Videozentrale liegt in Vahr

Kriminalität im Blick: Polizei bewacht den Bremer Bahnhof mit 52 Kameras

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Ein Beamter bei seiner Arbeit in der neuen Videozentrale zur Überwachung des Bahnhofsbereichs im Polizeipräsidium Vahr. 52 Kameras im Bereich vom Übersee-Museum über Bahnhofsvorplatz bis zur Hochstraße werden von hier aus gesteuert. 

Ein Beamter in der neuen Videozentrale im Polizeipräsidium Vahr hat alles Geschehen auf dem Vorplatz des Bremer Hauptbahnhofs im Blick. Der Arbeitsplatz ist gespickt mit Monitoren. Dahinter: eine Wand mit noch größeren Bildschirmen. Am Dienstag stellten die Bremer Polizei und Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) die neue Zentrale vor.

Bremen - 52 Kameras werden von hier aus gesteuert. Der Beamte demonstriert, wie stark der Zoom ist. Erst zeigt ein Bildschirm einen großen Ausschnitt des Bahnhofsvorplatzes. In der Naheinstellung ist der Bereich klein, so lassen sich jedoch Gesichter erkennen. Es sind auch schwarze Flächen auf den Bildschirmen zu sehen. Eine davon überdeckt den Außenbereich einer Gastronomie, wo Menschen essen. Eine Software schützt die Privatsphäre. In diesen Bereichen wird nichts aufgenommen. Ansonsten können die Beamten die Aufzeichnungen jeder Kamera 48 Stunden in die Vergangenheit zurückverfolgen. 

Ein zweiter Arbeitsplatz steht für Sondereinsätze bereit, ein dritter für die gezielte Auswertung von Bildmaterial. Noch läuft der Probebetrieb. Vieles wird noch ausprobiert. Ab 1. Juni beginnt der Normalbetrieb. Die neu eingerichtete Zentrale wird auch Kameras in Vegesack, einem weiteren Bremer Kriminalitätsschwerpunkt, überwachen. Die Videozentrale ist rund um die Uhr besetzt. Die 52 Kameras haben den Bahnhofsbereich vom Übersee-Museum bis zur Post sowie vom Bahnhofseingang bis zur Hochstraße im Blick.

Acht Mitarbeiter sind dafür eingestellt worden. Die Personalkosten belaufen sich auf 400.000 Euro im Jahr, heißt es. Die Investitionskosten liegen bei 2,3 Millionen Euro. Mäurer gibt sich beim Termin kurz vor der Wahl überzeugt, dass der Bahnhof, den täglich etwa 150.000 Menschen passieren, sicherer wird, sobald alles funktioniert. „Wir lassen nicht einfach die Kameras laufen. Sinn der Sache ist, dass die Polizei einschreitet, bevor etwas Schlimmes passiert“, betont der Innensenator.

Hauptbahnhof ist seit Jahren Brennpunkt

Am Hauptbahnhof werden pro Jahr 2.000 bis 2.500 Straftaten verzeichnet, darunter Raub- und Betäubungsmitteldelikte, so Polizeipräsident Lutz Müller. Die moderne Videotechnik werde helfen, beweissichere Dokumentationen zu bekommen. Er betont die Wichtigkeit der Videoüberwachung: „Wir haben festgestellt, dass wir mit Kontrollen nicht weiterkommen. Sobald wir uns zurückziehen, kehrt der schlechte Zustand zurück.“

Die Bürger sollen zukünftig auch die Möglichkeit bekommen, direkt mit der Polizei in Kontakt zu treten. Dafür werden in den nächsten Wochen drei Säulen im Haltestellenbereich vor dem Bahnhof aufgestellt. „Sie können eine Taste drücken, dann wird ein Bild von Ihnen in die Videozentrale hochgeschaltet. Ein Beamter überwacht Sie, bis Sie sicher im Bahnhof angekommen sind oder den Bahnhofsbereich verlassen“, erklärt Carsten Roelecke, Bereichsleiter Video bei der Bremer Polizei.

Anlage genügt den Datenschutzbestimmungen

Vor der Inbetriebnahme hat es eine lange Phase der Abstimmung mit der Datenschutzbeauftragten gegeben, so Müller. Mäurer erzählt, seit einer Woche habe er Schwarz auf Weiß, dass die Anlage den Datenschutzbestimmungen genüge. Sonst hätte er sie nicht eingeweiht, sagt der Senator.

Bei friedlichen Kundgebungen und Demos werden die Kameras abgeschaltet, wie im Grundgesetz verlangt. Eine automatische Gesichtserkennung sei nicht vorgesehen, heißt es. „Derzeit gibt es keine Notwendigkeit, sich damit auseinanderzusetzen“, so Müller. Interessant wären andere Dinge, etwa intelligente Programme, die darauf aufmerksam machen, wenn irgendwo ein Koffer ohne Besitzer abgestellt wird. „Das wird zukünftig möglich sein“, sagt Müller. Die Videoüberwachung müsse auch unter dem Aspekt der Terrorabwehr gesehen werden. Übrigens, während Bremen für den Bereich vor dem Bahnhof zuständig ist, übernimmt im Gebäude die Bundespolizei die Videoüberwachung.

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