Neuer Tunnel in Oberneuland: Schwieriger Begegnungsverkehr

Kritik am Millionenobjekt

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Oben Bahnen, unten Autos: So sieht er aus, der neue Tunnel. Mit der Unterführung an der Mühlenfeldstraße ist auch der dritte Bauabschnitt beendet.

Bremen - Frei nach dem Motto „Dreimal ist Bremer Recht“ haben Verkehrssenator Joachim Lohse (Grüne), Beiratsmitglieder und Anwohner der Mühlenfeldstraße am Montag die letzte von drei Bahnunterführungen in Oberneuland offiziell eröffnet. 53 Millionen Euro steckten Deutsche Bahn (DB) und Stadt in die sogenannten Kreuzungsbauwerke, die eigentlich den Verkehr im Stadtteil entlasten sollen. Doch bereits jetzt kritisieren Anwohner das Ergebnis.

Sechs Jahre Bauzeit, Investitionen von rund 53 Millionen Euro – eigentlich sollten die drei Bahnunterführungen in Oberneuland für Entspannung auf den Straßen sorgen. Nachdem im Jahr 2016 zunächst die beiden Bauwerke an der Franz-Schütte-Allee sowie an der Straße „Auf der Heide“ fertiggestellt wurden, folgte jetzt der dritte Streich. Kritisierten Anwohner an der Straße „Auf der Heide“ vorrangig die lediglich 4,50 Meter breite Fahrbahn, auf der es äußerst eng wird, sobald zwei Fahrzeuge in den Tunnel einfahren, ist auch jetzt die Fahrbahnbreite wieder ein großes Thema. Sechs Meter liegen zwischen den Fahrbahnrändern, geplant waren einst 6,50 Meter, sagte Martin Stellmann, Sprecher vom Amt für Straßen und Verkehr (ASV). „Das wird trotzdem funktionieren“, fuhr er fort. Busse würden sich zukünftig „arrangieren“. Trotz des Optimismus bleibe der „Abschnitt unter Beobachtung“ durch die Polizei. Große Sattelmaschinen dürfen den Tunnel nicht durchfahren, dafür sei er zu schmal, so Stellmann.

Dass alles reibungslos verläuft, davon sind einige Anwohner an der Mühlenfeldstraße bislang nicht überzeugt. Eine Frau fragte noch kurz vor der offiziellen Eröffnung, ob die Busse der BSAG denn schmaler geworden seien. Was sie meint: Fahren zwei Busse (Breite zwischen 2,50 und 2,55 Meter) zeitgleich in den Tunnel (Höhe 3,80 Meter) ein, könnte es eng werden. Und das nicht nur in der Unterführung selbst. Denn auch in Richtung Rockwinkeler Heerstraße würden zukünftig große wie kleine Fahrzeuge aufeinandertreffen – und müssten zum Teil auf den Bürgersteig ausweichen.

Die neue Bahnunterführung an der Mühlenfeldstraße in Oberneuland ist am Montag freigegeben worden. Nach rund sechs Jahren Planungs- und Bauzeit können Verkehrsteilnehmer den neuen Weg nutzen – doch es gibt Kritik am Tunnel.

Hinzukommt, dass sich Radfahrer und Fußgänger die etwa einen Meter breite Fahrbahn teilen müssen. Beiratssprecherin Tamina Kreyenhop (CDU) sagte zwar: „Alles besser als die Schranken vorher.“ Doch sie fügte auch hinzu: „Von einer Win-Win-Situation kann nicht die Rede sein.“ Anwohner wären in der Vergangenheit „enteignet“ worden und hätten „riesige Einschränkungen“ hinnehmen müssen. Dass die Mühlenfeldstraße jetzt trotz „desolaten Zustands“ zur „Hauptstraße“ geworden ist, stoße ihr bitter auf.

Verkehrssenator Lohse hingegen sagte kurz vor dem Wahlsonntag: „Die Zeiten des Lärms, der Staus und der Abgasverschmutzung sind vorbei.“ Seiner Ansicht hätten nicht nur Autofahrer einen Vorteil, auch „der Schienenverkehr gewinnt“. Durften Züge bislang nur mit 160 Kilometer pro Stunde durch den Bahnhof Oberneuland (Strecke Bremen–Hamburg) fahren, sind jetzt 200 erlaubt. Ob dadurch eine höhere Lärmbelastung entstehe, werde sich zeigen, so Lohse.

Vorrangig sollen die Unterführungen das örtliche Straßennetz „deutlich“ verbessern und Rückstaus vermeiden, die in den vergangenen Jahren insbesondere an den Bahnschranken aufkamen, hieß es vom ASV.

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