Komplizierte Außensanierung des denkmalgeschützten Volkshauses

Rätsel der Fassade ist gelöst

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Nach etwa zehn Monaten Bauzeit ist die Sanierung der Volkshaus-Fassade in Walle fast abgeschlossen. Hier hat das Amt für Soziale Dienste seinen Sitz.

Bremen - 1 400 Klinker ausgetauscht, 800 Quadratmeter Fugen erneuert, 130 neue Fenster eingebaut – die Sanierung der Fassade des unter Denkmalschutz stehenden Volkshauses in Walle ist nach einer Bauzeit von rund zehn Monaten so gut wie abgeschlossen. Letzte Restarbeiten lässt Immobilien Bremen (IB) noch am Sockel des 1928 fertiggestellten Bauwerks erledigen, in dem das Amt für Soziale Dienste untergebracht ist.

Die aufwendige Maßnahme war notwendig geworden, weil herabstürzende Ziegel- und Mörtelstücke des Volkshauses zu einer ernsten Gefahr für Passanten wurden, blickte jetzt IB-Sprecher Peter Schulz zurück. Eine in der Folge eingeleitete Untersuchung des viergeschossigen Gebäudes an der Ecke Hans-Böckler-Straße/Auf dem Kamp ergab, dass insbesondere der Verfall der rund 1 700 Quadratmeter großen Fassade auf der Wetterseite bereits weit fortgeschritten war.

„Die Ursache des Übels konnte rasch ermittelt werden: Korrodierende, ins Mauerwerk der Außenfront eingesetzte Stahlträger hatten nicht nur Risse in den Steinen und aufgeplatzte Fugen verursacht, sondern auch dafür gesorgt, dass sich großflächige Fassadenteile nach außen wölbten und in die Tiefe zu stürzen drohten“, so Schulz weiter.

Unklar war jedoch, warum seinerzeit überhaupt Stahlträger im Außenmauerwerk verbaut worden waren und welche statische Funktion sie erfüllen. Denn für das ehemalige Gewerkschaftshaus, das nach Plänen des Bremer Architekten Richard Janßen errichtet worden war, liegen keine Bauzeichnungen mehr vor. Die Lösung des Rätsels eröffnete sich den Baufachleuten von Immobilien Bremen und auch dem eingeschalteten Architekturbüro Campe Janda erst, nachdem die Fassade über etwa 90 Fenstern geöffnet worden war.

Es stellte sich heraus, dass das Volkshaus teilweise in der sogenannten Stahlskelettbauweise errichtet worden war, die um 1900 in den USA entwickelt wurde. Dabei wird ein Gerüst aus Stahlträgern ausgemauert und anschließend mit einer Außenfassade versehen. Im Zuge der Sanierung mussten daher korrodierte Träger ausgebaut oder aufwendig freigelegt, gesäubert und mit Korrisionsschutz versehen werden, so Schulz.

Einige Stahlträger konnten ersatzlos entfernt werden, weil sie nach heutigen Erkenntnissen funktionslos waren. Darüberhinaus mussten die beiden Erker an der Westfassade zum Teil abgebaut und anschließend wieder aufgemauert werden. In Abstimmung mit der Landesdenkmalpflege wurden die maroden Teile der Fassade durch farblich passende Klinker aus der Torfbrandziegelei Wittmund ersetzt und von Hand verfugt. Auf der Aufgabenliste stand neben der Erneuerung oder Überarbeitung aller Fenster und der Natursteingewände unter anderem auch die Überprüfung der Sockel der sechs Skulpturen des Bildhauers Bernhard Hoetger auf Standfestigkeit. Bei dieser Gelegenheit wurden die einst von den Nazis eingeschmolzenen und 1979 wiederhergestellten Bronzefiguren von Schmutz und Ablagerungen befreit.

Weitere Arbeiten waren an der Dachkonstruktion sowie an der Hofkellerdecke erforderlich. Für die gesamte Baumaßnahme war den Angaben zufolge ein Etat in Höhe von rund 1,2 Millionen Euro veranschlagt worden. Dieser musste laut Schulz nicht ausgeschöpft werden, weil einige Arbeiten weniger aufwendig als ursprünglich eingeschätzt ausfielen. Der IB-Sprecher: „Ungeachtet der noch ausstehenden Schlussrechnung zeichnet sich daher ab, dass die Sanierung rund eine Million Euro kosten wird.“

gn

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