Krankenhäuser sichern anonym Vergewaltigungsspuren

Bremen - Bei Vergewaltigungen steht vor Gericht oft Aussage gegen Aussage. Zeugen oder verräterische Spuren gibt es in den seltensten Fällen. „Ganz viele Verfahren werden aus Mangel an Beweisen eingestellt“, sagte die Psychologin vom Bremer Frauennotruf, Daniela Müller. Das soll ein Pilotprojekt in Bremen jetzt ändern. Nach einem sexuellen Übergriff können Opfer in drei städtischen Kliniken Spuren sichern lassen - und zwar anonym.

Dass die Untersuchung anonym ist, ist dabei entscheidend. Direkt nach der Vergewaltigung würden sich viele Frauen psychisch nicht in der Lage sehen, Anzeige zu erstatten und ihrem Peiniger vor Gericht in die Augen zu blicken, sagte Müller. Das könne später aber anders aussehen. Damit eine Anzeige dann noch Aussichten auf Erfolg hat, ist eine genaue Dokumentation nötig.

In den Bremer Kliniken untersuchen vom Frauennotruf geschulte Gynäkologen die Vergewaltigungsopfer. Sie machen Fotos von Verletzungen und suchen nach Spuren wie Sperma oder Hautpartikeln. Anschließend verschlüsseln sie das Beweismaterial und bewahren es für zehn Jahre anonym auf.

Idealerweise sollten sich die Opfer direkt nach der Vergewaltigung ins Krankenhaus begeben. „Das bekommen viele Frauen aber nicht hin, was absolut verständlich ist“, sagte Müller. Eine Untersuchung mache aber auch Tage später noch Sinn, denn Spermaspuren ließen sich im Körper, auf der Kleidung und auf Bettwäsche noch länger nachweisen.

In anderen Städten haben die Beratungsstellen bereits gute Erfahrungen mit der anonymen Spurensicherung gemacht. „Die Träger und Modellformen sind dabei unterschiedlich“ sagte Anita Eckhardt vom Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe in Berlin. Deshalb sei die genaue Zahl der Angebote nicht bekannt. „Ein großes Problem ist vor allem die unzureichende und unsichere Finanzierung sowie die nicht ausreichende Versorgung in ländlichen Gebieten.“

Auch in Bremen ist die finanzielle Förderung ungewiss. Deshalb ist das Pilotprojekt zunächst auf ein Jahr begrenzt. Im vergangenen Jahr hat der Frauennotruf nach Angaben von Müller 178 Vergewaltigungsopfer beraten. Zwei Prozent davon waren Männer.

dpa

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