Güldenhaus feiert Comeback

Korn als Lifestyle-Produkt

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Tradition in neuem Gewand: Timo Koschnick (l.) und Hauke Eimann mit ihren Güldenhaus-Produkten. 

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Menschen kaufen Stories“, sagt Timo Koschnick. Kaum etwas bietet mehr Geschichten und Geschichte als eine traditionsreiche Marke. Koschnick und Hauke Eimann sind dabei, einem klassischen Bremer Markennamen neues Leben zu verleihen – Güldenhaus. Und so wird Korn auf einmal zum Lifestyle-Produkt.

Begriffe wie dieser waren noch lange nicht erfunden, als die Güldenhaus-Geschichte begann. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts entwickelte und erweiterte sich die Spirituosenfabrik in der Bremer Neustadt. Güldenhaus brannte unter anderem den Doppelkorn „Eiswette“. 1999 wurde die Spirituosenproduktion in der Neustadt eingestellt.

„Wir sind beide Bremer“, sagen Hauke Eimann und Timo Koschnick. Gemeinsam betreiben sie die Werbeagentur „Springflut“ – Schwerpunkt: Markenidentität. Kein Wunder, dass in den Agenturräumen am Fabrikenufer in der Überseestadt immer mal wieder auch über klassische Bremer Marken gesprochen wurde. Daraus erwuchs die Idee , etwas Eigenes aufzubauen.

Güldenhaus neu gegründet

Als die Rechte am alten Markennamen „Güldenhaus“ vor ein paar Jahren ausliefen, griffen Koschnick und Eimann zu. Sie sicherten sich die Rechte und gründeten Güldenhaus neu – mit dem Ziel, der Traditionsmarke und ihrer Geschichte neue Geschichten zu verpassen.

Und zwar mit „Genussprodukten“, wie Eimann sagt – im Einklang mit dem anhaltenden Trend zu handwerklich sorgfältig hergestellten Lebensmitteln. Der Markenname soll dabei, so die Idee, Nostalgiker und Lokalpatrioten ebenso ansprechen wie ein junges und genussorientiertes Publikum. Zudem setzen die beiden Gründer auf Überraschungseffekte. Als erstes neues Güldenhaus-Produkt etwa brachten sie keinen Schnaps auf den Markt – sondern: Wein (aus Rheinhessen). Passend zur Bremer Tradition als Weinhandelsstadt.

Dann kam der Korn. Wie der Wein als Produkt in einer Flasche, deren klare Gestaltung und Typographie sich von anderen abhebt und einen gewissen Qualitätsanspruch schon optisch signalisiert. Hinzu kommt bei dem Korn mit seinem transparenten Etikett ein weiterer Überraschungseffekt – der Geschmack.

Kooperation mit Lüning in Sulingen

„32 Prozent, einfach gebrannt, nicht sprittig, sondern charmant und von mildem Charakter“, sagt Eimann. Übersetzung: Frauen mögen den auch. Koschnick: „Wir wollen Korn anders interpretieren und das Produkt langsam wieder einführen.“

Dazu kooperieren die Bremer Güldenhaus-Neugründer sich mit Fachleuten aus dem Umland. Gebrannt und abgefüllt wird ihr Korn bei der Dampfkornbrennerei Lüning in Sulingen – „ein Familienbetrieb mit Erfahrung, die bis ins Jahr 1779 zurückreicht“, so Koschnick. Lüning habe bereits in den 70er und 80er Jahren für Güldenhaus „ein paar besondere Produkte gemacht“, sagt Eimann. Lüning hat auch die traditionellen Tongefäße, in denen der Korn wochenlang gelagert wird.

Eimann und Koschnick vertreiben ihre Produkte über die Gastronomie und über Fachhändler – nicht allein in Bremen, sondern beispielsweise auch in Syke, Bruchhausen-Vilsen und Martfeld. Sie setzen auf langsames Wachstum, ein Schritt soll auf den nächsten Folgen. Ein weiteres Güldenhaus-Produkt kommt im Februar auf den Markt: „Wacholder auf Kornbasis“, sagt Eimann. So werden der Geschichte einer Traditionsmarke peu à peu neue Kapitel hinzugefügt.

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