Bremer Airport-Chef Elmar Kleinert im Interview

„Krisen sind eine Herausforderung“

Eingangsbereich des Terminals am Bremer Flughafen
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Gespenstische Stille: Corona hat auch den nach Alt-Bürgermeister Hans Koschnick benannten Bremer Flughafen ausgebremst.

Der Flugverkehr am Bremer Airport tendiert gegen Null. Doch für Sommer 2021 kommt wieder Bewegung ins Spiel.

  • Das leere Terminal wirkt beklemmend.
  • Bulgarische Airline stationiert Maschine in Bremen.
  • Quarantäne bremst die Reisefreude.

Bremen – Die Pandemie hat den Flugverkehr ausgebremst. Auch am Bremer Airport sind die Passagierzahlen eingebrochen. Für den Sommerflugplan gibt es zarte Hoffnungsschimmer. Erste Flugziele sind angekündigt worden. Und die private bulgarische Airline Voyage Air will im Sommer eine Maschine (Boeing 737-500, 126 Sitze) im Neuenlander Feld stationieren. Wie geht es weiter am City-Airport? Ist eine Wiederbelebung des Flugverkehrs in Sicht? Wir sprachen mit Flughafen-Chef Elmar Kleinert.

Herr Kleinert, Corona hat unter anderem die Passagierzahlen einbrechen lassen. Derzeit stehen täglich lediglich vier bis sechs Starts im Bremer Flugplan. Macht Ihnen Ihr Job eigentlich noch Spaß?

Es ist schon wirklich beklemmend, wenn man derzeit am Bremer Airport durch das leere Terminal geht. Kaum Passagiere, kaum geöffnete Check-in-Schalter und viele der Geschäfte sind geschlossen – es ist oft gespenstisch still an unserem sonst quirligen Flughafen. Im November hatten wir gerade mal rund sieben Prozent der Passagiere im Vergleich zum Vorjahr, da sich durch die geltenden Reisebestimmungen die Flughäfen und Airlines faktisch seit Monaten in einem zweiten Lockdown befinden. Mit dem Wirrwarr an unterschiedlichen Bestimmungen je nach Reiseziel ist es fast unmöglich, eine Reise sicher zu planen. Und wer gerade nicht unbedingt reisen muss, tut es auch nicht. Aber natürlich macht mir mein Job am Flughafen Spaß. Krisen sind ja auch immer eine Herausforderung und die Möglichkeit, neue Wege einzuschlagen.

Faktisch seit Monaten ein zweiter Lockdown

Wie geht es zu Beginn des neuen Jahres weiter, wann werden beispielsweise die Kanaren und Mallorca von Bremen aus wieder angeflogen?

Gerade sind wir mit unseren Airlines in der Planung für den kommenden Sommerflugplan. Allerdings ist die Planung aufgrund der anhaltenden Pandemie nicht einfach, denn alles hängt immer davon ab, wie sich die Pandemie weiterentwickelt, wie die Reisebeschränkungen und die Bewertung von Risikoländern aussehen. Da können sich gerade aufgestellte Pläne auch immer wieder schnell ändern. Derzeit bietet Ryanair eine Verbindung nach Mallorca an und ab Februar fliegt Sundair nach Gran Canaria. Wir gehen davon aus, dass der Sommerflugplan aber noch viele Ziele mehr beinhalten wird. Und wir freuen uns natürlich, dass wir mit Corendon Airlines und Voyage Air schon die vier neuen Ziele Ankara, Izmir, Sofia und Burgas verkünden konnten.

Die Pandemie lähmt die Urlaubsplanungen. Wann ist aus Ihrer Sicht eine Rückkehr zu einer gewissen Normalität zu erwarten? Und wie lange mag es dauern, bis am Bremer Flughafen wieder zwei Millionen und mehr Passagiere pro Jahr abgefertigt werden?

Seit Juli 2018 im Amt: Bremens Airport-Chef Elmar Kleinert.

