Vielfalt ist bei „J-Cappella“ Trumpf

Sopranistin aus Korea, Tenor aus Tansania: Konstanz und Disziplin

Rucsandra Popescu (untere Reihe, Mitte) im Kreis ihrer Sänger von „J-Cappella“, dem Chor der Jacobs-Universität.

Bremen - An den ersten Auftritt erinnert sich Rucsandra Popescu gut: Der Chor war im Herbst 2008 noch recht klein, die Sänger unerfahren, die Lieder einfach. Und doch war da dieser Enthusiasmus, diese Emotionen, die berührten. Sie sind geblieben. Hinzu gekommen sind Professionalität, Ambitionen und der Wille, stimmliche Grenzen zu überschreiten. Aus „J-Cappella“, dem Chor der Jacobs-Universität, hat die musikalische Leiterin Rucsandra Popescu ein außergewöhnliches Ensemble geformt.

Als die gebürtige Rumänin, die aus einer Musikerfamilie stammt, den Chor übernahm, war sie selbst noch Studentin: An der Hochschule für Künste (HfK) war die damals 28-Jährige für einen Master in Komposition eingeschrieben. Gleich zu Beginn sprang die kleine Gruppe ins kalte Wasser. Sie sang gemeinsam mit dem Brahms-Chor und mit der Philharmonie der Nationen unter Leitung von Justus Frantz und Joshard Daus die „Chorphantasie“ und die „Symphonie Nr.9“ („Freude schöner Götterfunken“) von Ludwig van Beethoven.

Dieses Erlebnis schweißte zusammen, doch um einen Chor aufzubauen, braucht es mehr. „Es braucht Regelmäßigkeit, Konstanz und Disziplin“, sagt Popescu. „Anders lassen sich keine harmonischen Klänge entwickeln.“ Aber wie erreicht man Kontinuität und klangliche Homogenität, wenn alljährlich Chormitglieder ausscheiden, weil ihr Studium beendet ist und neue hinzukommen?

„Durch harte Arbeit, viel Geduld und klare Strukturen“, sagt sie lachend. Am Anfang sei es schwierig gewesen, junge Bässe und Tenöre zu finden. Doch mit der Zeit hat sich ein harter Kern an Stimmen herausgebildet, aus ehemaligen Studenten und Mitarbeitern, zu denen immer wieder neue Sänger aus den neuen Studienjahrgängen hinzustoßen. Wer dabei sein will, muss bei ihr vorsingen. Die Studenten brauchen keine Noten lesen zu können, aber sie sollten in der Lage sein, ihre Stimme kontrollieren zu können, sagt die Leiterin.

Gemeinsam geprobt wird einmal in der Woche, darüberhinaus treffen sich die Vertreter der einzelnen Stimmlagen wöchentlich separat. Hinzu kommen Chorwochenenden und Auftritte. Auch für Konzerte außerhalb des Campus wird „J-Cappella“ gebucht.

Internationalität als Markenzeichen

Das Markenzeichen des Chors ist seine Internationalität. Ein gutes Dutzend Nationen sind im rund 35-köpfigen Ensemble versammelt. So kann es sein, dass die Sopranistin aus Korea stammt, der Tenor aus Tansania und die Alt-Stimme aus Bulgarien. „Durch die Vielfalt hat ,J-Cappella' eine unglaubliche Präsenz. Jeder will nicht nur ein bisschen singen, die Sänger sind ehrgeizig, sie wollen ihr Niveau verbessern. Als Dirigentin ist das für mich ein großes Vergnügen“, so Popescu. Die Diversität spiegelt sich auch in den verschiedenen Musikrichtungen und Sprachen wider. Gesungen wird mal auf Deutsch, Englisch oder auch Französisch und Latein, von klassischen Titeln bis hin zu modernen Popsongs oder Beiträgen aus den Heimatländern der Sänger.

Die Vielfalt und Klasse von „J-Cappella“ erkannte auch die Jury des Internationalen Festivals für Advents- und Weihnachtsmusik in Prag an. 2012, bei ihrem ersten Wettbewerb, gewannen die Musiker gleich Silber. Ein Jahr später trat der Chor in Venedig auf, das Konzert hatte Popescu organisiert, die für drei Jahre in die Lagunenstadt gezogen war. „J-Cappella“ in Bremen betreute sie dennoch weiter. Popescu hat weitere Chöre unter ihren Fittichen und ist Lehrbeauftragte der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig. 2012 schloss sie ihr Konzertexamen in Komposition als eine der letzten Studentinnen von Prof. Younghi Pagh Paan ab.

Im Herbst feiert „J-Cappella“ zehnjähriges Bestehen. Eine musikalische Zeitreise, die Geschichte des Chors verpackt in einem Musical will die Leiterin zur Aufführung bringen. Viele ehemalige Chormitglieder aus aller Welt haben ihr Kommen bereits zugesagt.

jop

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