Das Waldau Theater punktet mit dem plattdeutschen Stück „De allerleste Tango“ / Knackige Charaktere

Komödienabend der alten Schule

Sehenswert: die plattdeutsche Komödie „De allerleste Tango“ im Waldau Theater in Walle.

Bremen - Von Boris Hellmers· Bei all den Musicalevents, dem Musikschul-Trubel und dem vielen bunten Drumherum, das das Waldau Theater seit Jahren prägt, hat man beinahe vergessen, woher das Haus eigentlich kommt – schließlich ist auch der frühere Name („Niederdeutsches Theater“) längst verschwunden. Am Montagabend gingen die Macher des immerhin drittgrößten Theaters der Stadt insofern einen Schritt zurück.

Mit „De allerleste Tango“ stand eine eigene Plattdütsch-Produktion auf dem Spielplan. Und das ist eine Krimikomödie der guten alten Volkstheater-Machart: Es bietet jede Menge spitzen Humor, ist mit fünf Rollen und Darstellern und einer unaufwendigen Ausstattung formal aber so schlank gehalten, dass es auch Tournee- und Amateurbühnen problemlos auf die Bretter bekommen – und damit eben auch für das Waldau Theater eine Produktion, die man ohne riesigen technischen Aufwand gut als Testballon fahren lassen kann.

Und dieser Ballon fuhr gut. Kaum, dass der Vorhang aufging, umschlich die Zuschauer dieses kommode Gefühl, das nur Theater bringen kann: ein gemütliches Bühnenbild (Roland Wehner), lauter knackige Charaktere und dieser einfache, aber nie billige Humor der Dialoge. So kennt man das Waldau von einst, hilfsweise das Hamburger Ohnsorg bis heute – beides ist durchaus vergleichbar.

In „De allerleste Tango“ ringen zwei Ehepaare mitein ander. Die verarmten Yachtbesitzer Bodo und Marga Sommer (Joachim Quirin und Nina Arena) suchen per Kontaktanzeige ein anderes Paar, das sie unauffällig mit ihrem Boot ins Verderben fahren lassen können – um am Ende die Versicherungsprämie zu kassieren. Doch die Sache gestaltet sich schwierig, denn es erscheint das Gaunerpärchen Dirk und und Frauke Grote (Kerstin Toelle und Markus Weise), das eher den Schmuck der Sommers im Visier hat. Man kann sich denken, was geschieht: Alles gerät durcheinander, es ergeben sich Überkreuz-Liebeleien mit reichlich Verwechslungskomik. Und in alledem ermittelt ohne viel Fortune der Tango tanzende Kommissar Brüggemann (Valerian Schidzick).

Für das Publikum im Waldau – ein sichtlich anderes übrigens, als man dort sonst zu sehen bekommt und damit eine erfolgreich neu erschlossene Zielgruppe – war „De allerleste Tango“ genau die richtige Mischung. Mit dem Ensemble aus professionellen Schauspielern waren naturgemäß weit mehr Nuancen möglich als beim weitverbreiteten „platten“ Laienspiel – alle fünf nutzten ihre Möglichkeiten auch weidlich aus. Der tollpatschige rückenleidende Bodo, den Joachim Quirin auch mal gekonnt auf Rollschuhen gab, der völlig überdrehte Dirk, die hausbacken-durchtriebene Marga, die jovial-extravertierte Frauke und natürlich, ganz schmieriger Humphrey-Bogart-Verschnitt, der Herr Kommissar: Für alle Darsteller gab es Stoff genug, um schauspielerisch „die Sau rauszulassen“. Damit brachen sie das Eis eines zunächst eher unterkühlten Publikums schon nach kurzer Zeit. Im Traditionshaus ergab das alles einen quirligen und unbedingt sehenswerten Komödienabend der alten Schule.

Im September wird das Stück von Bernard Fathman auf Hochdeutsch gespielt.

WWW.

waldautheater.de

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