„Kopfloser Lockdown“

Bremer Friseure haben Angst vor einer Schließungswelle

Friseurmeisterin Doro Lutze in ihrem Salon in Schwachhausen. Viele Bremer Friseurbetriebe sind wegen des neuerlichen Lockdowns in ihrer Existenz bedroht, sagt Lutze. Für das
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Friseurmeisterin Doro Lutze in ihrem Salon in Schwachhausen. Viele Bremer Friseurbetriebe sind wegen des neuerlichen Lockdowns in ihrer Existenz bedroht, sagt Lutze. Für das

Bremen – Mit einschneidender Schärfe schlägt Bremens Friseur-Innung Alarm: Der Lockdown bringt etliche Locken-Künstler in Gefahr. Es herrscht Existenzangst in vielen Salons. „Sollten sie noch drei oder vier Wochen ohne für sie passende Finanzhilfen schließen müssen, würde das für viele das Aus bedeuten“, sagt Heiko Klumker, Obermeister der Bremer Innung.

Vor diesem Hintergrund fordern die Friseur-Innungen und die Kreishandwerkerschaften Bremen und Bremerhaven-Wesermünde sowie die Bremer Handwerkskammer Finanzhilfen, die – so ein Sprecher – „der besonderen Lage des Friseurhandwerks gerecht werden“.

Von einem „kopflosen Lockdown“ spricht Friseurmeisterin Doro Lutze. Seit mehr als 25 Jahren führt sie den Salon „D1 Friseur“ an der Straßburger Straße in Schwachhausen. Trotz guter Hygienekonzepte leide die Branche unter einem „Arbeitsverbot“, sagt Lutze.

„Wir leben von den Ersparnissen“

Laut Handwerkskammer können auch die derzeitigen staatlichen Finanzhilfen wenig zu einer Verbesserung der Lage im Friseurhandwerk beitragen. Hauptgeschäftsführer Andreas Meyer: „Wirtschaftliche Hilfen wie Kurzarbeitergeld oder Überbrückungshilfen helfen den Betrieben nur bedingt weiter, denn – anders als die sogenannten Novemberhilfen für die Gastronomie – ersetzen sie den Friseuren nicht den verlorenen Umsatz, sondern decken lediglich die Fixkosten ab. Erfasst sind also weder der Unternehmerlohn, mit dem die Inhaber ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen, noch die im Friseurhandwerk nicht unwichtigen Trinkgelder.“

Das geht an die Substanz, sagt Doro Lutze. In der ganzen Branche. „Wir leben seit dem ersten Lockdown von Ersparnissen.“ Und: „Ich kenne Leute, die ihre Altersvorsorge gekündigt haben, damit sie davon leben können.“ Lutze: „Wenn wir im Februar nicht öffnen, ist akutes Sterben programmiert.“ Schon jetzt hat sich sehr viel verändert. „Wir waren zu acht“, sagt Doro Lutze. „Jetzt bin ich alleine. Ich werde 2021 niemanden einstellen, weil ich nicht weiß, wie es weitergeht.“

„Viele Kollegen sind verzweifelt“

Im Dezember, als die Friseure ja erneut schließen mussten, hatten in einer bundesweiten Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks 57 Prozent der etwa 1 300 teilnehmenden Betriebe angegeben, starke oder sehr starke Existenznöte zu haben.

Diese Zahl ist nach Einschätzung der Bremer Innung mit der aktuellen Verlängerung des Lockdowns noch einmal stark angestiegen. „Viele Kollegen sind verzweifelt und wissen nicht mehr, wie sie die nächsten Wochen überstehen sollen“, sagt Obermeister Klumker. „Schon während des ersten Lockdowns haben viele ihre Reserven aufgebraucht. Für den neuen Lockdown, der ausgerechnet in der umsatzstärksten Zeit des Jahres kam, ist jetzt einfach keine Substanz mehr vorhanden. Eine längere umsatzlose Zeit werden viele Kollegen nicht überstehen.“

„An den Novemberhilfen orientieren“

Deshalb sei es „dringend geboten, die Höhe der derzeitigen Unterstützung zu überprüfen“ und sich dabei „an den Novemberhilfen für die Gastronomie zu orientieren“, so der Innungs-Obermeister weiter.

Stefan Schiebe, Geschäftsführer von Kreishandwerkerschaft und Friseur-Innung: „Die schwierige Lage, in der sich das Friseurhandwerk zur Zeit befindet, könnte dazu führen, dass sich künftig weniger Betriebe in der Lage sehen, auszubilden.“ Und: „Außerdem wirkt die Schließung de facto als Konjunkturprogramm für all diejenigen, die illegal Haare schneiden und dabei aller Wahrscheinlichkeit nach den Infektionsschutz, wie er in den Salons nachgewiesenermaßen umgesetzt wird, ignorieren.“

Kammer und Kreishandwerkerschaft raten „Handwerksbetrieben, die wegen des Lockdowns vorübergehend ihr Geschäft nicht öffnen oder ihre Berufstätigkeiten nicht ausüben dürfen“, sich „umgehend mit ihrem Steuerberater auszutauschen“.

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