Ökoaktivist schnippelt für eine bessere Welt

„Kochen ist immer politisch“

Kita-Kinder haben auf dem Marktplatz Gemüse geschnippelt, das sie Wam Kat in eine große Schale schütten. - Foto: epd/Sell

Bremen - Von Dieter Sell. Der gebürtige Niederländer Wam Kat hat schon für Hunderttausende gekocht – oft umsonst und am Rande von Demonstrationen gegen Atomkraft oder Globalisierung. So ist er zur Ikone der alternativen Bewegung geworden. Er sagt: „Kochen ist immer politisch.“

Lina rätselt. Das weiße Ding da vor ihrem Messer ist Gemüse, so weit ist alles klar. Aber was genau? „Eine verschimmelte Karotte“, ruft die Fünfjährige begeistert. Tatsächlich liegt eine etwas krumme Pastinake auf ihrem Brettchen, die sie und weitere mehr als hundert Kita-Kinder gestern auf dem Bremer Marktplatz zusammen mit Porree, Bohnen, Kartoffeln, Sellerie, Blumenkohl und anderem Gemüse in kleine Stücke schnippeln. Die Kinder gehören zum erweiterten Küchen-Team des Aktionskochs und Öko-Aktivisten Wam Kat, der gerade dabei ist, zum Auftakt des dreitägigen ökumenischen Stadtkirchentages ein großes Gemüse-Curry vorzubereiten. Vegan natürlich.

Keine Pappteller und kein Plastikbesteck

Zusammen mit dem evangelischen Hilfswerk „Brot für die Welt“ wirbt Kat mit der Open-Air-Aktion für eine nachhaltige Ernährung, zu der für ihn ganz selbstverständlich regional erzeugte und saisonale Zutaten gehören. Auch Pappteller und Plastikbesteck sucht man auf dem Marktplatz vergeblich. Die Kinder essen mit Blechlöffeln aus kompostierbaren Palmblattschalen.

„Kochen ist immer politisch“, meint der 59-jährige gebürtige Niederländer, und mit Kindern zu kochen, sagt er, sei eine besondere Aufgabe. „Wenn sie etwas nicht kennen, kommt es darauf an, ihnen das schmackhaft zu machen.“ Mit dem niederländischen Kollektiv „Rampenplan“ (auf Deutsch „Katastrophenschutzplan“) hat Kat die Idee der traditionellen Volksküche aufgegriffen. So begann er, Demonstranten zu versorgen, die sich gegen Atomkraft und die Startbahn West stellten. Heute kocht er mit seiner „Fläming Kitchen“ in Hamburg, Berlin und München für Demonstranten, die gegen die geplanten Freihandelsabkommen Ceta und TTIP protestieren wollen.

„Friedensburger“, „Kleine Punker“ und „Weltmahlzeit“

Mittlerweile ist er zur Ikone einer alternativen Kultur geworden, und seine Rezepte sind Programm. Sie heißen „Friedensburger“, „Kleine Punker“, „Ecotopia“, „Weltmahlzeit“ und „Sitzblockade“. Wobei er je nach Situation Zutaten verändert. Denn oft hat er schon erlebt, dass er so die Menschen glücklich machen kann, wenn was auf der Demo schief läuft. Dann greift er beispielsweise zu Nüssen, Rosinen oder frischem Obst. „Das hilft gegen Ärger“, hat Kat gelernt. „Als Koch muss man das fühlen.“

Bei der Schnippelaktion läuft aber alles wie geschmiert. Na ja, nicht ganz. „Du siehst böse aus“, fürchtet sich Lina, als sie zusammen mit anderen Kindern ihre geschnippelten Werke in der Küche von Kat abliefert. Der Mann mit dem ergrauten Pferdeschwanz reagiert mit einem Lächeln – und gewinnt im nächsten Moment die Sympathie der Fünfjährigen.

„Wir wollen durch Essen die Welt verbessern“, erklärt „Brot-für-die-Welt“-Referentin Angela Hesse das Verbindende zwischen Hilfswerk und Volkskoch. Gemeinsam kämpfen sie gegen Lebensmittelverschwendung, denn neuesten Studien zufolge wirft jeder Bewohner Deutschlands durchschnittlich 82 Kilo Lebensmittel pro Jahr in die Mülltonne. Der studierte Soziologe Kat verarbeitet oft die EU-Norm verfehlendes Grünzeug, das sonst untergepflügt oder weggeworfen werden würde.

Basisdemokratie beim Kochen – damit allerdings hat Kat schlechte Erfahrungen gemacht. Es gibt immer einen Verantwortlichen für einen Topf, der entscheidet, was rein kommt. „Wenn wir über den Geschmack diskutieren, kommt nie was auf den Tisch.“ 

epd

www.stadtkirchentag-bremen.de

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