Urteil des Landgerichts Bremen

Bremer Kuli-Stecher muss hinter Gitter

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„Ich mach Dich blind“ – mit diesen Worten soll der 36-Jährige (Mitte) seiner Ex-Partnerin mehrfach gedroht haben. Im Januar setzte er sein Vorhaben um, befand das Landgericht. Rechts im Bild: Verteidigerin Christina Walter.

Bremen - Von Steffen Koller. Früher, da liebte sie die Gesellschaft, mochte es, unter Menschen zu gehen, sagt Fatma Sayin über ihre Mandantin. Heute, mehr als acht Monate nach der brutalen Attacke ihres Ex-Freundes, der der Frau Ende Januar einen Kugelschreiber ins Auge rammte, bestehe ihr Leben aus Schmerzen, Komplexen und Schlafstörungen.

Am Montag sprach das Bremer Landgericht den 36-jährigen Angeklagten unter anderem der schweren Körperverletzung schuldig und verurteilte ihn zu neuneinhalb Jahren Haft.

Fatma Sayin wählt klare Worte, als wolle sie dem Angeklagten, der wochenlang beharrlich schwieg, noch einmal ins Gewissen reden. Sie spricht von „Brutalität, die mit normalem Menschenverstand nicht nachvollziehbar“ sei, von „barbarischen Schlägen“, von „Folter“. Und sie fordert das Gericht auf, sich all das bildlich vorzustellen.

Wenn Sayin von „all dem“ spricht, meint sie die Übergriffe des 36-jährigen Kurden, der seine einstige Lebensgefährtin mehrfach zusammenschlug. Einmal so heftig, dass die Frau das Bewusstsein verlor und sich nur retten konnte, weil sie Zuflucht bei Nachbarn fand. Nachbarn, die vor Gericht aussagten, sie dachten damals, ein Huhn werde geschlachtet. So sehr habe die heute 32-Jährige vor Schmerzen geschrien.

Es sind schockierende Details, die während des seit Juli dauernden Verfahrens öffentlich werden. Über mehrere Jahre soll sich der Mann an seiner damaligen Partnerin vergangen haben – letztlich werden nur zwei Taten zur Anklage gebracht.

Im Dezember 2017 – das sah es die Kammer unter Vorsitz von Richter Jürgen Seifert als erwiesen an – zerrte der Angeklagte die Frau in ihrer Wohnung von Raum zu Raum, prügelte mit „diversen Gegenständen“ auf sie ein, würgte sie und trat ihr in den Bauch, bis sie bewusstlos wurde. Erst einen Tag zuvor hatte er erfahren, dass sie zum zweiten Mal schwanger von ihm war. Fotos der Frau zeigten, dass es kaum ein Körperteil gab, das nicht verletzt gewesen sei, sagt Sayin in ihrem Plädoyer. „Er hat sie regelrecht gefoltert. Meine Mandantin war übersät mit blauen Flecken.“

Höhepunkt der Gewaltexzesse: Nachdem der 36-Jährige seiner Ex-Freundin am 26.  Januar einen so heftigen Schlag aus linke Auge verpasst hatte und sie ihn daraufhin „anflehte“ (so Anwältin Sayin), ins Krankenhaus zu dürfen, fuhren beide samt der ältesten Tochter (damals acht Jahre) noch in der Nacht des 27. Januar zum Klinikum-Nord.

Im Bus der Linie N7 drängte der Angeklagte die Frau auf die Sitze im hinteren Bereich des Busses, „fixierte sie“ und stach ihr „zielgerichtet“ mit einem Kugelschreiber ins linke Auge, sagt Seifert in der Urteilsbegründung. Nur weil Fahrgäste einschritten, verlor die Frau nicht auch noch die Sehkraft auf ihrem rechten Auge. Davon ist die Kammer überzeugt. Links, das bestätigte ein Gutachter, sei sie „quasi blind“.

Und darauf sei es dem Angeklagten auch angekommen, urteilte das Gericht. Mit einer Haftstrafe von neuneinhalb Jahren blieb das Urteil über der Forderung der Staatsanwaltschaft, die vergangene Woche sieben Jahre und einen Monat Haft beantragte. Sowohl Nebenklage als auch Verteidigung fordern am Montag kein konkretes Strafmaß.

Bei seinem „letzten Wort“ sagt der Angeklagte unter Tränen: „Ich bereue alles so sehr. Ich liebe meine Frau.“ Glauben mag man das nicht.

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