Nicht nur Fleischesser begeistert

Krimirevue „Alles Sülze“ auf dem Theaterschiff uraufgeführt

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Das russische Vollblutweib Frau Schmitz (Leena Fahje, v.l.), die wechseljahrsgeplagte Frau Müller (Sema Mutlu), die pedantische Frau Meier (Martina Flügge) und die längst schon pensionierte Frau Schulz (Astrid Schulz) sind in der neuen Theaterschiff-Revue „Alles Sülze“ die „Frauen am Rande der Wursttheke“.

Bremen - Von Viviane Reineking. Was als entspannter Arbeitstag im Supermarkt beginnt, endet am Donnerstagabend auf dem Theaterschiff in einem unerwartet blutigen Gemetzel. Mit wunderbar aufgelegten Darstellerinnen feierte die Krimirevue „Alles Sülze – Frauen am Rande der Wursttheke“ ihre Premiere.

Für die pensionierte und von „Rücken“ geplagte Frau Schulz (Astrid Schulz) ist „Wurst mein Lebenssinn“. Frau Müller (Sema Mutlu) ist auch geplagt, allerdings eher von wechseljahrsbedingten Schweißausbrüchen. Frau Meier (Martina Flügge) dagegen ist dem Hygienewahn verfallen und die Russin Frau Schmitz (Leena Fahje) mit ihrem deutschen Mann aus dem Katalog alles andere als zufrieden.

Dass keine Kunden morgens im Supermarkt erscheinen, wundert die vier lange nicht. Ebensowenig, dass ihr Chef, Herr Stromberg, nicht auftaucht. Ungestört lässt es sich so über Männer, Figuren, Frisuren und Urlaub plaudern. So weit, so harmlos.

Darstellerinnen zeigen Spielfreude pur

Die Revue aus der Feder von Astrid Schulz ist zum ersten Mal überhaupt vor Publikum zu sehen, eine Uraufführung also. Das allerdings ist den Darstellerinnen nicht anzumerken, von Nervosität keine Spur, stattdessen Spielfreude pur.

Wunderbar etwa, wie Astrid Schulz als Frau Schulz, blass, graues Haar, mit tatterigen Bewegungen, erst ihre Wursttheke einräumt, später einen anzüglichen Tanz auf die Bühne legt. Warum Hackfleisch in ihrem Leben eine besonders große Rolle spielt, erfahren die Zuschauer in einer kleinen Rückblende. Ebenso überzeugend: Sema Mutlu als Frau Müller im aufgebrezelten Amy-Winehouse-Look. In den Songs des Stückes kommt die kräftige Stimme der in Bremen lebenden Schauspielerin und Sängerin schön zur Geltung.

„Stromberg – Hackfleisch!“

Martina Flügge lässt die pedantische Frau Meier zwar gekonnt jodeln, Leena Fahje schlüpft mit überzeugend russischem Akzent in die Rolle der Frau Schmitz. Beide bleiben aber aufgrund ihrer Figuren ein wenig blasser als ihre Kolleginnen.

Dann nimmt die Geschichte Fahrt auf: Ausgerechnet die penibel korrekte Frau Meier hat es versäumt, die Ladentür aufzuschließen. Endlich ist der erste Kunde da. Dessen Sonderwunsch lässt Frau Schulz die Tür zum Kühlraum öffnen – und nur noch eines rufen: „Stromberg – Hackfleisch!“ Welch‘ Song würde da besser passen als „Cold as Ice“ (der Band „Foreigner“ aus dem Jahr 1977)?

Nichts für nervenschwache Vegetarierinnen, was dann in Hälfte zwei geschieht: Das Rätselraten um den Mörder beginnt. Als ihnen ein Polizist (in Gestalt von Uwe Lühring) auf der Spur ist, sehen die vier Grazien nur einen Ausweg: „Hackfleisch“!

Sehenswertes komödiantisches Gemetzel

Eine kurzweilige Mischung aus einem mit Liebe zum Detail kreierten Bühnenbild samt Wursttheke und Personalraum, Musik, Wortwitz und spürbarer Lust am Theaterspiel macht „Alles Sülze“ zu einem sehenswerten komödiantischen Gemetzel. Das begeisterte zur Premiere selbst Vegetarier unter den Zuschauern im vollbesetzten Theatersaal. Mimik und Gestik der Darsteller überzeugten ebenfalls auf ganzer Linie.

„Alles Sülze – Frauen am Rande der Wursttheke“ unter der Regie von Manuel Ettelt läuft zunächst bis Ende Januar 2018 auf dem Theaterschiff. Karten gibt es unter anderem in den Geschäftsstellen unserer Zeitung.

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