Krippen aus aller Welt sind noch bis zum 6. Januar im Dom-Museum zu sehen

„Ein krippaler Infekt“

Rita Stumper arrangiert Tonfiguren einer peruanischen Weihnachtskrippe im Bremer Dom-Museum. Bis zum 6. Januar sind dort Krippen aus aller Welt zu sehen.
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Rita Stumper arrangiert Tonfiguren einer peruanischen Weihnachtskrippe im Bremer Dom-Museum. Bis zum 6. Januar sind dort Krippen aus aller Welt zu sehen.

Bremen - Von Dieter Sell. Feinster Alabaster, funkelnder Achat, schwere Bronze und geschliffenes Glas: Mit kostbaren Baustoffen haben Krippenbauer aus aller Welt die Geburt Christi inszeniert. Krippen dieser Art gehören zu den Schmuckstücken, die das Bremer Dom-Museum zurzeit in seiner Weihnachtsausstellung zeigt.

Gäste aus den Niederlanden inspizieren gerade ein Exemplar, das ihnen besonders ins Auge fällt: die Wiege verziert mit oberbayerischer Bauernmalerei, der Hirte in Wolljacke mit Trachtenhut und Lederhose. „Das kann doch nicht sein, die Leute haben damals doch ganz anders ausgesehen“, murmelt der Mann aus Groningen und schüttelt ungläubig seinen Kopf. Doch die Krippe aus Süddeutschland zeigt beispielhaft, wie Künstler schon seit Jahrhunderten versuchen, die Weihnachtsgeschichte möglichst nah am Leben darzustellen. „Die Figuren werden oft in Landestracht gekleidet“, sagt Museumsdirektorin Henrike Weyh.

Und tatsächlich findet sich ein paar Meter weiter eine von Kakteen eingerahmte peruanische Krippe mit einem Christkind, das eine Wollmütze trägt, wie sie in den Anden üblich ist. In der ecuadorianischen Brotteig-Krippe gegenüber sind die Hirten mit einem Poncho bekleidet. Mag sein, dass es diese Nähe und die Vielfalt der Kunstwerke ist, die Krippensammlerin Ruth Büssenschütt über Jahrzehnte begeistert hat. Von ihr stammen die Stücke, die das Dom-Museum ausstellt. „Meine Familie sagte immer, ich hätte Krippenaugen“, erinnert sich die 82-jährige Bremerin und betont, wenn sie eine schöne Krippe gesehen habe, „konnte ich einfach nicht widerstehen“. So kamen mehr als 200 Sammelobjekte zusammen, von der kleinsten Krippe in einer Nussschale bis zu großen Tonfiguren.

Manchmal stehen nur wenige Figuren beieinander, manchmal ist es wie bei den provenzalischen Santons eine ganze Völkerwanderung. Hier ist die Szene aus einem Block gefertigt, dort erlebt der Besucher die Geburt Christi wie in einem Guckkasten, schaut auf eine Landschaft, einen Perserteppich oder kann einen dreiteiligen Schrein aufklappen. „Das ist symbolisch“, sagt Weyh über die Lindenholz-Krippe, wiederum aus Oberammergau. „Der Schrein lässt sich öffnen und vermittelt das Gefühl, dass uns Gott in seine Welt hineinlässt.“ Mittlerweile hat Ruth Büssenschütt die meisten ihrer Krippen dem Dom-Museum geschenkt, weil ihr der Platz fehlt. „Ich hatte früher ein eigenes Zimmer mit Vitrinen für die Krippen, das geht jetzt nicht mehr“, sagt die Frau, die auch auf Reisen etwa in Tirol viele Sammelstücke entdeckt hat. „Da packte mich immer wieder mein Fieber, ich habe eben einen krippalen Infekt“, sagt sie.

Egal ob aus Holz, Keramik oder Papier, mit Ochs, Esel oder anderen Tieren – Herzstück jeder Weihnachtskrippe ist die heilige Familie mit Maria, Josef und dem Jesus-Kind in der Futterkrippe. Aber gerade wegen des Christkindes wird im Dom-Museum manchmal Protest laut. „Manche Besucher monieren, das Kind dürfe doch erst am Heiligabend in der Krippe liegen“, erzählt Dom-Mitarbeiterin Rita Stumper. muss an dieser Stelle aber passen. „Überall die Figuren aus den Krippen herauszunehmen und rechtzeitig wieder hineinzulegen ¨– das schaffe ich angesichts der großen Zahl der Ausstellungsstücke einfach nicht.“

Die Krippenausstellung ist noch bis zum 6. Januar montags bis freitags von 10bis 16.45 Uhr, sonnabends von 10 bis 13.30 Uhr und sonntags von 14 bis 16.45 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Geschlossen ist am 24. und 25. Dezember und zu Silvester.

epd

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