Trump und sein „Handklöönkassen“

40 Jahre plattdeutsche Nachrichten: „Klock halbig ölben“

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„De Klock is halbig ölben. Tiet för de Narichten.“ Gesine Reichstein leitet das Team der plattdeutschen Nachrichten, die 1977 zum ersten Mal ausgestrahlt wurden.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Die plattdeutsche Sprache ist im Alltag längst nicht mehr so präsent wie noch vor Jahrzehnten. Doch es gibt die unterschiedlichsten Ansätze, sie durch das Zurückholen in den Alltag lebendig zu halten – von Arbeitsgemeinschaften in Schulen über Kolumnen wie „Us Ilse“ in unserer Zeitung bis zu den plattdeutschen Nachrichten im Hörfunk.

Und die gibt es seit nunmehr 40 Jahren. Radio Bremen hat den Jahrestag am Mittwoch groß gefeiert – sogar auf „Bremen Vier“ war da mal Platt zu hören. Normalerweise aber – und eingefleischte Fans wissen das ganz genau – kommen die „plattdüütschen Narichten“ ja auf „Bremen Eins“. Und das montags bis freitags immer „Klock halbig ölben“, sprich: stets um 10.30 Uhr.

Ein sechsköpfiges Team ist es, das „Dag för Dag dat Niegste up Platt in de Welt“ bringt. Neben Leiterin Gesine Reichstein gehören Jessica Bloem, Christiane Ehlers (Institut für niederdeutsche Sprache, Schnoor), Dr. Reinhard Goltz (Institut für niederdeutsche Sprache), die Bremer Schauspielerin Heidi Jürgens und Holger Zantopp dazu.

Sie haben eine Aufgabe, die gar nicht so einfach ist. Auf Platt klingt ja vieles irgendwie gemütlicher, volkstümlicher, manchmal gar auch humoriger als auf Hochdeutsch. Jedenfalls wird es zuweilen so empfunden. Eine Klippe, die Reichsteins Team umschiffen muss, wenn es gilt, das tagesaktuelle Weltgeschehen in die plattdeutsche Sprache zu übertragen. Die Texte der „regulären“ Nachrichtenredaktion bieten dafür die Grundlage.

Begriffe werden neu kreiert

Hinzu kommt für die Plattdeutsch-Crew die Herausforderung, zuweilen gewissermaßen zum Neuschöfper von Begriffen zu werden, wenn es gilt, Entsprechungen und Umschreibungen für Dinge und Worte zu finden, für die es (noch) kein plattdeutsches Wort gibt. Englische (und andere fremdsprachige) Vokabeln müssen ebenfalls mehr als nur gelegentlich kreativ ins Niederdeutsche übertragen werden.

Zuweilen aber macht auch genau das den Charme der Sache aus. Wenn US-Präsident Donald Trump mal wieder mit einem „Tweet“ auf Twitter aufgefallen ist, heißt es dann, dass er „wat up sien Handklöönkassen schreven hett“. Kurzum: „Trump hett all weer piept.“

„De Kanzlersche“ in der „Kult-Sendung“

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist in den Plattdeutsch-Nachrichten oft einfach „de Kanzlersche“. Vom Sport ist häufig die Rede – ein aktuelles Beispiel: „De düütsche Froens-Football-Natschonaalmannschop hett in’t eerste Speel in de Europameisterschop in de Nedderlannen liekop speelt.“

Scharfe Kritik an internationaler Politik

Über die scharfe internationale politische Kritik an der Türkei hieß es am Mittwoch klar und deutlich: „Törkei scharp bekrittelt“. Mehr Geld für Pflegekräfte? Bitteschön, auch auf Plattdeutsch ein Thema: „Minschen, de in Düütschland in de Pleeg arbeiden doot, schüllt mehr Geld kriegen.“

Noch häufiger als die „Kanzlersche“ – nämlich: jedes Mal – kommt natürlich das Wetter vor. „Pö a pö treckt vun Süüdwesten Wulken op. Gegen Avend kann dat Blitz un Donnerslag geven“, hieß es am Mittwoch zum Beispiel in den „Narichten“ – „op Platt trechtmaakt un vörleest vun Christiane Ehlers. Tohoopstellt hett jüm Michael Nendza.“

All das trägt dazu bei, die plattdeutsche Sprache auch im Alltagsleben der Gegenwart zu verankern – seit 1977. Radio Bremen könne stolz auf die plattdeutschen Nachrichten sein, sagt Peter Welfers, der Programmleiter von „Bremen Eins“. Die Sendung habe „schon Kultstatus“.

Und folglich wird es auch heute wieder heißen: „De Klock is halbig ölben. Tiet för de Narichten.“

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