Trilogie vollendet

Neues Buch erklärt Bremens Reformations- und Stadtgeschichte

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Bremen und die Reformation – im Staatsarchiv (Fedelhören) wird zu dem Thema gegenwärtig die Ausstellung „Glaube und Politik“ aufgebaut. Sie ist ab 25. September zu seh

Bremen - Von Thomas Kuzaj. 23 Jahre hat es gedauert, nun ist die Trilogie abgeschlossen. Aber was sind schon 23 Jahre im Vergleich zu 500 Jahren Reformation?

Und um eben die Reformation, deren Jubiläum ja jetzt groß gewürdigt und gefeiert wird, geht es im neuen Band der „Bremischen Kirchengeschichte“, der am Freitag im Staatsarchiv präsentiert wurde.

Er behandelt, so der Titel, die „Bremische Kirchengeschichte von der Reformation bis zum 18. Jahrhundert“. Der Band zum 19. und 20. Jahrhundert ist schon 1994 erschienen, Bremens Kirchengeschichte des Mittelalters wurde 2012 vorgelegt.

Eine ganze Reihe von Autoren hat mitgewirkt an einem Projekt, das Professor Konrad Elmshäuser, der Direktor des Staatsarchivs, nun „ein Grundlagenwerk für die bremische Geschichte“ nennt. Gerade der nun vorliegende Reformationsband zeige: „Bremens Geschichte ist unmittelbar mit der Kirchengeschichte verbunden.“ Elmshäuser: „Die Stadt sähe ganz anders aus, wenn sie nicht durch die Reformation gegangen wäre.“

Glaube und Politik gingen Hand in Hand

Der neue, sein Thema sorgfältig und detailliert erforschende Band behandelt die Jahre ab 1517 ebenso wie die Entwicklung des bremischen Staatswesens – wobei die politischen Geschehnisse eng mit den kirchlichen verknüpft sind. Glaube und Politik gingen Hand in Hand. Von der Armenfürsorge bis zur Bildung: Konflikte und Diskussionen um die richtigen kirchlichen und weltlichen Wege haben Bremen immer wieder verändert. Auch um den lutherischen Dom geht es, der praktisch – so Elmshäuser – „als zweite Gewalt in der Stadt“ gewirkt und in der Zeit um 1800 schließlich „die Bevölkerungsmajorität“ vertreten habe.

Vieles im Bremen der Gegenwart – beispielsweise der Religionsunterricht – habe mit den „Konflikten und konfessionellen Strömungen“ in der Vergangenheit zu tun, sagt Pastor Renke Brahms, der leitende Geistliche der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK). Vor dem historischen Hintergrund sei auch die Unabhängigkeit der Bremer Gemeinden zu verstehen. Das neue Buch führe mithin zu den „Wurzeln“, zur Herkunft. Es sei „eine Schatzkiste, eine Fundgrube“ – und „ein tatsächlich ökumenisches Werk“.

Denn natürlich geht es auch um die katholische Kirche. Und um ihre schwere Zeit in den Jahrhunderten nach der Reformation. „Wenige Menschen blieben hier dem katholischen Glauben treu“, sagt Elmshäuser. „Es gab eine kleine Diasporagemeinde, die lange darum kämpfen musste, um überhaupt öffentlich auftreten zu dürfen.“ So sei es für Katholiken in Bremen lange Zeit schwierig gewesen, überhaupt Bürger zu werden.

1522 ist in Bremen die erste evangelische Predigt zu hören gewesen. Der Augustinermönch und Reformator Heinrich von Zütphen (um 1488 bis 1524) hielt sie am 9. November jenes Jahres in einer Seitenkapelle der St.-Ansgarii-Kirche. Er stieß damit nicht allein in der Bevölkerung, sondern auch bei Ratsmitgliedern auf durchaus offene Ohren. Nach 1522 ging es dann recht schnell voran mit der lutherischen Reformation, der ein Übergang zum Calvinismus folgte. Mit der Reformation begann zugleich die Ablösung der Stadt von der erzbischöflichen Herrschaft. Reformierte in den Gemeinden, Lutheraner am Dom – das sorgte lange Zeit für Konflikte. Ohne die im neuen Band ausführlich dargestellten Hintergründe sei die allgemeine bremische Geschichte nicht zu verstehen, so Elmshäuser.

„Bremische Kirchengeschichte von der Reformation bis zum 18. Jahrhundert“, Edition Falkenberg, 592 Seiten, 186 Abbildungen. Preis: 34 Euro.

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