Kulturschock in der Heimat

Bremer Experten schulen den Umgang mit fremden Lebenswelten

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Imme Gerke und Jacques Drolet haben in der Bremer Überseestadt ihre „Kulturwerkstatt“ eröffnet, in der sie Kurse zum Umgang mit dem „Kulturschock“ anbieten.

Bremen - Von Dieter Sell. Wer nach Neuseeland kommt, wird von den einheimischen Maori nicht selten mit dem „Hongi“ empfangen, dem traditionellen Nasenkuss der Ureinwohner des Inselstaates. Indiens Städte fordern Gäste noch ganz anders heraus, etwa durch das Hupen in Dauerschleife und Kühe, die überall durch die Straßen trotten. Die meisten Menschen verspüren einen Kulturschock, wenn sie das erste Mal den Subkontinent besuchen.

Doch einen Kulturschock kann auch erleben, wer in der Heimat bleibt. „Zum Beispiel im Umgang mit Jüngeren oder Älteren, im Kontakt mit anderen Milieus und in der Begegnung mit Flüchtlingen“, sagt Lars Ackermann, Sozialpädagoge im Dienst der Bremischen Evangelischen Kirche. Um dem zu begegnen, organisiert er zusammen mit der Bremer „Kulturwerkstatt“ Seminare, mit denen sich beispielsweise Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe auf den Umgang mit kulturellen Unterschieden vorbereiten können.

„Statt den Wandel zu begrüßen und die damit verbundenen Chancen zu erkennen, empfinden viele Menschen eine unbestimmte Furcht und Angst vor fremden Kulturen“, hat Trainerin Imme Gerke erfahren. „Es ist eine Art Phobie vor fremden Lebensweisen – ein Phänomen, das übrigens Deutsche, Flüchtlinge und Migranten durchaus eint“, sagt die Expertin, die genauso wie ihr Partner und Ehemann Jacques Drolet viele Jahre in der Entwicklungszusammenarbeit tätig war.

Zahlreiche Folgen

Die beiden sind davon überzeugt, dass längst nicht nur die global denken, fühlen und kommunizieren müssen, die beruflich, für einen Schüleraustausch oder „Work and travel“ ins Ausland gehen. „Es geht alle an, die in der Nachbarschaft, in der Schule, an der Universität oder am Arbeitsplatz mit Menschen aus fremden Kulturen zusammentreffen“, betont Gerke.

In der interkulturellen Forschung gilt als gesichert, dass bei längeren Auslandseinsätzen Kulturschock-Symptome wie Stimmungstiefs, kulturelle Entfremdung und Heimweh auftauchen. Die Folgen können ganz unterschiedlich sein und reichen von Unsicherheit und Kontaktscheue über Angst und Depression bis hin zu totaler Frustration, Wut oder sogar psychosomatischen Reaktionen. Die Ursache für einen Kulturschock ist dabei immer der schrittweise Zusammenbruch erlernter Orientierungen, der Umstand, dass vertraute Normen und Werte im Gastland möglicherweise keine Gültigkeit haben.

Darauf versuchen Imme Gerke und Jacques Drolet, ihre Kursteilnehmer in ein- oder zweitägigen Seminaren vorzubereiten. „Sie müssen in Rollenspielen auf Szenarien reagieren, die größtenteils auf unseren persönlichen Erfahrungen basieren“, erläutert Gerke und ergänzt: „Zum Beispiel sind die Kulturen in Afrika so verschieden, dass die gleiche Geste in einem Ort zu einem riesigen Aufruhr führt, während sie woanders dankbar aufgenommen wird.“ Ziel ist es, dass die Teilnehmer einen Kulturschock wahrnehmen und kreativ damit umgehen können. - epd

Die nächsten Workshop-Termine der „Kulturwerkstatt“

14. Oktober, 4., 11. und 18. November sowie am 16. Dezember geplant (Anmeldung: sandra.lysiak@idrg.eu). Einen mehrtägigen VHS-Bildungsurlaub gibt es vom 23. bis 27. Oktober (Anmeldung: info@vhs-bremen.de).

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