Straßennamen erzählen Geschichten (391): Die Katharinenstraße in der Bremer Innenstadt / Religion und Bildung

Das Kloster, die Bücher und die Waffen

Kreiszeitung Syke

Bremen - Von Thomas Kuzaj· Zwischen Sögestraße und Schüsselkorb lag es, das Katharinenkloster der Dominikaner – ab 1253 gebaut, im Jahr 1285 geweiht, um 1400 um eine Hallenkirche ergänzt. Und im Jahr 1528 geschlossen. Es tobte die Reformation.

Präsent ist das Kloster allerdings bis heute – unter anderem eben durch seinen Namen. Vom „Katharinenviertel“ sprechen die Bremer; es gibt die Katharinenpassage und das Parkhaus „Katharina“. Und nicht zuletzt die Katharinenstraße. Sie führt vom Schüsselkorb bis zum Liebfrauenkirchhof, also praktisch bis zum Blumenmarkt. Das Entree an der Ecke zum Schüsselkorb, dem Parkhaus gegenüber, bildet das Haus Katharinenstraße 15 – ein um 1625 errichtetes Bürgerhaus, gebaut im Stil der Spätrenaissance. „Mit barocken Elementen“, wie eine Tafel an der Fassade vermerkt. Einst wohnten wohlhabende Bürger in dieser Straße.

Doch zurück zum Dominikanerkloster. Was geschah nach der Schließung mit ihm? Die Lateinschule, aus der sich das „Gymnasium Illustre“ entwickelte, zog in die Klosterräume ein. Zunächst lag der Fokus auf Latein und auf evangelischer Religion. Daraus entwickelte sich eine Akademie – eine Hochschule mit den vier Fakultäten Philosophie, Jurisprudenz, Medizin und Theologie. Nur zur Universität reichte es nicht, weil das kaiserliche Privileg zur Verleihung akademischer Grade fehlte. Und so konnte das „Gymnasium Illustre“ schließlich auch nicht dauerhaft mit den Universitäten konkurrieren, zumal es ja im nicht so weit entfernten Göttingen tüchtige Konkurrenz gab.

Allerdings spielen das „Gymnasium Illustre“ und die Räume des früheren Katharinenklosters eine bedeutende Rolle in der Geschichte der Bremer Staats- und Universitätsbibliothek (SuUB), die in diesem Jahr ihren 350. Geburtstag feiert – wir berichteten.

Der Rat der Stadt nämlich hatte beschlossen, eine Reihe einzelner Buchsammlungen – darunter auch seine eigene – zu einer einzigen großen Bibliothek zu vereinen. Auf diese Weise entstand am 7. November 1660 die „Bibliotheca Bremensis“ im ehemaligen Katharinenkloster. Die neue Bibliothek sollte natürlich dem „Gymnasium Illustre“ dienen. Die Akademie blieb bis 1817 an diesem Ort. Es folgten ein Pfandhaus und weitere Schulen, Geschäfte und das „Historische Museum“. Die Bomben des Zweiten Weltkriegs ließen nur einige Gewölbe unbeschädigt  – heute ist hier ein Lokal zu finden. In der Kirche des Klosters wiederum hatten die Bremer ein Zeughaus eingerichtet, eine Lagerstätte für Rüstungen und Waffen.

Nach den Befreiungskriegen gab die Stadt ihr Zeughaus auf. Anno 1820 wurde das Kirchengebäude zu einem Packhaus, in dem Kaufleute Waren lagerten – sehr profan. 1888 begann ein Teilabriss. Der Chor wurde umbaut und 1960 schließlich ebenfalls abgerissen.

Das könnte Sie auch interessieren

Fall Chaschukdschi: Pompeos Krisentreffen in Saudi-Arabien

Fall Chaschukdschi: Pompeos Krisentreffen in Saudi-Arabien

EU will neuen Anlauf beim Brexit

EU will neuen Anlauf beim Brexit

Geiselnahme in Köln: Fahnder prüfen Terror-Hintergrund

Geiselnahme in Köln: Fahnder prüfen Terror-Hintergrund

Australien im Baby-Fieber: Harry und Meghan umjubelt

Australien im Baby-Fieber: Harry und Meghan umjubelt

Meistgelesene Artikel

Leiche in Gröpelingen gefunden

Leiche in Gröpelingen gefunden

250-Kilo-Bombe erfolgreich entschärft

250-Kilo-Bombe erfolgreich entschärft

Ohne Fahrerlaubnis: Mann fährt Familie an und flüchtet

Ohne Fahrerlaubnis: Mann fährt Familie an und flüchtet

Der Aufbau läuft: 983. Freimarkt wirft seine Schatten voraus

Der Aufbau läuft: 983. Freimarkt wirft seine Schatten voraus

Kommentare