Prozess um Schlägerei am Klinikum LdW fortgesetzt

Krankenpflegerin: „Es klang bedrohlich“

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Ali M. (rechts) wird bei Prozessauftakt in den Gerichtssaal geführt. Er ist zusammen mit drei weiteren Männern angeklagt, im März bei einer Massenschlägerei im Krankenhaus Links der Weser beteiligt gewesen zu sein. 

Bremen - Von Steffen Koller. Mit den ersten Zeugenaussagen im Prozess um die mutmaßliche Massenschlägerei am Krankenhaus Links der Weser (LdW) hat am Mittwoch die Beweisaufnahme am Landgericht Bremen begonnen. Angeklagt sind vier Männer im Alter von 26 bis 36 Jahren, denen unter anderem gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt wird.

„Für mich war klar, irgendwas passiert jetzt hier“, erinnert sich ein 36-jähriger Anästhesiepfleger am Mittwoch vor Gericht. Dann, so schildert es der Zeuge, habe er sich – wie viele andere Kollegen auch – in Sicherheit gebracht. Zu viele Menschen seien es gewesen, die am Abend des 23. März dieses Jahres in die Notaufnahme des LdW „gestürmt“ sein sollen. Etwa 20 bis 30 Personen seien es gewesen, die zum Teil mit Holzlatten, einem Messer und einer scharfen Pistole bewaffnet waren und sich im und vor dem Krankenhaus eine wilde Schlägerei geliefert haben sollen. Laut Staatsanwaltschaft waren daran auch die Angeklagten Sami, Ali, Haliel und Mohammed M. beteiligt.

Vorausgegangen war, so die Anklageschrift, ein Streit zwischen Haliel M. und dem Mitglied einer anderen Bremer Großfamilie. M. soll Stunden vor der Schlägerei seinem Opfer die Nase gebrochen haben, was auch der Grund für dessen Besuch in der Notaufnahme war. Dort angekommen, habe er dem Klinikpersonal geschildert, er hätte einen Fahrradunfall gehabt und müsse schnell versorgt werden. „Der Mann machte einen unruhigen Eindruck“, erzählt eine Krankenpflegerin (29) vor Gericht, die am Tattag ebenfalls Dienst hatte. „Er wirkte getrieben. Irgendetwas passte an der Geschichte nicht – die Verletzungsmuster schon gar nicht“, so die 29-Jährige.

Aus Angst im Schockraum eingeschlossen

Zwar hätten alle drei Zeugen die Schlägerei mitbekommen, vor Gericht identifizieren können sie aber keinen der Angeklagten. Die Krankenpflegerin habe sich aus Angst im Schockraum eingeschlossen und kann sich heute nur noch daran erinnern, dass „es bedrohlich klang“, als die Menschen aufeinander losgegangen seien. Ein anderer Zeuge, ein 25-jähriger Krankenpfleger, habe sich um einen medizinischen Notfall kümmern müssen und sei erst dazu gekommen, als ein Mann bewusstlos auf dem Boden lag. Auch er will keine Gesichter erkannt haben.

Drei der vier Angeklagten sollen die Tat während einer laufenden Bewährung begangen haben, ihnen drohen Haftstrafen von mehreren Jahren. Ali M. sitzt als einziger wegen der jetzt angeklagten Schlägerei in Untersuchungshaft. Da sich keiner der Männer derzeit zu den Vorwürfen äußern möchte, wird das Gericht vermutlich mehr als 50 Zeugen hören müssen. Mit einem Urteil ist nach jetzigem Stand erst im Februar zu rechnen.

Mit der Vernehmung des mutmaßlichen Opfers und der Befragung weiterer Krankenhausmitarbeiter will das Landgericht am Dienstag, 11. Oktober, den Prozess fortsetzen.

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