Pago Balke und die „Zollhausboys“ kooperieren

Projekt „Grenz-Wertig!“: Ein kultureller Brückenschlag

Pago Balke (2.v.l.), Gerhard Stengert (2.v.r.) sowie Shvan Sheikho (v.l.), Ismael Foustok, Azad Kour und Bilal Ebrahimi haben Spaß bei den Proben für „Grenz-Wertig!“

Bremen - Von Jörg Esser. Mehr als 15 000 Flüchtlinge sind aus Syrien, Afghanistan und anderen Krisengebieten nach Bremen gekommen und suchen hier eine neue Heimat. Ihre Integration erfordert Mut und Phantasie. Und Projekte. So wollen die „Zollhausboys“ mit ihrem Programm „Grenz-Wertig!“ Brücken schlagen und Geschichten erzählen – aus Aleppo, Kobani und Bremen, vom Fliehen und vom Ankommen, von alter Heimat und neuem Zuhause.

„Kopf“ der „Zollhausboys“ ist der Schauspieler und Kabarettist Pago Balke. Er hat eine Musik- und Kabarettgruppe mit vier jungen Flüchtlingen auf die Beine gestellt und seinen kongenialen Dauerpartner Gerhard Stengert mit ins Boot geholt. Das Projekt ist ins Rollen gekommen. Balke und „seine Jungs“ haben längst erste Auftritte absolviert – bei der Einweihung eines Übergangswohnheims in der Überseestadt, bei der „Diversity-Tafel“ von „Werder bewegt“, bei der „Charta der Vielfalt“ im Mercedes-Kundencenter und bei der „Nacht der Jugend“ im Rathaus.

Längst basteln Balke, Stengert sowie Ismael Foustok, Shvan Sheikho, Azad Kour und Bilal Ebrahimi an einem abendfüllenden Programm. Die Proben werden intensiver, die Premiere rückt näher. Sie steigt am Donnerstag, 17.  August, im Theater am Goetheplatz. „Es gibt Hoffnung, dass wir das schaffen“, sagt Balke. Da klingt der Kabarettist durch. Und irgendwie auch die Kanzlerin.

Lassen wir das. Zurück ins Zollhaus, ein ehemaliges Hostel in der Überseestadt, das zur Unterkunft für 60 „unbegleitete minderjährige Ausländer“ (Uma) und damit auch für die jungen Musiker aus Syrien geworden ist. Die Betreiberfamilie Dökel hat Balke gebeten, sich im Zollhaus kulturell zu engagieren. Daraus sind dann die „Zollhausboys“ entstanden.

„Kulturbotschafter“ auf der Bühne

Die Gruppe sieht sich als „Kulturbotschafter“ und will die Themen Flucht, Heimat und Fremdheit auf die Bühne bringen – mit berührenden Songs und satirischen Szenen. Balke verspricht eine „kulturelle Attacke gegen das Fremdeln gegenüber den Menschen, die hier gelandet und gestrandet sind“. Und gegen jede Form von Rechtspopulismus. Musik, Theater und Kunst seien schließlich die Sprachen, die Brücken schlagen zwischen Menschen aus verschiedenen Ländern, Kulturen und Religionen.

Biographische Erlebnisse der jungen Flüchtlinge werden in Liedern und Szenen gefasst. „Ehrliche Texte“ bilden einen wesentlichen Bestandteil des Programms. So heißt es im Lied „Aleppo“: „Meine Stadt ist 10 000 Jahre alt, die Vergangenheit ist ausgelöscht, das lässt mich nicht kalt. Ich würde gerne wieder durch Basare streifen. Die gibt es nicht mehr, kaum zu begreifen.“ Balke: „Das ist keine Folkloreveranstaltung. Es geht uns um die Texte. Und es geht darum, um Verständnis für die Neubürger zu werben.“

Gesang vor allem auf Deutsch

Gesungen wird vor allem auf Deutsch, sagt Balke. Und fügt hinzu, dass die Jugendlichen „unheimlich gut und schnell die neue Sprache gelernt haben“. Es gibt auch kurdische und arabische Textstellen. „Das war für mich schwer zu lernen“, sagt der Kaberettist. „Die Jungs haben viel gelacht.“

Der Feinschliff für „Grenz-Wertig!“ läuft im Sommercamp auf Balkes ausgebauter Diele. Dann geht es Richtung Premiere. Danach folgen weitere Auftritte der „Zollhausboys“ unter anderem in Bassum (24. August), Hannover-Badenstedt (22. September), Barnstorf (23. September), Ehrenburg (3. November), Grasberg (4.  November), Wildeshausen (10. November) und Weyhe (1. Dezember) sowie in Bremen im Alten Pumpwerk (21. Oktober), im Bürgerhaus Weserterrassen (12. November) und im Lür-Kropp-Hof in Oberneuland (30. November).

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