Irma-Messe auf der Bürgerweide

Reha-Neuheiten in Halle 7: Per Knopfdruck in den Stand

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Perspektivwechsel im Parcours: Auf der bis Sonnabend dauernden Irma-Messe manövrieren sich Denise Frederick (links) und Lena Steinke durch die Hindernisse. 

Bremen - Von Elena Zelle. Rollstühle, die nicht umkippen, welche, in denen man stehen kann, und Hosen, die beim ständigen Sitzen nicht hochrutschen: All das und vieles mehr gibt es auf der „Internationalen Reha- und Mobilitätsmesse für alle“ (Irma) in der Halle 7 auf der Bürgerweide zu sehen.

Kurz den Oberkörper nach vorne neigen und los geht es: Was man von den sogenannten Segways kennt, gibt es auch für Rollstuhlfahrer. Bis zu 20 Kilometer pro Stunde schnell kann das Gefährt werden, wie Fabian Strecker, Mitarbeiter beim Hersteller „Urban Mobility 24“, auf der Messe erklärt. Man kann aber auch in den sogenannten Schildkröten-Modus stellen, dann geht es etwas langsamer voran. Umkippen könnten Fahrer mit dem Rollstuhl auf zwei Rädern nicht, beruhigt Strecker und rollt am Messestand in der Halle 7 wild hin und her. Wer länger steht, kann die Parkstützen ausfahren und braucht gar nicht mehr balancieren.

Trinken, ohne die Arme zu benutzen: Patrick Willems macht es auf der Irma-Messe vor.

Die ganze Zeit sitzen – das bringt gleich mehrere Probleme mit sich. Eines ist, dass sich leicht wunde Stellen bilden können. Um dem vorzubeugen, gibt es Rollstühle, in denen der Behinderte auch aufstehen kann – indem er sich selbst hochdrückt oder auf Knopfdruck hochgefahren wird. „Für den Nutzer hat das noch andere Qualitäten: sich auf Augenhöhe unterhalten können oder mal etwas aus dem Schrank nehmen zum Beispiel“, erklärt Mitarbeiter Peter Grünsfelder von der Firma „Rometsch“.

Ein weiteres Problem: Die Kleidung sitzt nicht richtig. Da schafft Jessica Lewerentz mit ihrem Bremer Schneiderbetrieb „Fadenstolz“ seit 2013 Abhilfe: Sie näht spezielle Kleidung nach Maß für Rollstuhlfahrer. Die Hosen haben zum Beispiel eingesetzte Knie, so dass sie nicht ständig hochrutschen. „Die vordere Mitte ist etwas kürzer und die Poponaht länger, damit die Nieren bedeckt sind.“ Außerdem hat sie T-Shirts im Angebot, bei denen das Rückenteil etwas länger ist und die an der Hüfte etwas weiter sind. Das soll verhindern, dass sie im Sitzen hochrutschen. Eine Frau im Rollstuhl ist am Messestand von „Fadenstolz“ auf der Suche nach Regenkleidung für ihr Handbike – auch da kann Lewerentz helfen: mit einer wasserdichten Jacke und dazugehörigen Beinlingen, die über die Hose gezogen werden.

Trinken, ohne die Arme zu benutzen

Ein paar Messestände weiter trinkt Patrick Willems von der Firma „Reha-Med Hilfsmittel“ aus einer Plastikflasche, ohne die Arme zu benutzen. Hilfe bekommt er von einem Roboterarm, an dem vorne zwei fingerähnliche Greifer sind. Dieser wird zum Beispiel per Joystick oder per Kopfsteuerung dirigiert. So kann ein Behinderter Sachen vom Boden aufheben, den Bart mit einem Elektrorasierer entfernen, mit einem Speziallöffel essen und natürlich sich einfach mal am Kopf kratzen.

Wie es ist, in einem Rollstuhl zu sitzen, können sich viele Menschen nicht vorstellen. Mitten in der Halle 7 gibt es deshalb einen Parcours, in dem sich Fußgänger als Rollstuhlfahrer versuchen können: Es geht zum Beispiel über Rampen und Kanten, durch eine Tür und durch ein Kiesbett. „Die Tür und die Steigungen sind eigentlich ok“, sagt Denise Frederick von der Krankenkasse AOK, eine der Initiatoren des Parcours. „Nach hinten kippen an den Kanten und das Kiesbett, das ist am schwierigsten.“ Lena Steinke, ebenfalls von der AOK, hat ihr durch den Parcours geholfen und meint: „Das ist eine Erfahrung wert. Jetzt merkt man erst, wie schwierig das ist und wie viel Kraft das kostet.“

Diese Probleme haben die Sportler in der Nachbarhalle wohl nicht: Dort wird Rugby und Basketball gespielt – im Rollstuhl. Neben den Zusammenstößen der Sportler ist ein Rasseln zu hören: Das ist der Ball beim Blindentischtennis.

Zur Irma werden rund 6000 Besucher erwartet, wie Messeleiterin Catharina Escales sagt. Die Messe mit rund 120 Ausstellern dauert bis Sonnabend, 10. Juni, und ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Eintritt: fünf Euro.

www.irma-messe.de

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