Neustart in Corona-Zeiten

Kreisverkehr: Bremer Stadionbad öffnet mit Schutzmaßnahmen

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Schwimmmeister Dieter Eekhoff, der im Stadionbad über die Sicherheit der Badegäste wacht, zeigt den Gurtretter. Der an seinem Körper mit Gurten befestigte Schwimmkörper kann dem Badegast zur Hilfe gereicht werden. Gebogen lässt er sich auch am Körper des zu rettenden Badegasts befestigen. Eine Rettung mit Sicherheitsabstand.
  • Martin Kowalewski
    vonMartin Kowalewski
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Bremen – Wolfgang Marg (70) aus Bremen hat 1 500 Meter im Wasser hinter sich. Der Frühschwimmer wirkt zufrieden. Gleich zur Eröffnung des Stadionbads am Montag herrscht überschaubarer Betrieb bei etwa 19 Grad Wassertemperatur im nicht beheizten Becken. Trotz Corona kann zumindest hier endlich wieder geschwommen werden. Allerdings sieht der Badebesuch wegen der Sicherheitsmaßnahmen anders aus als gewohnt.

Das Hauptbecken ist komplett in Bahnen eingeteilt. Auf den Bahnen herrscht zudem Kreisverkehr. Geschwommen wird jeweils auf der rechten Seite. Gewendet wird nach links, überholt in der Mitte der Bahn. So ist auf einem Hinweisschild am Beckenrand erklärt.

Intensives Training

Die Einteilung gefällt Marg. „Es ist besser dadurch, dass die Leinen drin sind. Die Leute müssen so schwimmen.“ Da nur wenige Gäste zugleich im Wasser sind, steht einem intensiven Training nichts im Wege.

Schwimmmeister Dieter Eekhoff (58) aus Uphusen sagt: „Den Kreisverkehr auf den Sportbahnen haben wir schon seit Jahren.“ Für einen ersten Tag sei es sehr ruhig, erklärt er. Nun ja, es ist auch nicht gerade warm. Für den Notfall sind Eekhoff und seine Kollegen coronasicher ausgestattet. Der Schwimmmeister zeigt eine Mund-Nasen-Maske, die Badeunfallopfern bei der Beatmung aufgelegt wird. „Die Ausatemluft geht nicht mehr zurück“, erklärt er. Ein Schutz für den Retter. Eekhoff sagt, auch fitte Schwimmer können in Gefahr kommen, etwa durch einen Krampf im kalten Wasser oder weil der Kreislauf plötzlich nicht mehr mitmacht. Auch wenn ein Schwimmmeister ins Wasser muss, vermeidet er den direkten Körperkontakt. Schutzmasken fürs Wasser gibt es nicht. Es hilft der Gurtretter, ein langer Schwimmkörper, denn er dann mit einem Gurt an sich befestigt und dem Badegast zur Hilfe reicht, um ihn abzuschleppen. Durch den langen Gurt bleibt der Sicherheitsabstand gewahrt. Der Schwimmkörper lässt sich auch biegen und kann dann per Gurt am Körper des Badegasts befestigt werden. „An Land wartet dann ein Kollege mit Atemschutz und Handschuhen“, so Eekhoff.

Umkleiden gesperrt

Tim Hülskamp (46) ist mit seinem Training fertig. Er hat 20 Bahnen, also 1 000 Meter, hinter sich und trocknet sich ab. Er fand das Wasser kalt. Aber es sei schön leer. Ein- bis zweimal die Woche kommt er ins Bad. Er versteht nicht, warum die Indoor-Duschen geschlossen sind. Diese befinden sich in Kabinen. Pressesprecherin Laura Schmitt verweist auf das höhere Infektionsrisiko in geschlossenen Räumen. „Auch berühren die Besucher dort viele Flächen. Wir haben hier den Luxus, Duschen draußen zu haben. Dort berühren die Gäste nur einen Knopf“, sagt sie. Auch die Umkleiden sind gesperrt. In die Toilettenanlage dürfen nur ein bis zwei Menschen zugleich.

Einschränkungen gibt es auch bei einer ganzen Reihe von Angeboten im Bad. Der Sprungturm ist zum Beispiel vormittags gesperrt, lediglich das Ein-Meter-Brett am Springerbecken ist zugänglich. Die Speed-Rutsche ist ganz gesperrt, weil auf der nicht gut einzusehenden Wendeltreppe der Sicherheitsabstand nicht garantiert werden kann. Die Breitrutsche ist offen für ein begrenztes Personenaufkommen.

Desinfizierung

Der Schwimmtag ist in zwei Zeitzonen eingeteilt. Zum Ende der Zeitzonen wird das Bad geleert. Das Personal hat dann eine Stunde, um alles zu desinfizieren, was die Besucher anfassen. Während der ersten Zeitzone dürfen 700 Menschen ins Bad, in der zweiten 600. Der Grund: Die Frühschwimmer ziehen nur ihre Bahnen und gehen dann wieder. Nachmittags bleiben die Besucher länger und liegen auf den Wiesen, erklärt Schmitt.

Das Konzept, inklusive der Öffnungszeiten und Eintrittspreise, wird auch auf die anderen Freibäder übertragen, die am Montag, 15. Juni, öffnen, darunter das „Schloßparkbad“ in Sebaldsbrück mit bis zu 1 000 Besuchern pro Zeitzone und der Außenteil des Westbades in Walle mit bis zu 400 Besuchern pro Zeitzone.

Zeitzonen

Tickets für den Freibadbesuch im Bremer Stadionbad (Franz-Böhmert-Straße 13) sowie für das „Schloßparkbad“ (Schloßparkstraße 52, geöffnet ab 15. Juni) und den Außenteil des Westbades (Waller Heerstraße 293 A) können im Onlineshop unter www.bremer-baeder.de gekauft werden. Eintritt für die Freibäder: Erwachsene (ab 16 Jahren): 4,70 Euro (ermäßigt drei Euro), Kinder und Jugendliche: ein Euro. Der Eintritt gilt für eine Zeitzone: wochentags fünf Stunden ab 7 Uhr oder ab 13 Uhr, am Wochenende vier Stunden ab 10 oder ab 15 Uhr. In den Bädern herrscht Maskenpflicht, Ausnahme: in den Becken und auf dem Weg dahin. Die Abstandsregeln sind einzuhalten.

Corona-Zahlen für Bremen

Im Land Bremen sind bis Montagabend 1535 Menschen (+1) positiv auf Covid-19 getestet worden, davon 179 in Bremerhaven. Das teilte das Gesundheitsressort mit. Aktuell zählt es 259 bekannte Corona-Infizierte, denn 1233 Patienten gelten inzwischen als genesen – 52 mehr als am Vortag. Auf die Stadtgemeinde Bremen entfallen 161 aktive bekannte Fälle, auf Bremerhaven 98. 31 Infizierte werden in Kliniken versorgt, vier müssen beatmet werden, heißt es.   gn

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