Wie rasch sich der weltweite Flugverkehr nach Corona wieder erholen kann, hängt natürlich davon ab, wie lange uns diese Pandemie noch begleitet. Solange fast alle weltweiten und europäischen Ziele als Risikoland eingestuft werden und Reisende sich bei ihrer Rückkehr in Quarantäne begeben müssen, bremst das natürlich die Reisefreude. Dazu kommt, dass alle Airlines ihr Angebot drastisch reduziert haben und es immer eine gewisse Zeit der Planung braucht, Flugpläne zu ändern und anzupassen. Viele Experten gehen davon aus, dass sich die Luftverkehrsbranche nur sehr langsam von Corona erholen wird. Inzwischen gibt es aber auch Stimmen aus der Branche (TUI, Ryanair, etc.), die eine Rückkehr zur Normalität schneller erwarten.

Immer neue Riskoländer

Bremen zählt zu den mittelgroßen Verkehrsflughäfen in Deutschland. Das Überleben scheint gesichert zu sein. Aber haben kleine Flughäfen wie Kassel, Lübeck, Rostock oder Erfurt nach Corona noch eine Zukunft?

Wir haben in dieser schweren Zeit für Flughäfen eine tolle Unterstützung durch unseren Gesellschafter, die Stadt Bremen, erfahren. Aus langjähriger Erfahrung weiß ich, dass auch kleinere Flughäfen nach Corona eine Daseinsberechtigung haben. Alle deutschen Flughäfen haben einen hohen volkswirtschaftlichen Effekt für ihre Region, sind ein Garant für Arbeitsplätze und sichern die Mobilität von international agierenden Unternehmen in der Region. In Deutschland ist das Flughafensystem polyzentrisch gewachsen, große und kleine Flughafen-Standorte ergänzen sich sinnvoll und behaupten sich so im europäischen Wettbewerb. Auch kleinere Flughäfen decken Bedarfe der allgemeinen Luftfahrt – Geschäftsflieger, Privatflieger, Kranken- und Organtransporte, Werkverkehre, Transport von Gütern und Trainingsflüge - und sind somit wichtig für die Anbindung ihrer jeweiligen Metropolregion

Passagierzahlen: Minus 73 Prozent

Bis Ende November sind die Passagierzahlen am Bremer Airport um 73 Prozent zurückgegangen – seit Jahresbeginn wurden in Bremen lediglich 582 626 Passagiere gezählt. In den ersten elf Monaten des Jahres 2019 waren es mehr als 2,145 Millionen. Nach dem ersten Lockdown wurden im April gerade mal 102 und im Mai lediglich 944 Fluggäste registiert. Im November lag die Passagierzahl bei 12 682, fast 93 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Zahl der Starts und Landungen sank in den ersten elf Monaten gegenüber dem Vorjahr um 43,4 Prozent von 33 809 auf 19 119. .

Bremen und Corona: Impfung ab 27. Dezember?

Bremen wird voraussichtlich ab 27. Dezember mit den Corona-Impfungen beginnen. Davon geht Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) aus. Das Problem werden allerdings laut Senatorin zunächst die geringen Mengen an Impfstoff sein, die Bremen zur Verfügung stehen. Das Ressort geht von 40 000 Impfdosen bis Ende Januar 2021 aus. Sie reichen für 20 000 Menschen, da jeder zweimal geimpft werden muss. Das reiche jedoch zumindest aus, um die Lage in den Altenheimen zu entschärfen, sagte Bernhard im Zuge der Debatte in der Bürgerschaft zum Thema Impfstrategie. Sie schickt nach Weihnachten 15 Impfteams auf den Weg, um erstmal Menschen über 80 in Pflegeheimen zu impfen. Weiter soll es dann mit dem Piks bei Pflegekräften in Heimen und Kliniken gehen.

163 Corona-Patienten in Bremer Kliniken

Wieder mehr Covid-19-Patienten in Kliniken des Landes, aber nicht mehr so viele neue Corona-Fälle wie am Vortag, das meldete am Donnerstagabend das Gesundheitsressort. Die Zahl der Neuinfektionen stieg im Land um 172 (davon 130 in der Stadt Bremen) auf insgesamt 12 254 seit Ausbruch der Pandemie. Der Inzidenzwert für die Stadt Bremen sank leicht auf 133. Zwei weitere Menschen mit dem Virus starben, bisher insgesamt 165. Aktuell sind dem Ressort 1 815 bestätigte Infektionen bekannt, davon 1 556 in der Stadt Bremen. War die Zahl der Corona-Patienten am Mittwoch auf 142 gesunken, stieg sie nun wieder auf 163 (davon 36 aus dem Umland). 36 liegen auf Intensivstationen. (gn)

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