Individuelle Strickwaren

Bremer Start-up „Woollaa“: Kreativ und fair

Blick auf eine Strickmaschine.
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Blick auf eine Strickmaschine: Heute funktionieren diese digital.

Das Start-up „Woollaa“ macht seine Kunden zu Designern. Per Mausklick werden Motivwünsche an eine Strickmaschine geschickt.

  • Ein Stadtplan schwarz auf gelb.
  • Idee entsteht durch Youtube-Video.
  • Lange Transportwege entfallen.

Bremen – Ein bisschen Designer sein bei der eigenen Kleidung: Diese Möglichkeit bietet das Bremer Start-Up „Woollaa“ seinen Kunden an. Auf der Homepage können die Kunden Strickwaren mit Motiven versehen, Schriftzüge aufbringen oder auch über die Farbgestaltung vorgegebener Muster entscheiden. Das Ergebnis wird anschließend per Mausklick an eine Strickmaschine geschickt.

Ein schickes Motiv für einen Schal: Florian Pfeffer zeigt den Stadtplan von Bremen, wechselt die Farben und landet bei Schwarz auf gelbem Untergrund. „Man kann beispielsweise den Ort zeigen, wo man seine große Liebe kennengelernt hat“, sagt er. Und es ist Platz für einen Schriftzug. Vor vier Jahren gründete Grafik-Designer Florian Pfeffer (51) das Unternehmen mit seiner Frau Friederike Pfeffer (48), ebenfalls Grafik-Designerin. Florian Pfeffer lehrte von 2006 bis 2012 Kommunikationsdesign als Professor an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe.

„Share-Schal“ ist vier Kilometer lang

Stolz zeigt Pfeffer in seinem Start-up in der Bremer Neustadt (Güntherstraße 13) den vier Kilometer langen „Share-Schal“. Er existiert nur virtuell. „Man kann das Stück herausnehmen, das einem am besten gefällt, und das wird dann gestrickt“, sagt Pfeffer. Jedes Stück werde nur einmal verkauft, ein Unikat also. „Damit wird man Mitglied der ,Share-Schal’-Community“, erklärt Pfeffer. Insgesamt 1 820 Schals sollen dabei herauskommen. Jedes Stück Schal ist mit bunten geometrischen Mustern verziert.

Geometrische Muster

Die Aufträge gehen an eine Firma in Paderborn, so Pfeffer. Dort stehe eine Strickmaschine bereit. Ein Schal sei nach etwa 25 Minuten fertig. Die Lieferung binnen sieben Tagen wird garantiert. Pfeffer zeigt einen Schal. Die Maschen sind absolut gleichmäßig. Heute arbeiten Strickmaschinen digital, erklärt der Bremer: „Ein Pixel wird zu einer Masche.“ Aus 16 Farben können für ein Strickstück vier ausgewählt werden. „Die Farben auszusuchen, ist für viele nicht einfach.“ Da sollen die Editionen von Designern und Illustratoren helfen. „Wer geschickt ist und sich mit Photoshop auskennt, kann selber ein passendes Bild erstellen“, sagt Pfeffer. Das weitere Vorgehen zeigt Pfeffer anhand des Fotos eines Löwen. Das wird erst in Schwarz-Weiß mit vier Graustufen umgewandelt und dann in eine Version mit vier aus den 16 verfügbaren Farben.

Auf die Idee für „Woollaa“ kamen Pfeffer und seine Frau durch ein Youtube-Video. „Da hatte jemand eine Handstrickmaschine gehackt. Wir dachten uns, was wäre, wenn man das mit einer industriellen Strickmaschine macht?“

Das Besondere an den Produkten sei die Beteiligung des Kunden am Entstehungsprozess. Das sorge für eine emotionale Bindung. Ein solches Produkt werde nicht so schnell weggeworfen.

Unternehmen ist ein Prototyp

Pfeffer zitiert eine Umfrage im Auftrag von Greenpeace aus dem Jahr 2015, wonach in Deutschland 40 Prozent der Kleidungsstücke nahezu ungenutzt weggeworfen werden. „Wir verkaufen erst, dann produzieren wir“, sagt Pfeffer. „On demand ist immer lokal. Bei einer Fertigung in China wäre der Transport beispielsweise zu teuer.“

Florian Pfeffer mit einem Kinderschal. Bei diesem kann nicht nur die Farbgebung bestimmt werden, auch den Namen können die Kunden in der Vorlage für die Strickmaschine schreiben. Der Schal vor ihm ist ein Stück aus dem vier Kilometer langen, virtuell existierenden „Share-Schal“. Jedes Stück des „Share-Schals“ wird nur einmal verkauft und ist somit ein Unikat.

Da lange Transportwege entfielen, werde CO2-Ausstoß vermieden. Positiv wirke auf die CO2-Bilanz auch, wenn die Kleidung lange getragen werde. Pfeffer übers Unternehmen: „Das ist ein Prototyp. Er zeigt, es geht on demand. Wir wollen neue Standards der Produktion etablieren.“ Niemand wolle bewusst Kleidung kaufen, die durch Kinderarbeit, unfaire Arbeitsbedingungen oder umweltschädliche Produktion hergestellt werde, ist Pfeffer überzeugt. „Wir wollen die Lieferkette transparent machen.“ Zukünftig soll „Woollaa“ On-Demand-Aufträge auf Strickereien in Deutschland verteilen. Das seien zwar nicht mehr viele, sagt Pfeffer. Doch die, die es gebe, hätten sich technologisch stark weiterentwickelt. „Technik und Innovation sind die Chance, so etwas wieder anzusiedeln“, sagt Pfeffer.

Chance für selbstkreierte Maß-Kleidung

In der aktuellen Pandemie sieht Pfeffer zwei für die Textilindustrie problematische Entwicklungen: „Die Lieferketten sind unterbrochen, und wegen des Shutdowns laufen die Lager voll. Solche Probleme haben wir nicht. Wir brauchen kein Lager.“

Der nächste technische Schritt ist in Planung. „Wir arbeiten daran, dass auch die Form des Strickstücks verändert werden kann“, sagt Pfeffer. Das soll etwa bei Pullis, Strickjacken und Mützen möglich sein. Eine Chance für eigenkreierte Maß-Kleidung.

Kontakt unter:

www.woollaa.com

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