Koschnicks „zweiter Mann“

„Bremer Frauen-Geschichten”: Bürgermeisterin Annemarie Mevissen

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Annemarie Mevissen war von 1952 bis 1975 die einzige Frau im Bremer Senat. Das Foto zeigt die Sozialdemokratin wieder in einer Männerrunde, im Senat des Jahres 1955. Rechts neben ihr sitzt der Präsident des Senats, Bürgermeister Wilhelm Kaisen.

Bremen - Von Nina Seegers. 1975 erhält sie die Bremische Ehrenmedaille in Gold, 30 Jahre später den Titel „Ehrenbürgerin der Hansestadt Bremen”. In Arsten ist ein Kinderhaus und in den Bremer Wallanlagen ein Weg nach ihr benannt. Annemarie Mevissen (SPD) ist eine Folge unserer Serie „Bremer Frauen-Geschichten” gewidmet.

Annemarie Mevissen (geborene Schmidt) hat fast ein ganzes Jahrhundert erlebt. Geboren zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 stirbt sie 2006 im stolzen Alter von knapp 92 Jahren in der Stadt, in der sie geboren ist – in Bremen. Sie ist 1967 die erste Frau, die in einem Bundesland der Bundesrepublik Deutschland das Amt eines stellvertretenden Regierungschefs besetzt.

Hier ist ihre Geschichte: Annemarie Mevissen und ihr zwei Jahre älterer Bruder Hans wachsen als Kinder des Sozialdemokraten Wilhelm Schmidt in der Bremer Neustadt auf dem Teerhof zwischen Großer und Kleiner Weser auf. Später zieht die Familie in die Gastfeldstraße. Der Vater ist während der Weimarer Republik ein bekannter Sozialpolitiker Bremens.

Nazis verwehren Ausbildung zur Lehrerin

Als sie 1934 ihr Abitur macht, verweigern ihr die Nazis eine Ausbildung zur Lehrerin mit der Begründung „politisch unzuverlässig“. So arbeitet sie als Buchhändlerin in Leipzig, Göttingen und Marburg und kehrt nach Bremen erst kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs zurück. Da ist sie bereits hochschwanger von ihrem Mann, dem Verlagsbuchhändler Werner Mevissen, den sie in Leipzig kennengelernt und geheiratet hat.

In der Nachkriegszeit leben sich die Mevissens in Bremen schnell ein. Während Annemarie ihr zweites Kind zur Welt bringt und 1947 mit 33   Jahren jüngste Abgeordnete der Bremischen Bürgerschaft wird, leitet ihr Mann Werner die „Volksbüchereien der Freien Hansestadt Bremen”, Vorläufer der heutigen Stadtbibliothek.

Einzige Frau im Senat

1952 wird die zweifache Mutter Senatorin des neu geschaffenen Ressorts „Jugendwesen”. Die ersten Jahre als „Frau Senator” sind schwer für SPD-Politikerin. Als einzige Frau im Senat muss sie sich die Anerkennung ihrer männlichen Kollegen hart erkämpfen. Ihr unermüdliches Engagement zahlt sich aus: 1959 vertraut ihr Wilhelm Kaisen die Leitung des Sozialressorts an.

Schon damals legt Mevissen die Priorität auf Themen, die heute aktueller nicht sein könnten. So setzt sie sich als Sozialsenatorin unter anderem für den Ausbau von Kindergartenplätzen ein, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern. Auch im Bereich der Altenpolitik setzt sie schon damals wichtige Maßstäbe und fordert geeignete Maßnahmen und Einrichtungen für ältere Menschen, so dass diese möglichst lange selbstständig leben können. Als Hans Koschnick (SPD) 1967 Bürgermeister und Präsident des Bremer Senats wird, ist der „zweite Mann“ eine Frau: Annemarie Mevissen wird Koschnicks Stellvertreterin.

Rückzug nach 23 Jahren

Nach 23 Jahren zieht sich Annemarie Mevissen schließlich 1975 aus dem Senat zurück. Auch ihr Mann Werner geht in diesem Jahr in den Ruhestand, stirbt aber bereits drei Jahre später.

Annemarie Mevissen überlebt ihren Mann um knapp 30 Jahre. Sie ist bis ins hohe Alter sehr aktiv. Sie malt viel, kümmert sich um ihren geliebten Garten ihres Hauses in Oberneuland und um Hund „Nico”. Ihr Grab befindet sich auf dem Riensberger Friedhof.

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