Leitstelle „Saubere Stadt“ Bremen

Kohl-Scouts am Werdersee sollen für mehr Ordnung sorgen

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Kohl-Scouts sollen für mehr Ordnung bei Kohltouren sorgen

Bremen - In der kalten Jahreszeit ziehen Kohltouren in Scharen um den Bremer Werdersee. Bei Spielchen fließt traditionell eine Menge Schnaps. Doch mit steigendem Alkoholpegel sinke oft die Hemmschwelle, sagt Silke Küker von der Leitstelle „Saubere Stadt“.

Wo eine Kohltour am Bremer Werdersee langgezogen ist, verrät oft die Spur des Mülls: Zerbrochene Flaschen, leere Plastikbecher, Taschentücher und Teebeutel - denn diese müssen für den Weitwurf herhalten, einem der vielen amüsanten Wettkämpfe bei Kohlfahrten. In der kalten Jahreszeit ziehen überall im Nordwesten Kohlfans mit Bollerwagen und viel Alkohol durch die Gegend. Das ist seit Jahrzehnten gute Tradition, doch so manche Gesellschaft lässt es inzwischen zu doll krachen. Zum Ärger der Anwohner.

Bergeweise Müll, stundenlang laute Musik und Betrunkene, die in Kleingärten pinkeln - mit dem Alkoholpegel sinkt die Hemmschwelle der Kohl-Ausflügler am Werdersee. Dann - oder am besten schon vorher - sind Julia Webner und Oliver Schulz gefragt. Jeden Samstag fahren die beiden Studenten den rund 54 Hektar großen See samt umliegende Lokale mit dem Fahrrad ab. „Kohl-Scout“ steht in grüner Schrift auf ihrer Brust geschrieben. Ihre Aufgabe: Sie verteilen Müllbeutel an die Kohlfahrten, machen auf Papierkörbe und öffentliche Toiletten aufmerksam. Dazu gibt es einen Flyer, der ein paar Verhaltensregeln vermitteln soll - aber bloß nicht mit erhobenen Zeigefinger, das ist Gerhard Bomhoff wichtig.

Die Kohl-Scouts waren eine Idee vom Werdersee-Verein, dessen Vorsitzender Bomhoff ist. An einem Samstag sind schon mal bis zu 80 Kohltouren am Werdersee unterwegs. „Das ist wie eine Heuschreckenplage“, sagt Bomhoff. Spielverderber oder eine Art Sittenpolizei wollen er und sein Verein trotzdem nicht sein. Sie wollen lediglich mehr Rücksichtnahme, darauf sollen die Scouts von Januar bis Anfang April aufmerksam machen. „Beim Müll sind die Leute schon einsichtig“, kann Webner aus ihren ersten Erfahrungen berichten. „Die Lautstärke der Musik ist dagegen noch ein Problem.“ Am Ende hänge natürlich alles vom Alkoholpegel ab. „Umso später es wird, umso mehr blöde Sprüche kommen.“

Der Bürgerpark hat wegen des Ärgers mit den Kohltouren inzwischen die Notbremse gezogen. „Das hat im letzten Jahr Ausmaße angenommen, die nicht mehr tolerierbar waren“, sagt Direktor Tim Großmann. 20 bis 30 Gruppen seien jeden Samstag durch den Park gezogen, hätten überall Abfall liegen lassen und andere Besucher mit lauter Musik und Gegröle gestört. Einmal hätten Betrunkene sogar Flaschen ins Tiergehege geworfen. Damit ist jetzt Schluss: Seit Oktober gilt in dem privat finanzierten Park ein Alkoholverbot. „Am Samstag ist es jetzt deutlich ruhiger“, sagt Großmann.

Eine solche Handhabe hat die Stadt am Werdersee nicht. Silke Küker von der Leitstelle „Saubere Stadt“ kämpft dort schon länger gegen die Müllberge, die in der Grillsaison anfallen. Nach lauen Sommerabenden verschandeln oft weggeworfene Einweggrills, leere Verpackungen und Brandlöcher die Wiesen. Die Stadt hat deshalb mehr Container aufgestellt und das Grillen auf festgelegte Bereiche beschränkt. Doch nun werde auch die Wintersaison zunehmend zum Problem, sagt Küker.

Mit diesem Eindruck ist sie nicht allein. „Früher waren die Kohlfahrten gesitteter. Es fließt schon sehr viel Alkohol“, sagt die Wirtin Angela Giese. Sie betreibt mit ihrer Familie das Lokal „Der Kuhhirte“ am Werdersee, wo viele Gruppen nach ihrer Bollerwagentour zum Grünkohlessen einkehren. Dort und in anderen Restaurants in der Nähe des Sees können die Kohlfahrer ihren Müll abgeben. Auch die Bollerwagenverleiher nehmen nach der Tour das Gefährt inklusive Abfall zurück. Mehr Service geht kaum noch. Doch am Ende hängt alles von der Einsicht der Kohlgesellschaft ab.

dpa

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