie zu den „Stargates“, wo Menschen die Ware in Kartons packen. Die Roboter kommunizieren. Das System ist lernfähig. Waren, die oft zusammen bestellt werden, werden nahe beieinanderstehen.

www.myenso.de

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