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Künstlerischer Sachverstand nicht nötig: Bremen bereitet Brechmittel-Mahnmal vor

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Von: Thomas Kuzaj

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Geplanter Standort: An diesem Platz zwischen dem Gerhard-Marcks-Haus und der Kunsthalle soll das Mahnmal stehen – praktisch an der Seite des Bildhauermuseums.
Geplanter Standort: An diesem Platz zwischen dem Gerhard-Marcks-Haus und der Kunsthalle soll das Mahnmal stehen – praktisch an der Seite des Bildhauermuseums. © Kuzaj

Bremen – Die Pläne zur Aufstellung des Bremer „Dealer-Denkmals“ werden konkreter. Das Kulturressort sucht jetzt Menschen, die in einer Auswahlkommission für das – so die offizielle Bezeichnung – „Mahnmal zur Brechmittelvergabe“ mitarbeiten wollen.

Nach einem dieser Tage veröffentlichten Aufruf hätten sich „mehrere“ Interessenten gemeldet, sagte ein Sprecher des Kulturressorts am Freitag auf Anfrage. Fünf Personen seien ausgesucht worden. Doch damit nicht genug: „Fünf weitere wären schön“, hieß es. Ganz ausdrücklich werden auch Menschen aus dem Umland angesprochen: „Man muss nicht in Bremen wohnen, um sich zu beteiligen.“ In dem Gremium sollen zudem auch die Kulturbehörde, das Programm „Kunst im öffentlichen Raum“ und die Initiative vertreten sein, die das Projekt angeregt hat.

Anlass ist der Tod des mutmaßlichen Drogendealers Laye Condé aus Sierra Leone. Dieser war nach der zwangsweisen Verabreichung von Brechmitteln am 27. Dezember 2004 (im Polizeigewahrsam) am 7. Januar 2005 (in einer Bremer Klinik) gestorben. Bei dem 35-Jährigen waren mehrere Drogenkügelchen (Kokain) sichergestellt worden. Der Brechmitteleinsatz war damals in Bremen noch erlaubt, wurde aber anschließend gestoppt.

Bremer Kulturressort spricht von „Foltermethode“

Bei der Präsentation einer selbstkritischen Broschüre zu dem Fall entschuldigte sich der damalige Polizeipräsident Lutz Müller Anfang 2014 und sagte: „Unter polizeilicher Obhut darf kein Mensch ums Leben kommen.“ Und weiter: „Das war so nicht in Ordnung, daraus müssen wir lernen.“

Bremer Aktivisten erinnern Jahr für Jahr an den Tod des mutmaßlichen Dealers; auch in diesem Januar gab es eine Kundgebung (in der Neustadt). Auch der behördliche Sprachgebrauch erinnert inzwischen mitunter an die Wortwahl von Aktivisten. In einer Mitteilung des Kulturressorts zum Beispiel heißt es mit Bezug auf die zwangsweise Brechmittelvergabe, Condé sei „an den Folgen dieser Foltermethode“ gestorben.

„Erfahrungen mit Rassismus und Diskriminierung in Bremen“

Das Auswahlgremium, für das nun noch bis zum 31. März mit gewisser Geduld nach Mitgliedern gesucht wird, soll den Aufruf zu einem künstlerischen Wettbewerb für das gewünschte Mahnmal formulieren. „Bis Sommer 2023“, so der Ressortsprecher, soll das Werk dann realisiert sein. Geplanter Standort ist eine Fläche zwischen dem Bildhauermuseum Gerhard-Marcks-Haus und der Kunsthalle – nah am Marcks-Haus. Insgesamt hat das rot-grün-rote Bremen 60.000 Euro für das „Dealer-Denkmal“ eingeplant.

Für potenzielle Mitglieder der Auswahlkommission gibt es gewisse Vorstellungen, die den Kreis der Kandidaten durchaus einschränken. Interessenten sollen laut Ausschreibung nach Möglichkeit „Erfahrungen mit Rassismus und Diskriminierung in Bremen“ einbringen können. Wer selbst von einem Brechmitteleinsatz betroffen war, ist ebenfalls aufgerufen, sich zu melden. Unmissverständlich heißt es zudem: „Sie brauchen keinen künstlerischen Sachverstand, sondern sollten Neugier und Erfahrung mitbringen.“

Über Pläne für ein Mahnmal gegen Drogenmissbrauch ist nichts bekannt.

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